Formel-1-Finale
Böser, böser Alonso

Lewis Hamilton hat den Großen Preis der USA eindrucksvoll gewonnen. Im Fokus stehen jedoch Noch-Nicht-Weltmeister Vettel und Ferrari-Superschurke Alonso. Dabei gilt gerade in der Formel 1: Erlaubt ist, was erlaubt ist.
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DüsseldorfWas wäre ein Thriller ohne Bösewicht. Im Tatort müsste niemand ermitteln. Batman müsste niemanden retten. Niemand müsste mehr versuchen, Javier Bardem dingfest zu machen. Ein Bösewicht ist gerade in der Fiktion beliebt, da er (oder sie) es vielfach erst ermöglicht, eine ganz andere Figur zu zeichnen: einen Helden. Das Ausmaß der heroischen Leistung steht im direkt proportionalen Verhältnis zum Schwierigkeitsgrad der Herausforderung – und der Bösartigkeit des Schurken. Das ist eine Erkenntnis, die sich eins zu eins auf den Sport übertragen lässt. Fans lieben Helden. Das wissen auch die Manager, Agenten, Marketingexperten und Werbetreibenden dieser Welt.

Formel-1-Piloten eignen sich prinzipiell bestens, um die Heldenrolle einzunehmen. In ihren fliegenden Kisten leben sie den Traum vieler Autofahrer, die Maschine unter dem eigenen Gesäß bis zur Perfektion zu beherrschen, todesverachtend die physikalischen Grenzen auf Rundkursen auf der ganzen Welt auszureizen. Egal ob im konservativen Texas, im bettelarmen Indien oder in den autoritären Golf-Staaten: Auch wenn die Formel 1 unpolitisch und sozial undifferenziert bleibt, sich nicht um Probleme und Krisen der realen Welt schert – rund um den Globus sind den Fahrern Jubelstürme gewiss.

Nun hat der USA Grand Prix im Bundesstaat Texas einen neuen Bösewicht skizziert. Das Team Ferrari tauchte einmal mehr als Schurke im Spiel der rasenden Rennfahrer auf. Diesmal nicht per Stallorder, Abschuss eines Gegners oder dem Streuen von Gerüchten. Die Scuderia erdreistete sich dieses Mal, eine Lücke im Regelwerk zugunsten Fernando Alonsos einzusetzen. Der Spanier verstand es im Qualifying einmal mehr nicht, sich in den vorderen Reihen zu positionieren. Das scheint in dieser Saison vorrangig ein Abstimmungsproblem des Ferrari zu sein, denn auf lange Sicht stimmen Renngeschwindigkeit und Zuverlässigkeit.

Die italienischen Taktikfüchse schafften es aber dennoch, Alonso von der schlechten, weil schlüpfrigen, Startseite zu bringen: Sie opferten Felipe Massa. Dem Brasilianer wurde ohne Not das Getriebe ausgetauscht , was per Reglement automatisch in einer Rückversetzung um fünf Plätze mündet (praktisch wurde nur die Versiegelung verletzt, das Resultat ist jedoch gleich). Alonso rückte auf Startplatz sieben vor, profitierte von Problemen Michael Schumachers und dem Ausfall Mark Webbers und schaffte es letztlich sogar noch aufs Treppchen. Wäre ihm das von Platz acht auch gelungen? Wahrscheinlich ja. Aber so fällt es Vettel-Anhängern leichter, den Konkurrenten mit Missachtung zu strafen. Bühne frei für den Bösewicht.

Und der Held? Der kann dann ja nur Sebastian Vettel heißen. Doch da fängt das Problem an: In der Formel-1 gibt es einfach keine Helden. Die Herren, die dort mit hoch dotierten Verträgen ausgestattet im Kreis fahren, werden nicht für Fairplay oder Sportsmanship bezahlt. Sie werden dafür bezahlt, ohne Rücksicht auf (fremde) Verluste unter maximaler Ausreizung (und Beugung) des Regelwerks den Sieg zu erzielen. Das haben auch schon Red Bull und Sebastian Vettel eindrucksvoll bewiesen.

Kommentare zu " Formel-1-Finale: Böser, böser Alonso"

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  • Was einige Deutsche Fans jedoch häufig vergessen, ist der Fakt, dass ein Alonso im Gegensatz zu einem Vettel in einem hoffnungslos unterlegenen Auto sitzt.
    Im RB8 würde Alonso Vettel an die Wand fahren.
    Da Alonso jedoch in einem Auto sitzt,dass teilweise 2 sec langsamer pro Runde ist, ist es Alonso wohl vergönnt, auf kleine Trickserreien zurückzugreifen.
    Außerdem lass mal folgende Stichworte/Sätze auf dich Wirken Motormapping,Mittelfinger,Meckern,beweglicher Frontflügel,zu großes Team,Budget überschritten etc.

  • Sehr geehrter Herr Steingart. Da haben Sie ja mit Alexander Möthe einen ganz tollen Motorsport-Experten eingekauft. Bedauerlich nur, dass dieser "Experte" seine Abneigung gegen Sebastian Vettel und seine Bevorzugung von Fernando Alonso so ungeniert in seine Berichte einfließen läßt, dass von Objektivität wahrlich nicht gesprochen werden kann. Im Gegenteil: Manche seiner Kommentare kann man getrost in die Kategorie "Bösartigkeit" stopfen. Zudem scheint es ihm an Detailwissen und mathematischen Kenntnissen zu mangeln, verlegt er doch Vettels 1. WM in das Jahr 2011, was es wohl unmöglich macht, dass Vettel seine 3. WM in diesem Jahr (2012)entgegenfährt. Bezeichnend auch, dass er Alonsos sportliche Unfairnis beim Nachtrennen in Sepang 2010, als sein Stallgefährte in die Begrenzung fahren musste, um ihm den Sieg zu ermöglichen oder auch sein egoistisches, unfaires Verhalten dem MacLaren Teamgefährten Lewis Hamilton gegenüber, dem er durch unnützes Warten an der Box die Möglichkeit nahm, in der Qualy noch vor ihm zu landen. Ferner erwähnt er mit keinem Wort, dass Vettel heuer in Brasilien nur auf Platz 4 fahren muss, um Weltmeister 2012 zu werden. Ein ganz "ausgeschlafener" Experte also, den die HB - Leser nicht verdient haben.

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