Formel-1-Reifen
Die werbewirksamen „rohen Eier“

Reifenhersteller geben Millionen für das Sponsoring aus. Für die Formel 1 stellen sie bewusst Reifen her, die schnell kaputt gehen. Das erhöht den Werbeeffekt. Doch einige drängen auch in den Profi-Fußball.
  • 0

KölnWenn's nicht rund läuft, schieben Formel-1-Piloten es gerne auf ihr Fahrzeug. Besonders haben sie es auf die Reifen abgesehen, die seit 2007 für alle Teams gleich sind. Erst jüngst hat sich Rekordweltmeister Michael Schumacher über die aktuellen Pirelli-Pneus ausgelassen. Damit fahre es sich wie auf rohen Eiern. Den internationalen Automobilverband Fia dürfte das Gemotze insgeheim freuen.

Die Funktionäre verlangten vom neuen Ausrüster explizit weniger haltbare Reifen, damit die Spannung steigt. Auch für den italienischen Hersteller - Pirelli ging 2011 an den Start - zahlt sich hoher Verschleiß aus: Mehr Boxenstopps bedeuten mehr Präsenz auf dem Bildschirm. Der Werbeeffekt ist höher. Pirelli lässt sich die Exklusivausstatter-Rechte jährlich 40 bis 60 Millionen Euro kosten, schätzen Branchenkenner.

Etwa ein Viertel dürfte von den Teams wieder zurückfließen - doch auf der Kostenseite stehen auch Entwicklungsausgaben und begleitende Marketingaktivitäten. Dank 500 Millionen TV-Zuschauern pro Saison ist die Formel 1 als Werbeplattform dennoch attraktiv. Pirelli hat nach eigenen Angaben seinen Markenwert dank des Formel-1-Engagements um 200 Millionen Euro gesteigert.

„Kombiniert man das mit dem positiven Feedback von Formel-1-Fans und Kunden weltweit, hat sich unser Engagement bisher sicher ausgezahlt", sagt Motorsportdirektor Paul Hembery. Wettbewerber Continental ist skeptischer. „Das große Plus an der Formel 1 ist sicher, dass man die Produkte im Einsatz sieht", sagt Sprecher Alexander Bahlmann. „Aber die Distanz zum Serienprodukt ist sehr groß."

Im Verhältnis sei die Formel 1 deswegen viel zu teuer. Conti setzt bei der Reifensparte auf Fußball und sponsert die EM und WM. Auch kein Schnäppchen: Die Rechte kosten Branchenschätzungen zufolge pro Jahr etwa 15 Millionen Euro. Für das Begleitprogramm - Werbeausgaben, Testfahrten, Einladungen - wird in der Regel noch mal das Anderthalbfache fällig.

Seite 1:

Die werbewirksamen „rohen Eier“

Seite 2:

Pirelli fährt zweigleisig

Kommentare zu " Formel-1-Reifen: Die werbewirksamen „rohen Eier“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%