Motorsport
Ferrari-Doppelsieg bei Skandal-GP in Indianapolis

Michael Schumacher hat vor seinem Ferrari-Teamkollegen Rubens Barrichello den GP der USA gewonnen. Allerdings verzichteten die sieben Michelin-Teams wegen Reifenproblemen auf einen Start.

Nur sechs Autos am Start, ein gellendes Pfeifkonzert, Pappbecher und Müll auf der Strecke und der erste Saisonsieg für Rekord-Weltmeister Michael Schumacher: Nach der Reifen-Blamage von Michelin ist der Große Preis der USA zur größten Farce der Formel-1-Geschichte geworden. Schumacher und seine Kollegen mussten vor den aufgebrachten Zuschauern sogar von der Polizei geschützt werden. Gleich vier Beamte begleiteten den Ferrari-Piloten nach dem Rennen zur Pressekonferenz.

Nur die Bridgestone-Teams Ferrari, Jordan und Minardi nahmen am 9. von 19 WM-Läufen in Indianapolis teil. Die sieben Michelin-Teams dagegen fuhren aus Sicherheitsgründen bereits nach der Aufwärmrunde zum Entsetzen der mehr als 110 000 Fans zurück in die Box. Viele der Zuschauer waren sichtlich erbost über das fragwürdige Schauspiel schon unmittelbar nach dem Start abgewandert. Auch Formel-1-Boss Bernie Ecclestone wollte das Ende nicht miterleben. "Man kann den Teams nicht vorschreiben, was sie tun sollen. Auf jeden Fall war dies hier nicht gut für die Zukunft der Formel 1", sagte der Brite.

Michelin hatte Bedenken

Michelin hatte Bedenken, dass seine Reifen die Renndistanz nicht durchhalten würden. Bis eine halbe Stunde vor dem Rennen wurden möglich Lösungen diskutiert, den Grand Prix zu retten. Den nachträglichen Einbau einer Schikane vor der Steilkurve hatten aber Ferrari und der Automobil-Weltverband FIA abgelehnt.

Daraufhin fuhren Renault, Mclaren-Mercedes, BMW-Williams, Toyota, Red Bull, Sauber und BAR-Honda zwar in die Startaufstellung. Das Rennen traten sie nicht an, denn nach der Aufwärmrunde fuhren sie zurück in die Boxen. Damit war das passiert, was bis zuletzt viele nicht für möglich gehalten hatten - eine "Mini-WM" mit einem halben Dutzend Autos, für die es aber volle WM-Punkte gibt.

Ausgerechnet in diesem Skandalrennen holte Weltmeister Michael Schumacher seinen ersten Sieg seit mehr als acht Monaten, nachdem er im Rennen einmal fast mit Teamkollege Rubens Barrichello kollidiert wäre. Der Brasilianer musste auf die Wiese ausweichen, Schumacher fuhr vor Barrichello und Jordan-Pilot Tiago Monteiro (Portugal) zu seinem vierten Sieg in Indy. Mit 34 Punkten ist er in der WM-Wertung nun Dritter hinter Fernando Alonso (Renault/59) und Kimi Räikkönen (Mclaren-Mercedes/37).

"Ganz klar, die Sicherheit geht vor"

"Ganz klar, die Sicherheit geht vor. Wir hatten uns für einen Kompromiss eingesetzt. Wir wollten den Zuschauern ein Rennen bieten. Leider kam es nicht dazu", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug. BMW-Williams-Pilot Nick Heidfeld wollte nur noch "nach nach Hause. Ich habe keine Lust mehr, mir das Rennen anzuschauen". Heidfeld unterstützte den Verzicht aufs Rennen: "Natürlich wären wir alle lieber gefahren, die Entscheidung von Michelin war richtig. Wir wollten keinen Unfall riskieren, das wäre eine Katastrophe für alle."

Dass Ferrari leicht zu 18 wichtigen WM-Punkten kam, war Renault-Teamchef Flavio Briatore völlig egal. "Wir wären auch mit den neuen Reifen gefahren und hätten einen Abzug der Punkte durch den Weltverband FIA in Kauf genommen. Wir wollten einfach nur für die Fans fahren", erklärte der Boss von WM-Spitzenreiter Alonso. Jarno Trulli, der am Samstag die erste Pole Position für Toyota geholt hatte, meinte: "Es ist eine Schande für die Formel 1. Aber die Situation ließ sich nicht abwenden, und es wäre zu gefährlich gewesen. Es ist bitter für die Formel 1 und den ganzen Sport, dass wir heute nicht die erwartete Show bieten konnten."

Michelin hatte mit der Empfehlung des Startverzichts auf die strikt ablehnende Haltung der FIA reagiert. Der Verband hatte eine Anfrage der Franzosen und der sieben Teams abgelehnt, mit neuen Reifen in Indy zu fahren, die noch nicht in der Qualifikation benutzt wurden.

Regelverstöße wären die Folge

Der Technische FIA-Direktor Charlie Whiting informierte am Sonntagmorgen schriftlich Michelin und die Teams davon, dass der Reifenwechsel ein Regelverstoß wäre und von den Rennkommissaren geahndet würde.

"Wir denken, dass die Strafe nicht ein Rennausschluss, aber so schwerwiegend wäre, um sicherzustellen, dass kein Team dazu verleitet würde, in Zukunft Qualifikationsreifen einzusetzen", erklärte Whiting. Michelin hatte auf den schweren Unfall von Ralf Schumacher reagiert, der am Freitag im freien Training nach einem Druckverlust im linken Hinterreifen in der Steilkurve in die Begrenzungsmauer gerast war und danach auf Anraten der Ärzte auf den Start verzichten musste.

Auch bei ausgiebigen Tests, die bis 2.00 Uhr Sonntagmorgens im Michelin-Technikzentrum in Greenville/South Carolina andauerten, "war es uns nicht möglich, den Grund zu finden", hatte die Michelin-Führungsspitze der FIA und den Teams mitgeteilt.

© Sport-Informations-Dienst, Neuss

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