Elektrobikes
Neue Rennserie steht unter Strom

Bis vor kurzem waren Elektromotorräder nur ein Hobby spinnerter Tüftler und wurden von Motorsportlern bestenfalls müde belächelt. Mittlerweile sind die Rennen mit den emissionsfreien Elektrobikes ein ernstzunehmender Sport – mit einem eigenen Grand Prix.
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DÜSSELDORF. Das helle Pfeifen kommt schnell näher, untermalt von einem aufdringlich singenden Geräusch und Kettengerassel. Schließt man die Augen, könnte man meinen, gleich schießt ein aufgemotzter Gabelstapler um die Ecke. Doch im nächsten Moment huscht ein Rennmotorrad vorbei, fast 200 Stundenkilometer schnell – angetrieben von einem Satz Batterien.

Ende Juni hat der Motorrad-Weltverband FIM (Fédération Internationale Motocyclisme) eine eigene Klasse für Elektromotorräder eingeführt. Seitdem geht alles ganz schnell. Der britische Veranstalter TTXGP wird ab 2010 die TTXGP UK Championships ausrichten, die erste nationale Rennserie für Elektro-Bikes. FIM-Präsident Vito Ippolito will noch bis zum kommenden Jahr die Regelments für eine Weltmeisterschaft der Stromer fertig haben. Die Rennen sollen auf den Strecken ausgetragen werden, auf denen heute benzindurstige Boliden mit brüllenden Viertaktmotoren um Sekunden und Punkte kämpfen.

Irgendwann könnten die Elektro-Bikes auch herkömmliche Motorräder ablösen, ist Dave Luscombe vom britischen Automobilverband ACU überzeugt: „Diese Entwicklung wird die Zukunft des Rennsports auf die nächsten 100 Jahre sichern.“ Der Milliarden-Dollar-Zirkus mit seinen spritgurgelnden Monstermotoren steckt in den Krise. Egal ob Formel 1, Moto GP oder Offroad-Rennen, die Schlagworte sind immer gleich: Kostenexplosion, Zuschauerschwund, Umweltgesetze und Energiespartrends machen den Veranstaltern der PS-Freakshows das Leben schwer.

Da kommen die Elektroflitzer gerade richtig. Der Durchbruch gelang auf der Isle of Man, Heimat der seit 1907 ausgetragenen, legendären Tourist Trophy, kurz „TT“. Die TT ist das wohl härteste und gefährlichste Straßen-Motorradrennen der Welt: sechzig Kilometer mit Höchstgeschwindigkeit durch schmale Ortsdurchfahrten und ungesicherte Landstraßen. Unfälle mit tödlichem Ausgang sind da keine Ausnahme, weshalb seit 1976 keine offiziellen Werksteams mehr an den Start gehen.

Mit dabei waren in diesem Jahr aber dreizehn Elektro-Green-Teams aus den USA, England, Deutschland, Österreich und Indien. Sieger wurde der US-Rennstall Agni mit einer umgebauten Suzuki GSX R 750. Statt Otto-Motor und Getriebe finden sich 42 Lithium Polymer-Akkus unter der Tankattrappe. Zwei gekoppelte Agni-Elektromotoren drücken 86 PS und ein gewaltiges Drehmoment auf das Hinterrad. Die Rundenzeit des Siegers lag nicht mehr weit über der, die die Benzin-Kollegen auf der kurvenreichen Strecke abliefern. Der Elektro–Lauf ging jedoch nur über eine Runde – dann sind die Akkus leer.

Schon 2010 soll in der neuen Klasse „Pro2“ zwei Runden gefahren werden. Die Teams können einen Boxenstopp planen – Klappe auf, Batterie raus, neue rein und weiter – oder bessere Batterien und Schaltungen entwickeln und durchfahren. Die Leistungssteuerung der Batterien gilt als das A und O in den Elektro-Rennen. „Das wird Wettbewerb und Innovationskraft anheizen“, sagt Azhar Hussain. Der enthusiastische Brite ist die treibende Kraft hinter dem internationalen „E-Grand-Prix“ (www.egrandprix.com) und auch Veranstalter der Serie.

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