Formel-1-Finale
Niki Lauda: „Hamilton hat es drauf“

Lewis Hamilton gegen Felipe Massa - zum dritten Mal in Folge erlebt Brasilien beim Formel-1-Finale die Entscheidung im WM-Kampf. Für den dreifachen Weltmeister Niki Lauda steht fest, dass Silberpfeil-Pilot Lewis Hamilton in Interlagos den Titel 2008 einfahren wird. Im Interview mit Handelsblatt.com nennt er die Gründe und zieht bereits ein erstes Saisonfazit, in dem vor allem Sebastian Vettel gut wegkommt.

Frage: Ist Lewis Hamilton nach dem Sieg in Shanghai in der Weltmeisterschaft überhaupt noch zu stoppen?

Niki Lauda: Sein Rennen in China war weltmeisterlich. Er hat nichts falsch gemacht, hat einen perfekten Job gemacht und der McLaren-Mercedes war auch klar das schnellste Auto. Jetzt muss er es in São Paulo noch heimfahren, dann ist er ein würdiger Weltmeister.

In Interlagos wird Massa aber beim Heim-Grand-Prix alles auf eine Karte setzten?

Bestimmt, eine andere Chance hat er ja nicht. Kimi Räikkönen hat ja 2007 vorgemacht, dass bis zum Schluss alles möglich ist.

Wird er seinen Teamkollegen im WM-Kampf unterstützen?

Im Prinzip ist Kimi wohl wurscht, wer den Titel holt, weil er ihn nicht mehr holen kann. Aber er wird sicher helfen, denn er ist seinem Team verpflichtet.

Ferrari wird in Interlagos alle Register ziehen und sicher auch gegebenenfalls die Plätze tauschen. Ist das in Ordnung?

Stallregie ist zwar offiziell verboten, was auf die lächerliche Aktion damals in Österreich (Anm. der Redaktion: 2002 musste Rubens Barrichello auf der Ziellinie Platz für Michael Schumacher machen) zurückgeht. Für mich ist vollkommen logisch: Wenn ich zwei Autos habe, von denen eines noch Weltmeister werden kann und das andere nicht, dann mache ich es halt intelligenter. Zuletzt in Shanghai wurde es intelligenter gemacht. Das gehört einfach dazu in der Formel 1.

Bestrafungen haben diese Saison geprägt. In Spa haben Sie Lewis Hamilton noch in Schutz genommen, in Fuji hart kritisiert?

Dass die Renn-Kommissare Hamilton in Spa bestraft haben, ist absolut inakzeptabel. Diese drei Leute beeinflussen die WM damit massiv. Das war eine der schlimmsten Entscheidungen der Formel-1-Geschichte. In Japan ging Lewis am Start ein völlig unnötiges Risiko und warf das Rennen weg. Da war die Strafe in Ordnung.

Trotz des spannenden WM-Kampfs war der Shooting-Star des Jahres wohl Sebastian Vettel, der Gerhard Berger in Italien sogar einen Rennsieg bescherte?

Fahrerisch ist Sebastian in der höchsten Liga. Sein Sieg in Monza hatte er aber auch dem Regen zu verdanken, denn sonst wäre der Toro Rosso nicht schnell genug gewesen. Der Bursche hat Talent und vor allem Hirn, aber das bedeutet nicht, dass er auch siebenmal Weltmeister werden kann wie Michael Schumacher. Der Titel sollte für ihn aber bei den richtigen Voraussetzungen bald möglich sein. Sebastian ist nur so gut, weil er alles analysiert. Das ist es in erster Linie, was er mit Schumi gemeinsam hat.

Was die Rennen betrifft, so war wohl der Nacht-GP in Singapur das Highlight. Könnte man also auch in anderen Städten wie Wien fahren?

Natürlich. Wenn man sieht, was sich von Singapur bis Valencia abspielt, war meine Idee damals in Wien zu fahren ernst gemeint. Leider wurde mir damals von der Politik erklärt, Wien sei eine Kulturhauptstadt und keine Motorsporthauptstadt. Das Thema war damit sofort wieder vom Tisch.

Nochmals zur WM-Entscheidung. Ein Tipp – wie geht es aus?

Ich bin kein Wahrsager und Glaskugel hab ich auch keine. Aber ich gehe davon aus, dass Lewis das in Brasilien im Griff haben wird. Auch wenn wir nicht über die Startaufstellung spekulieren können, hat er in Shanghai gezeigt, dass er es drauf hat.

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