Die Computertechnik wird in der Formel-1 immer entscheidender – Weltverband Fia verschärft die Regeln
Videospiel auf Rädern

Michael Schumacher wird an diesem Wochenende in Monza seinen Weltmeistertitel wohl endgültig verlieren. Holt der Führende der Gesamtwertung, der Spanier Fernando Alonso, nur einen Punkt mehr als Schumacher, hat der Deutsche auch keine theoretische Chance auf die Titelverteidigung mehr.

HB HOCKENHEIM. Ein Grund dafür, dass Ferrari in dieser Saison häufig hinterher gefahren ist, ist auch die Technik. „Wir sind nicht schlechter geworden, aber die anderen haben sicherlich dazu gelernt“, sagte Schumacher im Gespräch mit dem Handelsblatt (siehe „Ferrari hat zurzeit mehr als nur eine Schwäche“).

Gerade bei der Technik hat die Formel-1 schwer an ihrem Reglement geschraubt. „Im Grunde bin ich froh für alles, was wir noch behalten dürfen“, sagt Dieter Gundel, der Head of Race Track Electronics bei Ferrari. Etwas Resignation schwingt mit, wenn der gebürtige Stuttgarter auf Formel-1 und Computer zu sprechen kommt. Das ist so etwas wie eine Hassliebe. Der Rennzirkus kann nicht mehr ohne High-Tech, aber gerne gesehen ist die Techno-Aufrüstung deshalb noch lange nicht. Unterschwellig wächst die Angst, dass zu viel High-Tech aus dem markigen Männersport mit Bratwurst und Boxenluder ein Videospiel auf Rädern macht.

Eine Onlineumfrage des Formel-1-Veranstalters und Weltverbandes Fia brachte alarmierende Ergebnisse. Nur 15 Prozent der über 90 000 Befragten sagten, dass die Formel-1 die richtige Balance zwischen fahrerischem Können und Technologie habe. Und während zwei Drittel glauben, dass die Serie die absolut beste Technik zeigt, glaubt nur ein Drittel, dass es auch die besten Fahrer der Welt sind.

Chips im Kopf, statt Benzin im Blut? Mit immer neuen Einschränkungen will die Fia diesen Eindruck entkräften. Und macht Leuten wie Gundel, der für die Computer- und Netz-Infrastruktur des Ferrari-Rennstalls an den Strecken verantwortlich ist, das Leben schwer.

Fahrhilfen wie ABS oder Anfahrhilfen, stehen bei Mosley längst auf der schwarzen Liste. Die stärkste Einschränkung der jüngsten Vergangenheit: Das Verbot der wechselseitigen Telemetrie. Daten dürfen nur noch vom Auto zur Box übertragen werden, nicht mehr umgekehrt. Die Fahrer haben deshalb jetzt einen Bildschirm im Lenkrad mit Tasten: „Im schlimmsten Fall“, so Gundel, „sag ich jetzt per Funk ’Geh in Menü sieben, Unterpunkt fünf und schalte Sensor vier aus’. Do-It-Yourself-Motortuning ist wenig witzig bei 250 km/h, aber „besser, als wenn der Wagen stehen bleibt“, seufzt Ferrari-Mann Gundel.

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