Duell in der Formel 1 „So einen wie ihn habe ich noch nie gehabt“

Sebastian Vettel und Lewis Hamilton sind die beherrschenden Formel-1-Piloten ihrer Generation. Das Duell um die vakante WM-Krone wollen die beiden mit weltmeisterlicher Wertschätzung unter sich austragen.
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Sebastian Vettel feiert seinen zweiten Platz nach dem Rennen in Shanghai (China). Im Hintergrund klatscht Sieger Lewis Hamilton. Quelle: AP
Vettel vs. Hamilton

Sebastian Vettel feiert seinen zweiten Platz nach dem Rennen in Shanghai (China). Im Hintergrund klatscht Sieger Lewis Hamilton.

(Foto: AP)

ShanghaiVor der Weiterreise in die Steinwüste von Sakhir versicherte Lewis Hamilton seinem Widersacher Sebastian Vettel die uneingeschränkte Hochachtung. Den Wettstreit um die vakante Formel-1-Krone wollen die beiden Ausnahmepiloten erstmals zu einem reinen Privatvergnügen machen. Zu einem Gift-Duell soll die noch junge Zwei-Mann-Show nicht ausarten – Vettel vs. Hamilton als Titelfight mit weltmeisterlichem Respekt.

„Es gibt Zeiten, in denen man hart gegeneinander fährt. Und es könnte Szenarien geben, wenn einer meint, etwas sei unfair, weil einer zu aggressiv war oder was auch immer“, räumte der in Psycho-Duellen geübte Hamilton nach seinem Sieg in Shanghai ein. „Aber wir haben so viel erlebt, der Respekt voreinander ist der höchste, den ich vor einem anderen Fahrer habe, vor allem vor jemandem seines Kalibers.“

Als punktgleiche WM-Führende reisen Mercedes-Mann Hamilton und der Ferrari-Star zum dritten Saisonrennen in Bahrain. Letztmals hatten mit Fernando Alonso und Vettel nach dem Grand Prix von Spanien vor fünf Jahren zwei Formel-1-Piloten die Spitzenposition gemeinsam inne. „Es wird ein Punkt in der Saison kommen, da können wir sie nicht mehr teilen. Es wäre aber toll, bis zum Saisonende in einer starken Position zu sein“, sagte Vettel.

Das sind die Teams der Saison 2017
Mercedes AMG Petronas
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Steckbrief:
Teamchef: Toto Wolff
Firmensitz: Brackley (Großbritannien)
Debütsaison: 2010
Chassis: W08
Motor: Mercedes-Benz
Grand-Prix-Teilnahmen: 136
Siege: 55
Fahrer: Lewis Hamilton (Großbritannien), Valtteri Bottas (Finnland)
Titel: Konstrukteurs-Weltmeister 2014 bis 2016

Lewis Hamilton
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Der Brite Lewis Hamilton wurde 1985 in Hertfordshire geboren und nahm 2007 in Australien an seinem ersten Grand Prix teil. Seinen ersten Sieg konnte Hamilton 2007 beim Großen Preis von Kanada einfahren. In den Jahren 2008, 2014 und 2015 wurde er Weltmeister.

Valtteri Bottas
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Der Finne schlüpft für Nico Rosberg ins Cockpit, der seine Karriere nach seinem Titel im vergangenen Jahr beendet hat. Ob er das Zeug hat, Hamilton zu schlagen? „Schwer zu sagen, denn es ist bekanntlich nicht so leicht, Lewis zu schlagen“, sagte Rosberg in einem Interview. Bottas nahm 2013 an seinem ersten Grand Prix in Australien teil. Der 1989 geborene Rennfahrer begann, wie fast alle Formel-1-Fahrer, seine Motorsportkarriere auf der Kartbahn. Im Jahr 2014 wurde er WM-Vierter.

Red Bull Racing
4 von 30

Steckbrief:

Teamchef: Christian Horner
Firmensitz: Milton Keynes (Großbritannien)
Debütsaison: 2005
Chassis: RB13
Motor: Renault (Namensrecht an TAG Heuer verkauft)
Grand-Prix-Teilnahmen: 222
Siege: 52
Fahrer: Daniel Ricciardo (Australien), Max Verstappen (Niederlande)
Titel: Konstrukteurs-Weltmeister 2010 bis 2013

Daniel Ricciardo
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Für Red Bull geht in dieser Saison wieder Daniel Ricciardo an den Start. Der 1989 geborene Australier fährt seit 2014 für den Rennstall und wurde 2014 und 2016 WM-Dritter. Seine Formel-1-Karriere begann mit dem Großen Preis von Großbritannien im Jahr 2011 – drei Jahre später konnte er mit dem Großen Preis von Kanada sein erstes GP-Rennen gewinnen.

Max Verstappen
6 von 30

Der Niederländer Max Verstappen wurde 1997 geboren und ist damit einer der jüngsten Fahrer in dieser Saison. Er startete erstmals beim Grand Prix von Australien im Jahr 2015. Bislang konnte Verstappen einmal einen Grand Prix gewinnen, außerdem wurde er 2016 WM-Fünfter.

Scuderia Ferrari
7 von 30

Steckbrief:

Teamchef: Maurizio Arrivabene
Firmensitz: Maranello (Italien)
Debütsaison: 1950
Chassis: SF70H
Motor: Ferrari
Grand-Prix-Teilnahmen: 929
Siege: 224
Fahrer: Sebastian Vettel (Deutschland), Kimi Räikkönen (Finnland)
Titel: 16 Mal Konstrukteurs-Weltmeister

„So einen wie ihn habe ich noch nie gehabt“, sagte der dreimalige WM-Champion Hamilton über den Deutschen. „Ich kämpfe jetzt gegen einen viermaligen Weltmeister, der in Topform und phänomenal schnell ist.“ Nach zwei Aufbaujahren scheinen Vettel und die Scuderia nun die Regelreform genutzt zu haben, um den Branchenprimus endlich auf Augenhöhe herauszufordern.

„Du willst diesen ultimativen Fight immer im besten Duell haben, das du bekommen kannst. Daraus als Sieger hervorzugehen, ist soviel mehr befriedigender“, betonte Hamilton. „Ich liebe diesen Fight, den wir haben.“

Soviel Wertschätzung einem Konkurrenten gegenüber haben Hamilton und Vettel nicht immer gezeigt. Es geht schließlich um den Erfolg in der Formel 1, da können soft skills auch mal stören. „Natürlich will er mich da draußen vernichten und umgekehrt“, meinte Hamilton über das Duell mit Vettel, „aber außerhalb des Autos ist die Hochachtung vor den Erfolgen des anderen da.“ Vettel zeigte das nach Hamiltons China-Triumph mit einer anerkennenden Umarmung.

„Ich denke, das wird einer der engsten Titelkämpfe, wenn nicht sogar der engste Titelkampf, den ich je erlebt habe“, sagte Hamilton voraus. In solchen Duellen hat der 32-jährige Brite eine Menge Erfahrung.

Als Neuling stürzte sich Hamilton 2007 mit seinem Stallrivalen Alonso in einen so schonungslosen Zweikampf, dass McLaren fast am Rand des Kollapses stand. Punktgleich mit dem Spanier verpasste er damals nur um einen Zähler die WM. Ganz frisch ist auch noch die Erinnerung an die PS-Kämpfe mit seinem als Weltmeister abgetretenen früheren Teamkollegen Nico Rosberg.

Vettel kennt diese Szenarien genauso gut. Mit seinem langjährigen Red-Bull-Nebenmann Mark Webber verband ihn eine In-Team-Feindschaft. Starke Nerven bewies Vettel auch bei den WM-Entscheidungen. 2010 hatten erstmals vier Fahrer im Finale noch die Chance auf den Titel - Vettel krönte sich zum ersten Mal. Oder 2012, als sich der Hesse in einem irren Finish erneut die WM sicherte.

In Bahrain soll der Zweikampf Vettel vs. Hamilton in die nächste Runde gehen. „Das wäre für uns eine gute Neuigkeit. Wir gehen aber nach Bahrain ohne große Erwartungen“, sagte Vettel vorsichtig, obwohl er um die Leistungsfähigkeit seines Ferrari auf dem heißen Wüsten-Kurs weiß. „Mercedes ist das Maß der Dinge. Unser Auto funktioniert aber.“

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  • dpa
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