Ecclestone-Prozess
Déjà Vu für Gribkowsky-Richter Noll

Wenn heute der Ecclestone-Prozess in die zweite Runde geht, trifft der Formel-1-Boss erneut auf den Richter Peter Noll. Dieser führt große Wirtschaftsprozesse mit heiterer Gelassenheit. In der Sache aber bleibt er hart.
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MünchenBernie Ecclestone hat seinen Richter Peter Noll schon kennengelernt. Stundenlang wurde der mächtige Formel-1-Boss im November 2011 im Münchner Landgericht von Noll und den Staatsanwälten ausgefragt - als Zeuge im Prozess gegen den einstigen BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky. Nun sitzt der Brite nun selbst wegen Bestechung vor Noll auf der Anklagebank. Langweilig werden die Wortwechsel zwischen Noll und Ecclestone mit Sicherheit nicht - beide haben Humor.

Schon bei der Aufnahme der Personalien gibt es die ersten Lacher. „Familienstand?“, will der Richter wissen, „Sie sind geschieden?“. „Richtig“, antwortet Ecclestone mit leiser Stimme. „Ich dachte, Sie wären verheiratet?“, entgegnet der Richter. „Beides“, lautet die Antwort, die für Gelächter sorgt. Derzeit sei er aber wieder verheiratet – zum dritten Mal.

Auch die Frage nach dem Geburtsnamen der Mutter des 83-jährigen Briten sorgt für Nachfragen: Ecclestone weiß ihn erst nach einigem Überlegen. „Dabei waren das noch die einfacheren Fragen“, schließt der Richter die Fragerunde.

„Wie ich Ihren Namen aussprechen soll, habe ich schon das letzte Mal gefragt“, sagt der Richter: „Ecclestone?“ – „Ecclestone is fine“, antwortet dieser. Dabei ist das nicht korrekt: Eigentlich wird der Name ohne „o“ ausgesprochen.

Seit Jahren führt Richter Noll die großen Wirtschaftsprozesse in München mit Witz und souveräner Gelassenheit, aber hart in der Sache - wie die Verurteilung von Gribkowsky zu achteinhalb Jahren Haft zeigte. Unzählige Verfahren hat der Vorsitzende der 5. Strafkammer am Münchner Landgericht in den vergangenen Jahren geleitet und dabei immer wieder bewiesen, dass Wirtschaftsverfahren keine dröge Angelegenheit sein müssen.

Richter Noll strahlt während des Ecclestone-Prozesses keine Ehrfurcht aus, er wirkt eher umgänglich, wie ein Gymnasiallehrer. Anders als viele andere Richter trägt er über seinem Talar eine Fliege, keine Krawatte - aber in der vor Gericht so beliebten neutralen Farbe weiß.

Je komplexer die Inhalte seiner Prozesse sind, desto mehr bemüht sich Noll um eine klare Sprache. Jeder im Saal soll verstehen, worum es geht. Die Anglizismen in der Sprache der Manager sind dem Richter ein Dorn im Auge. Ein Chief Operating Officer ist für ihn, wie er sagt, „auf gut Deutsch der Vorstandsvorsitzende“. Englische Schriftstücke verliest er aus Prinzip nicht in seinen Prozessen.

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  • Der Vorsitz ist prozessrechtlich ausserordentlich problematisch. Der Richter hat sich in dem Gribkowski-Verfahren auf eine Beurteilung festgelegt: Nicht Erpressung durch Gribkowski, sondern Bestechung durch Ecclestone. Am Gribkowski-Verfahren war Ecclestone nicht Verfahrenspartei und konnte sich deshalb auch nicht verteidigen, wurde aber vorverurteilt. Wie soll der Vorverurteilungsrichter denn nun in dem Ecclestone-Verfahren auch nur theoretisch frei zu einer anderen Beurteilung kommen können, ohne die Vor-Verurteilung als eigene Fehlentscheidung darzustellen ? Ein klarer Verstoss gegen elementäre Grundsätze des Straf- und Menschenrechts - ob man den Ecclestone nun mag oder nicht, ein funktionierendes Rechtssystem sollte solche Risiken jedenfalls nicht eingehen ... auch nicht in Bayern

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