Bugatti-Präsident
Thomas Bscher: Herr über 1001 PS

Thomas Bscher muss eigentlich nicht mehr arbeiten. Doch der Ex-Rennfahrer setzt alles daran, die Nobelmarke Bugatti groß zu machen.

KÖLN. Keine Spur von Luxus. Der Mann, der eine der edelsten Adressen der weltweiten Automobilindustrie repräsentiert, arbeitet unweit des Kölner WDR in einem schnörkellosen Nachkriegsgebäude. Nur wer gezielt danach sucht, findet auf dem Firmenschild unter einigen anderen Adressen den Namen Bugatti.

Auch Thomas Bscher, Präsident von Bugatti, hält nicht viel von Attitüden und Allüren. Er wirkt entspannt, wie es sich für einen „überzeugten Rheinländer“ gehört. Zur guten Stimmung trägt auch bei, dass es ihm offenkundig gelungen ist, den Mythos Bugatti wiederzubeleben.

Er hat es in seinen zwei Jahren an der Spitze geschafft, die Marke 100 bei den Bestellungen zu übertreffen und so die VW-Edelmarke zu retten. 100 Kunden sind zwar wenig für ein normales Auto, aber viele für einen straßentauglichen Rennwagen, der eine Million Euro kostet – plus Steuer! Damit ist ein Drittel der geplanten Produktion in der Automanufaktur im elsässischen Molsheim vergeben – ein Etappensieg für den weltläufigen Manager.

Bugatti ist nur eine Facette der vielen von Thomas Bscher. Der 54-Jährige ist gelernter Banker, er ist vermögend, er war erfolgreicher Rennfahrer, nennt zehn wertvolle Oldtimer sein Eigen und fährt Hochsee-Regatten mit einer eigenen Yacht. Dass ihn die „Welt am Sonntag“ deswegen einmal als „Experten für Männerträume“ bezeichnet hat, treibt dem sportlichen Mann ein amüsiertes Lächeln ins Gesicht.

Aber in die „Chauvi-Ecke“ möchte er sich nicht drängen lassen. „Früher hatte meine Mutter das Sagen und jetzt meine Frau“, kokettiert der Vater einer erwachsenen Tochter und eines sechzehnjährigen Sohns. Dabei entspricht das Auto, das er verkauft, dem Klischee des männlichen Imponiergehabes: ein Kraftprotz mit 1001 PS, der seine Power bei einem Tritt aufs Pedal unter ohrenbetäubendem Röhren entfaltet. Gut, räumt Bscher ein, unter den mehr als einhundert bisherigen Käufern des Bugatti Veyron – unter ihnen viele Amerikaner und der Scheich von Dubai – ist nur eine Frau, die Gattin des VW-Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch, der die Traditionsmarke Bugatti noch als Vorstandschef für den Konzern einkaufte, um seinen Traum vom schnellsten Serienauto der Welt zu verwirklichen. „Doch einige Ehefrauen sind das Auto gefahren – ohne Probleme“, schiebt Bscher nach.

Fast hätte das Fahrzeug seine Vorzüge nie unter Beweis stellen können. Als Bscher das Projekt Bugatti Ende 2003 übernahm, „stand es nicht gut“, erzählt er. Trotz hoher Investitionen in die Entwicklung und die Restaurierung des offiziellen Firmensitzes nahe der Bugatti-Keimzelle in Molsheim stand der Ausflug von VW in die Luxuswelt auf der Kippe. „Der Reiz war, zu sehen, ob ich das Ding drehen kann. Das Risiko, dass ein Scheitern mir angelastet wird, war begrenzt.“ Da spricht aus Bscher der Banker, der er „aus tiefstem Herzen“ noch immer ist.

Seite 1:

Thomas Bscher: Herr über 1001 PS

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%