Formel-1
Mercedes eckt bei Belegschaft wegen Schumacher-Vertrag an

Die Rückkehr des Rennsport-Superstars Michael Schumacher in den Formel-1-Zirkus hat für gemischte Reaktionen gesorgt. Während sich das Mercedes-Rennteam, das den Kerpener für kolportierte sieben Millionen Euro Jahresgehalt drei Jahre an sich bindet, auf der Gewinnerseite wähnt, kritisieren Arbeitnehmer und Experten die Transaktion.
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mx/Reuters KÖLN. Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug sagte, Schumachers immenser Werbewert spiele das Fahrersalär leicht um ein Vielfaches wieder ein. Haug reagierte damit auch auf Kritik, die nach dem Schumacher-Coup aus Arbeitnehmerreihen laut geworden war. So halten Belegschaftsvertreter nach Medienberichten den Schritt für das falsche Signal mitten in der Autokrise, die zu Milliardenverlusten und Lohneinbußen führte. „Die Belegschaft hätte es eher verstanden, wenn Mercedes aus dem teuren Formel-1-Geschäft ausgestiegen wäre“, sagte Uwe Werner, Betriebsratschef des Bremer Mercedes-Werks. Der Dreijahresvertrag mit dem siebenfachen Formel-1-Weltmeister Schumacher sei nur schwer vermittelbar angesichts des harten Sparkurses von Daimler.

Auch der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer gab sich skeptisch – die Investitionen würden sich für Daimler nicht auszahlen: „Warum sollte der Mercedes-Fahrer sich ausgerechnet wegen der Formel 1 für den Kauf eines Mercedes entscheiden? Das kann man kaum nachvollziehen“, sagte Dudenhöffer im Bayerischen Rundfunk. Die Kosten des Rennsport-Engagements stünden in keiner Relation zu den möglichen Erträgen. Am Ende müssten die Kunden dafür aufkommen. „Jedes Fahrzeug muss um 200 bis 300 Euro teurer verkauft werden, um die Formel 1 für Mercedes zu finanzieren“, sagte der Wirtschaftsprofessor der Uni Duisburg-Essen.

Die Hände reiben sich die Formel-1-Vermarkter, allen voran Bernie Ecclestone. „Es ist fantastisch“, kommentierte der Geschäftsführer die Rückkehr. Er hofft auf einen gewaltigen Schub, mehr Zuschauer und mehr Erlöse. Jubel auch beim Sender RTL, der nach Schumis Rücktritt 2006 einen Quotenrückgang verzeichnete. „Das Comeback macht 2010 zu einem magischen Formel-1-Jahr“, sagt RTL-Sportchef Manfred Loppe.

Kommentare zu " Formel-1: Mercedes eckt bei Belegschaft wegen Schumacher-Vertrag an"

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  • Hätte brawn sich mit Jenson button geeinigt, wäre das die Verlängerung eines bestehenden Zustandes gewesen und ich wette, nicht ein Mitglied des betriebsrats hätte sich beschwert. Aber jetzt mit Schumacher ist das natürlich etwas gaaaaanz anderes, selbst wenn der in etwa die gleiche Summe verdienen wird, die auch bei den Verhandlungen mit button im Raum stand.

    intelligente belegschaft... ja nee, is' klar.

  • "immenser Werbewert" - Klaro verführt mich das ungemein zum Kauf eines neuen Mercedes, wenn ich ca. 300€ mehr für die Kiste zahlen darf, damit ein gelangweilter Milliardär ein tiefergelegtes Taxi, das auf 300 Km ca.150 Liter Superplus verbraucht, im Kreis herumfahren kann - nur um Mutti in der Schweiz nicht auf die Nerven zu gehen.

  • Eitler Mercedes-Motorsportchef und intelligente belegschaft prallen aufeinander. Keine Sorge, das lächerliche Comeback wird nicht lange andauern, nur Schade um den imageverlust (nicht von Schumacher).

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