Formel-1-Rückzug vom Tisch
Renault holt Investor an Bord

Renault verkauft sein Formel-1-Team, bleibt der Königsklasse aber dennoch erhalten: Der französische Automobilkonzern gibt einen "großen Teil" seines Rennstalls an die Kapitalgesellschaft Genii des Luxemburger Finanzinvestors Gerard Lopez ab, der das Team gemeinsam mit dem Autohersteller unter dem Namen Renault 2010 in der Formel 1 an den Start bringt. Klarheit gab es am Mittwoch auch für das Red-Bull-Team von Vize-Weltmeister Sebastian Vettel, das 2010 weiterhin von Renault mit Motoren beliefert wird.
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HB/ih DÜSSELDORF. Mit der neuen Partnerschaft ist ein befürchteter kompletter Rückzug des zweimaligen Konstrukteurs-Weltmeisters Renault aus der Formel 1 - wie zuvor in diesem Jahr schon von BMW und Toyota - vom Tisch. Schon seit längerem hatte es Gerüchte gegeben, dass die Franzosen aus dem kostspieligen Formel-1-Zirkus aussteigen wollen. Renault investierte nach Angaben des Marktforschers IFM im Jahr 2008 zwischen 220 bis 270 Mio. Dollar in sein Team. Auch 2009 wird sich die Summe im dreistelligen Millionenbereich bewegt haben. Diese Ausgaben lassen sich bei drastisch gesunkenem Absatz während der Krise kaum mehr vermitteln und können nun deutlich zurückgefahren werden.

Die heutige Entscheidung von Renault wird für die Formel 1 aber deutlich geringere Auswirkungen haben als beispielsweise der Rückzug von Toyota und Honda. Das autoverrückte Japan ist inzwischen in der Königsklasse des Motorsports gar nicht mehr vertreten - für Sponsoren aus Fernost wird die Formel 1 damit weniger attraktiv. Den Franzosen hingegen bleibt Renault zumindest erhalten. "Für die Formel 1 wäre ein ausstieg der Franzosen ein Schlag ins Kontor gewesen. Renault ist einer der wichtigsten Rennställe", sagte Sportbusiness-Experte Arnd Hovemann von der Unternehmensberatung Ernst & Young. Immerhin ist das Land mit rund 22 Millionen TV-Haushalten der größte Markt in Europa nach Deutschland und Großbritannien.

Auch als Motorenlieferant engagiert sich der Autokonzern weiter in der Formel 1. Neben dem eigenen Rennstall beliefert Renault in der nächsten Saison das Red-Bull-Team von Vizeweltmeister Sebastian Vettel. "Das ist ganz wichtig für den französischen Markt", sagt IFM-Geschäftsführer Ulrich Lacher. "Das Interesse an der Formel 1 wird nicht in den Keller gehen, weil die Marke Renault weiterhin sichtbar bleibt. Damit bleiben auch Sponsoren wie etwa Total erhalten."

Über die genaue Höhe des Anteils, den Genii übernimmt, machten weder Renault noch der neue Partner in ihren Pressemitteilungen Angaben. Zuvor war spekuliert worden, dass der Konzern eine Minderheitsbeteiligung von 25 Prozent halten würde. Genii ist mit verschiedenen Tochterfirmen unter anderem im Bereich neuer Technologien, etwa in der Medizin oder im Automobilbereich, im Marken-Managment oder in der Beratung von Rennfahrern aktiv und will jetzt die weltweite Plattform Formel 1 nutzen.

"Es ist eine Phase der Möglichkeiten in der Formel 1, nicht der Unsicherheit. Die Formel 1 hat ein außerordentliches Level weltweiter Aufmerksamkeit und kann genutzt werden, um neue Geschäftsmodelle in traditionellen und sich entwickelnden Märkten zu entwickeln", sagte Lopez, der sich gegen drei Konkurrenten, unter ihnen auch der mit Aston Martin verbundene ehemalige Benetton - und BAR-Teamchef David Richards, durchgesetzt hat.

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