Formel-1
Boxengosse statt Boxengasse

Boxengosse statt Boxengasse: Die Formel-1 regieren in dieser Saison Betrug, Beschimpfungen und Fahrerfehden. Doch während Dopingskandale die Existenz der Tour de France gefährden, schadet der Zoff dem Rennzirkus nicht. Im Gegenteil: Er bietet so viel Unterhaltung wie lange nicht mehr.

BUDAPEST. Es ist nicht nur die Anzahl der Räder, die den Radsport vom Motorsport unterscheidet. Während der eine durch Dopingskandale seine Existenz gefährdet, lebt der andere dieser Tage ganz prächtig von ihnen. Sehr gut sogar. Vor dem Großen Preis von Ungarn am Wochenende versprechen die Vorkommnisse neben der Strecke ebenso viel Spannung wie das Geschehen auf ihr.

Aus der Formel-1 ist eine Formel Zoff geworden. In der Spionage-Affäre zwischen Ferrari und McLaren-Mercedes etwa geht es längst nicht mehr um Fakten. Keine Woche vergeht, ohne dass sich die Rennställe öffentlich per Faxgerät und Email gegenseitig bekriegen. Die Briten wollen gern ihre weiße Weste wahren, die Italiener wollen die Flecken darauf markieren.

Max Mosley, Präsident des Automobilweltverbandes FIA, hat nun die nächste Runde eingeläutet, indem er die Klärung von Schuld oder Unschuld dem FIA-Berufungsgericht überantwortet hat. McLaren war im Verfahren um die geheimen Ferrari-Dokumente zwar schuldig gesprochen worden, wurde aber nicht bestraft.

Der Vorsitzender des italienischen Automobilklubs hatte jüngst darauf gedrängt, das Verfahren neu aufzurollen. Die Reaktion von McLaren? Ein fünfseitiges Schreiben an den Signore, der Einfachheit halber auch gleich ins Internet gestellt. Darin drehte McLaren-Boss Ron Dennis das öffentliche Urteil einfach um. Der angebliche Spion Nigel Stepney, ehedem Ferrari-Chefmechaniker, habe „im Interesse des Sports gehandelt, denn „er hat schließlich verraten, dass Ferrari im ersten Rennen einen verbotenen flexiblen Unterboden eingesetzt habe.“

Mit dieser Aussage ist eine Fortsetzung des Kriminalstücks garantiert. Zumal auch durch die Fahrer beider Teams weiter munter Öl ins Feuer fließt. Titelverteidiger Fernando Alonso und Ferrari-Angreifer Felipe Massa besannen sich vor der Siegerehrung auf dem Nürburgring vor zwei Wochen erst im letzten Moment darauf, sich nicht mit den Fäusten weh zu tun. Beim Spanier Alonso erschien das insofern umso bemerkenswerter, als er nicht nur Massa zum Gegner auserkoren hat, sondern auch sein eigenes Team. Nach den internen Demütigungen durch die Erfolge des britischen Neulings Lewis Hamilton, der in der WM-Wertung, wenn auch knapp, zwei Punkte vorn liegt, argwöhnte Alonso, das britisch dominierte McLaren-Mercedes-Team benachteilige ihn zu Gunsten des Landsmannes. Dem Vernehmen nach soll er intern bereits mit einer Rückkehr zu seinem Ex-Team Renault gedroht haben.

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