Formel 1
Silberpfeile kommen mit Bewährung davon

McLaren-Mercedes ist in der "Lügen-Affäre" der Formel 1 glimpflich davongekommen. Der Rennstall wurde für drei Rennen gesperrt, die Strafe aber für zwölf Monate auf Bewährung ausgesetzt. Das entschied das World Motor Sport Council des Automobil-Weltverbandes FIA bei seiner außerordentlichen Sitzung am Mittwoch in Paris. Mit der Entscheidung ist auch ein möglicher Mercedes-Ausstieg aus der Formel 1 vom Tisch, den Daimler-Chef Dieter Zetsche für den Fall einer „unangemessenen Bestrafung“ in Betracht gezogen hatte.

HB PARIS. Die FIA begründete das eher milde Urteil mit dem "offenen und ehrlichen Auftreten" von McLaren-Mercedes-Teamchef Martin Whitmarsh bei der Anhörung. In der Begründung des Council hieß es: "Unter Berücksichtigung der offenen und ehrlichen Weise, mit der McLaren-Teamchef Martin Whitmarh vor das World Council getreten ist, und dem Wechsel der Kultur in seinem Team hat das World Council entschieden, dass eine Bewährung für die Strafe angemessen ist." Die Sperre von drei Rennen werde nur dann in Kraft treten, "wenn weitere dringliche Beweise in diesem Fall auftauchen oder es in den nächsten zwölf Monaten einen weiteren Bruch des Artikels 151c des International Sporting Code gibt."

Hintergrund der Affäre: Weltmeister Lewis Hamilton und der inzwischen entlassene McLaren-Sportdirektor Dave Ryan hatten nach dem Großen Preis von Australien in Melbourne die Renn-Kommissare angelogen und damit zunächst eine Strafe gegen Toyota-Pilot Jarno Trulli (Italien) provoziert hatten. Funk-Mitschnitte hatten den Silberpfeil-Piloten und Ryan der Falschaussage überführt.

Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug begrüßte die Entscheidung des Internationalen Automobilverbands. „Ein faires Urteil und ich möchte mich bei den Mitgliedern des World Motorsport Councils für ihre balancierte Betrachtungs- und Vorgehensweise bedanken“, sagte Haug am Mittwoch. „Unser Team hat in aller Offenheit mit den FIA-Verantwortlichen kooperiert und kommuniziert und ich denke, die Urteilsfindung hat diese Haltung berücksichtigt und positiv bewertet“, erklärte der Mercedes-Sportchef weiter. „Das Thema ist abgehakt, jetzt steht wieder Sport statt Politik im Vordergrund - das gefällt den Zuschauern besser und mir ehrlich gesagt sogar viel, viel besser.“ Bezüglich der Bewährung hat Haug „keine Bedenken“. „Wir werden bei derartigen Themen mit allergrößter Präzision und Vorsicht vorgehen und keine Fehler machen“, sagte er.

McLaren-Mercedes-Teamchef Martin Whitmarsh hatte sich zuvor am Mittwoch bei der Anhörung in Paris für Fehler in der "Lügen-Affäre" entschuldigt. "Wir haben Fehler gemacht und uns dafür bei der FIA und der Öffentlichkeit entschuldigt", sagte Whitmarsh, der ohne Rechtsbeistand erschienen war. Auch auf Druck von Mercedes war McLaren bei der Anhörung nicht auf Konfrontation mit der FIA gegangen, sondern hatte versucht, konstruktive Kooperation zu suchen. Diese Strategie führte zum Erfolg und ermöglicht nun einen Neuanfang in den Beziehungen zwischen der FIA und dem Team. FIA-Präsident Max Mosley sprach daher auch von einer „fairen Entscheidung“. Hamilton, der nicht nach Paris gekommen war, hatte bereits kurz nach Aufdeckung des Skandals Reue gezeigt.

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