Formel 1
Das Dilemma der Dominanz

Sebastian Vettel siegt in Japan, muss aber auf seinem vierten WM-Titel noch warten. Die Dominanz des Red-Bull-Fahrers ist vergleichbar mit der des FC Bayern. Warum es besser ist, dass er heute nicht den Titel holte.
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Wer weiß, ob Sebastian Vettel Langeweile kennt. Er ist der jüngste Weltmeister der Formel 1, jüngster Grand-Prix-Sieger, dazu jüngster Pole-Position-Inhaber, jüngster Punktegewinner und der jüngste Fahrer mit der schnellsten Rundenzeit. Jetzt ist der vierte WM-Titel zum Greifen nah und Vettel geht es so entspannt an, als handle es sich um einen Nachmittag im Liegestuhl am Pool. Und er hat sein Handtuch schon platziert.

Der Hesse hat von den vergangenen Rennen vier in Folge gewonnen, drei davon aus der Pole-Position. Man hat Vettel kaum gesehen, weil sich die Medien – wie zuletzt in Südkorea – auf die Fahrer dahinter konzentrierten. Vettels einziger echter Rivale ist Ferrari-Fahrer Fernando Alonso, vor dem er mit Abstand vorneweg fährt: 16 Sekunden in Spa, 32 in Singapur, 26 in Yeongam. Es muss ein besonderes Gefühl sein, als schnellster Formel 1-Gewinner in die Geschichte einzugehen.

Doch unlängst wurde Vettel von Fans ausgepfiffen. Sie scheinen genervt von Vettels Dominanz, trotz dessen persönlicher Bodenhaftung. So siegte Vettel auch heute in Japan, auch wenn es wegen des vierten Platzes von Fernando Alonso noch nicht zur Weltmeisterschaft reichte.

Medienfokus auf den Gewinner auf der einen Seite, genervte Fans auf der anderen Seite? Nigel Geach, Motorsport-Experte des Marketing-Analysten Repucom International sagt dazu: „Wenn Vettel dieses Wochenende gewinnt, dann wären die Fans zwar nicht sauer, aber die Meisterschaft wäre nicht so aufregend wie letztes Jahr, als sie im letzten Rennen entschieden wurde. Die Menschen wollen Vettel trotzdem gewinnen und gute Rennen fahren sehen, sein möglicher Sieg hätte allenfalls einen milden Effekt. Als Schumacher und Ferrari so dominant waren, gab es auch kaum Veränderungen bei den Einschaltquoten.“

Einschalten und ansehen mögen zweierlei sein. Rennkollege Lewis Hamilton gab gegenüber Focus zu, dass er zu den großen Zeiten von Schumacher nach dem Rennstart vor dem Fernseher eingeschlafen und erst am Ende wieder aufgewacht sei, weil er „schon wusste, was passiert.“

Kommentare zu " Formel 1: Das Dilemma der Dominanz"

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  • "wurde Vettel von Fans ausgepfiffen"

    Von Fans ganz bestimmt nicht, schon eher von Neidhammeln und verkrachten Existenzen, wie es sie in unserer Gesellschaft überall in Massen gibt, auch hier im Kommentarteil des HB.
    Als weder F1-Fan noch -gegner ist es mir eigentlich sch..ßegal, wer da gewinnt. Was mehr nervt, sind diese dümmlichen Werbespots für Reifen, für die er Zeit verplempert.

  • Vettel ist totlangweilig. Egal was er sagt, es klingt nach nichts. Woher soll es auch kommen, wenn man sich nur auf das Fahren im Kreis konzentriert. Da war der Schummel-Schumi eine ganz andere, viel derbere Nummer. Trickreich und durch eine harte Schule des Lebens gegangen. Vettel ist ein Jüngelchen dagegen.

  • Tut mir leid, aber Formel 1 ist wohl der langweiligste Sport, der in dem Ausmaß durch die Medien gehypt wird.

    Ich frage mich immer noch wer tatsächlich seinen schönen Sonntag für diesen **** hergibt!

    Wenn Motorsport, dann MotoGP

    Geschmäcker sind extrem(!!) verschieden.

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