Formel-1-Chef Ecclestone vor Gericht
Ecclestone empfand Banker als „bedrohlich“

Einer der mächtigsten Sport-Manager steht vor Gericht: Formel-1-Chef Bernie Ecclestone zahlte Millionen an einen früheren BayernLB-Vorstand. Die Anklage wirft ihm Bestechung vor. Ecclestone spricht von Erpressung.
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MünchenBernie Ecclestone sitzt auf der Anklagebank. Ruhig und zurückhaltend beantwortet er die Fragen zu seiner Person. Neben ihm: seine Dolmetscherin, die für den Briten simultan übersetzt und seine Verteidiger. Sie überragen den 83-Jährigen, der nur 1,58 Meter groß ist.

Der klein gewachsene Mann, der große Patriarch der Formel 1, gab sich vor dem Auftakt des Prozesses, in dem es um nicht weniger als seine Zukunft als Chef der Rennklasse geht, gut gelaunt. „Ich bin zuversichtlich. Die Sonne scheint“, sagte er vor den Fernsehkameras beim Betreten des Gerichtssaals. Pünktlich eine halbe Stunde vor Prozessbeginn war der schwarze Mercedes mit Ecclestone auf der Rückbank in die Tiefgarage des Gerichts gerollt.

Nun, in Sitzungsaal A 101 des Landgerichts München I, übt er sich vor den Augen des Gerichts in Zurückhaltung. Siegesgewiss wirkt der Patriarch des Rennzirkus dabei aber nicht minder. Die Stimmung im Gerichtssaal A 101 scheint locker – man kennt sich.

„Wie ich Ihren Namen aussprechen soll, habe ich schon das letzte Mal gefragt“, sagt Richter Peter Noll: „Ecclestone?“ – „Ecclestone is fine“, antwortet dieser mit leiser Stimme. Schon bei der Aufnahme der Personalien von Ecclestone am Vormittag gibt es die ersten Lacher. „Familienstand?“, will der Richter wissen: „Sie sind geschieden?“. „Richtig“, antwortet Ecclestone mit Hilfe seiner Dolmetscherin. „Ich dachte, Sie wären verheiratet?“, entgegnet der Richter.

„Beides“, lautet die Antwort, die für Gelächter sorgt. Derzeit sei er aber wieder verheiratet. Auch die Frage nach dem Geburtsnamen der Mutter des 83-jährigen Briten sorgt für Nachfragen: Ecclestone weiß ihn erst nach einigem Überlegen. „Das waren noch die einfacheren Fragen“, schließt der Richter die Fragerunde und übergibt an den Staatsanwalt, der die Anklage vorliest.

Die lautet auf „Bestechung und Anstiftung zur Untreue in einem besonders schweren Fall“. Der Brite „verteidigt sich gegen die Vorwürfe der Anklage und weist diese zurück“, wie seine Anwälte am Donnerstag erklärten. In einer schriftlichen Erklärung Ecclestones, die wegen eines Sehfehlers seine Verteidiger vorlasen, versicherte der 83-Jährige: „Herr Dr. Gribkowsky hat in den entscheidenden Punkten die Unwahrheit gesagt. Die behauptete Bestechung gab es nicht. Die Anklagevorwürfe beruhen auf Erklärungen von Herrn Dr. Gribkowsky, die unzutreffend, irreführend und unschlüssig sind. Sie berücksichtigen nicht den tatsächlichen Verlauf der Jahre 2005 und 2006 in der Formel 1 und im Leben von Herrn Ecclestone, Vorgänge, die diese Vorwürfe nicht tragen“.

Die Zahlung an Gribkowsky begründete Ecclestone in seiner Erklärung mit einer Erpressung. Er habe Angst gehabt, dass ihn der Banker bei den britischen Steuerbehörden anzeige. Gribkowsky habe ihm gesagt, er könne viel über ihn erzählen. Auf die Frage „Wollte Gribkowsky Geld oder wollte er Ihr Leben zerstören?“ lässt Ecclestone antworten: „Es war klar: Er wollte Geld.“ Die Zahlung von 44 Millionen Dollar an Gribkowsky bezeichnet der Banker als Bestechung, für Ecclestone war es Erpressung. Außerdem spricht Ecclestone selbst von nur 22 Millionen Dollar.

Außerdem erklärte Ecclestone, aus Angst vor Steuernachzahlungen die Millionen an Gribkowsky gezahlt zu haben. „Die Höhe einer Nachzahlung hätte meine finanziellen Möglichkeiten überschritten. Ich sah mein Lebenswerk in Gefahr“, hieß es in seiner Erklärung. Der Banker Gribkowsky sei ihm damals bedrohlich erschienen. „Das von ihm gesammelte Material hätte er problemlos britischen Steuerbehörden zuspielen können.“

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