Der Kampf um die WM-Krone
"Eichhörnchen" Schumacher gibt bei Aufholjagd Gas

Als Rekordjäger Michael Schumacher längst den Feierabend eingeläutet hatte, wurde bei Renault noch eifrig diskutiert. Der Ferrari-Triumph in Magny-Cours hat bei Weltmeister Fernando Alonso Wirkung gezeigt. Der Spanier, in der WM-Wertung noch 17 Punkte vor Schumacher, wird offenbar nervös. "Immer mache ich allein das Rennen. Ich habe nicht die Hilfe, die Schumacher von seinem Teamkollegen bekommt", sagte der 24-Jährige nach dem zweiten Platz in Frankreich und kritisierte erstmals offen seinen Arbeitgeber.

Schumacher agiert nach dem "Eichhörnchen-Prinzip"

Schumacher, der als erster Fahrer der Formel-1-Geschichte den gleichen Grand Prix achtmal gewonnen hat, nahm Alonso wieder zwei WM-Zähler ab. "Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen", meinte der 37-Jährige mit einem Grinsen: "Von jetzt an gilt unsere gesamte Konzentration den 17 Punkten, die wir noch aufholen wollen."

Zunächst wird sich Schumacher ein paar Tage zu Hause in der Schweiz erholen, am Mittwoch reist er dann nach Le Castellet, wo Ferrari am Donnerstag und Freitag testen wird. "Das sind wichtige Testfahrten, denn dort müssen wir die Reifen für die nächsten drei Rennen aussortieren", meinte Schumacher, der den positiven Schwung mit nach Hockenheim nehmen möchte: "Auch dort wollen wir wieder zuschlagen."

"Kleinigkeiten werden entscheiden"

Von einer Wachablösung wollte Schumacher aber nicht sprechen. "Die Situation kann sich mit jedem Rennen ändern. Von nun an werden vermutlich Kleinigkeiten den Titelkampf entscheiden", meinte der Ferrari-Star, der sich bereits auf sein Heimrennen am 30. Juli in Hockenheim freut.

"Bei uns stehen die Telefone nicht mehr still. Michaels Sieg ist für uns Gold wert, wir alle drücken ihm die Daumen, dass er den Titel noch gewinnt", sagte Hockenheim-Pressesprecher Hartmut Tesseraux dem sid. Die Kartennachfrage sei im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, als 112 000 Fans den Großen Preis von Deutschland sehen wollten. Schumachers Aufholjagd könnte Hockenheim nach Jahren erstmals wieder ein volles Haus bescheren.

Italienische Gazetten voll des Lobes

Italien feierte am Montag "Schumis atemberaubende Aufholjagd" (Gazzetta dello Sport). Die WM sei wieder offen und Schumacher der Alte, schrieb das Blatt weiter: "Wer behauptet, dass Schumacher für die Formel 1 zu alt ist, muss seine Meinung vor unbestreitbaren Tatsachen ändern. Mit 37 Jahren kämpft er wie ein Wahnsinniger." Schumacher habe mit "einer unglaublichen Genauigkeit das Rennen kontrolliert" (Tuttosport). La Repubblica stellte fest: "Schumi glaubt jetzt wieder an den WM-Titel."

Sogar die Rivalen trauen Schumacher den Titelgewinn wieder zu. "Das kann noch sehr eng werden, wenn Michael so weitermacht", sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen. Mercedes-Sportchef Norbert Haug glaubt ebenfalls wieder an Schumacher: "Es ist schön für den Sport, dass die WM wieder offen ist - und sie ist offen." Manager Willi Weber ist sicher: "Michael packt den Alonso noch."

Nach dem achten Frankreich-Sieg und dem 88. seiner Karriere soll für Schumacher eine weitere Acht folgen: der achte WM-Titel. "Das ist meine liebste Acht, das wäre ein Traumergebnis", sagt der 37-Jährige, der in den höchsten Tönen gelobt wurde. "Er ist eine Lichtgestalt, die es in der Formel 1 sicher in den nächsten 50 Jahren nicht mehr geben wird", meinte Ex-Rennfahrer Hans-Joachim Stuck bei Premiere.

Todt kündigt harten Zweikampf an

Ferrari-Teamchef Jean Todt blickte in der Stunde des Triumphes bereits nach vorn und sagte Renault eine erbitterten Kampf an. "Wir werden in Hockenheim schnell sein, wir werden überall schnell sein", meinte der sonst eher zurückhaltende Franzose geradezu euphorisch. Todt merkt, dass der Rivale angeschlagen ist: "Wir wollen die WM gewinnen, und wir wollen sie verdient gewinnen, alles ist wieder möglich." Ferrari-Technikchef Ross Brawn glaubt ebenfalls an die Wende: "Wir kommen von weit unten und holen jetzt gewaltig auf."

Renault-Teamchef Flavio Briatore gab zu, dass ihn Schumachers starker Auftritt nicht überrascht habe. Dennoch habe er weiterhin vollstes Vertrauen in die eigene Stärke: "Wir haben den Schaden in Grenzen gehalten, in Hockenheim schlagen wir zurück."

Dagegen ist Renault-Technikchef Pat Symonds derzeit etwas ratlos. "Wir müssen sehr hart arbeiten, das wird eine ganz, ganz knappe Meisterschaft", sagte der Engländer, der Schumacher aus gemeinsamen Benetton-Tagen bestens kennt. Er mache sich Gedanken, aber keine Sorgen, meinte Symonds, der in der Reifenfrage verwundert feststellte: "Wir haben hier keinen Vorteil von Bridgestone erwartet, aber sie hatten ihn."

© SID

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