Formel1-Doppelerfolg in Monaco
FIA ermittelt gegen Silberpfeile

Formel-1-König Fernando Alonso und Kronprinz Lewis Hamilton haben im Fürstentum Monaco Ferrari nach allen Regeln der Kunst deklassiert, doch der strahlende Zweifachsieg hat bereits ein Nachspiel beim Internationalen Automobilverband. Die FIA teilte nur 24 Stunden nach dem Rennen mit, dass ein möglicher Verstoß von McLaren-Mercedes gegen den Internationalen Sport-Code vorliege.

dpa MONTE CARLO. Genauere Angaben machte der Verband nicht, doch dürfte es wohl um die Stallregie der Silberpfeile gehen, nachdem der spanische Titelverteidiger bei der Wiederholung seines Vorjahres-Erfolges beim Großen Preis in Monte Carlo davon profitiert hatte, dass sein britischer Teamkollege eingebremst worden war.

„Ich bin nicht ganz glücklich und verstehe Lewis' Enttäuschung“, sagte Ron Dennis und räumte entscheidende Eingriffe vom Kommandostand aus ein, rechtfertigte diese aber mit den in Monaco herrschenden „besonderen Umständen“. Von Stallorder wollte der Teamchef nicht sprechen. Die FIA sieht dies möglicherweise anders. Entsprechende Fakten würden genau geprüft, eine weitere Bekanntgabe zu gegebenem Zeitpunkt gemacht, hieß es in der FIA-Mitteilung.

Der Leidtragende war Hamilton. Während Alonso ausgelassen jubelte, auf seinen Silberpfeil stieg und den von Fürst Albert II. in der Fürstenloge überreichten Siegerpokal küsste, konnte Hamilton seine Enttäuschung, von den McLaren-Verantwortlichen um die Siegchance gebracht worden zu sein, nicht verbergen. „So ein Hattrick mit Pole, Sieg und schnellster Runde ist etwas ganz Besonderes, speziell hier in Monaco“, maß der zweimalige Weltmeister seinem - zumindest teilweise geschenkten - Erfolg spezielle Bedeutung bei. Hamilton bemühte sich derweil, seinen Frust zu zügeln. „Ich habe die Nummer zwei auf meinem Auto. Ich bin der Nummer-2-Fahrer. Damit muss ich leben“, sagte der Jungspund.

Bis auf 0,8 Sekunden war Hamilton in der ansonsten langweiligen Hetzjagd durch die Häuserschluchten Alonso auf den Leib gerückt. Aber eine wohl kalkulierte, kurzfristige Strategie-Änderung brachte den Formel-1-Frischling um die Früchte seiner Hochgeschwindigkeitsarbeit. „Es gab keine Teamorder. Sie haben nicht gesagt, ich müsse hinter Fernando bleiben. Aber Ziel des Teams ist es, so viele Punkte wie möglich zu holen“, sagte Hamilton. Auch wenn der 22-Jährige Dennis' Ziehsohn ist, muss er sich in seinem Premieren-Jahr den Team- Prioritäten unterordnen. McLaren setzt offensichtlich auf Alonso.

Dennis deutete an, dass der Spanier einen Sonderstatus genießt: „Man muss entscheiden, welcher der beiden Fahrer den Sieg erringen soll. Es ist schade, dass wir Prioritäten setzen mussten und die beiden nicht frei fahren lassen konnten.“ Er bestritt, dass dies etwas mit Stallorder zu tun habe: „Teamorder bedeutet, ein Rennen zu manipulieren. Strategien wendet man an, um Rennen zu gewinnen.“

Alonso wusste um den Wert dieser Schützenhilfe: „Psychologisch und für die Weltmeisterschaft ist dieser Erfolg ungemein wichtig.“ Sein Selbstvertrauen hatte einen Knacks bekommen, als Hamilton ausgerechnet beim Großen Preis von Spanien als jüngster Pilot der Grand-Prix-Geschichte die WM-Spitzenwertung übernommen und zudem Ferrari-Widersacher Felipe Massa dort gewonnen hatte.

Seit Monte Carlo ist für den WM-Champion die Welt wieder in Ordnung. Alonso landete im Glücksspiel-Paradies gleich mehrere Haupttreffer: Sieg im prestigeträchtigsten Grand Prix, Übernahme der WM-Führung vor seinem punktgleichen Teamkollegen (beide 38 Zähler), Deklassierung der roten Rivalen im Rennen und ein großer Vorsprung auf den vermeintlichen Hauptkontrahenten Kimi Räikkönen. „Ich lag bei meinen insgesamt 17 Grand-Prix-Siegen noch nie über eine Minute vor dem Drittplatzierten. Das ist der einfachste und wahrscheinlich schönste Sieg bisher“, sagte Alonso befreit.

Der Spanier siegte am Sonntag nach 78 Runden auf dem 3,340 Kilometer langen Stadtkurs in 1:40:29,329 Stunden mit 4,095 Sekunden Vorsprung vor Hamilton. Massa lag die Ewigkeit von 1:09,114 Minuten zurück, alle anderen Fahrer sogar mindestens eine Runde. „Das war eine Performance wie aus dem Bilderbuch“, schwärmte Mercedes- Motorsportchef Norbert Haug. „Fernando und Lewis waren eine Klasse für sich. Wir hatten einen bestialischen Speed.“

„Die unglaubliche Geschwindigkeit“ war für Massa der Hauptgrund, dass die Roten chancenlos waren. „Selbst wenn ich 150 Prozent Gas gegeben hätte, wäre ich nicht rangekommen“, räumte der Brasilianer ein, der die zwei vorangegangenen Rennen gewonnen hatte. „Ich hoffe, ihre Dominanz lag nur an der Charakteristik dieses Kurses und wir sind in den nächsten Grand Prix wieder konkurrenzfähig.“ Den auf fünf Zähler angewachsenen Rückstand in der WM-Wertung wertet Massa (33) als „nicht tragisch“.

Räikkönen ist vorerst aus dem Titelrennen. Der als 16. gestartete Finne konnte sich nur auf Rang acht vorkämpfen und liegt als WM- Vierter (23) bereits 15 Punkte hinter dem Führungs-Duo. Nick Heidfeld holte als überrundeter Sechster als einziger Deutscher Punkte. „Das war das Maximale“, sagte der BMW-Sauber-Pilot aus Mönchengladbach. Nico Rosberg (Wiesbaden) wurde im Williams-Toyota Zwölfter. Toyota- Pilot Ralf Schumacher (Kerpen) musste als 16. mit zwei Runden Rückstand den nächsten Tiefschlag hinnehmen. Und Adrian Sutil (Gräfelfing) krachte mit seinem Spyker nach Bremsproblemen in der 53. Runde beim Casino in die Leitplanken.

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