Formel 1
Teamspieler contra Egomane

Das Vor-Finale der Formel-1-Weltmeisterschaft an diesem Wochenende hat genügend Stoff für einen Film: Die vermeintliche Ego-Disziplin entpuppt sich im Duell zwischen Michael Schumacher und Fernando Alonso mehr und mehr als Mannschaftssportart. Schon der Popmusiker Xavier Naidoo wusste: Dieser Weg wird kein leichter sein ... Willkommen beim Großen Preis von Japan, wo auch der Zweikampf zwischen Ferrari und Renault, Bridgestone und Michelin bereits in die vielleicht entscheidende Runde geht.

SUZUKA. Der Werbe-Spot, in dem Fernando Alonso an einem römischen Wagenrennen a la Ben Hur teilnimmt, hat dem Spanier offenbar nicht gut getan. Zwar sind Psycho-Spielchen und der ein oder andere schmutzige Trick in der Formel 1 schon immer an der Tagesordnung gewesen, aber dass ein Rennfahrer, der so nah an der Titelverteidigung ist wie Alonso, gezielt sein eigenes Team kritisiert und schwächt gab es noch nie.

Der Verlust der sicher scheinenden Führung von 25 Punkten zur Saisonmitte legt die Nerven beim Piloten und seiner Equipe blank. Nach einer Anhäufung von Fehlern und Pannen in drei der letzten vier Rennen steht es vor dem vorletzten 116:116. Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone jubelt über den Cliffhanger, der selbst zur unchristlichen Übertragungszeit am Sonntagmorgen um sieben Uhr beste Quoten beschert. Der Brite malte schon nach Schumachers Sieg beim Grand Prix von China, der dem Kerpener den siebten Saisonsieg und damit die WM-Tabellenführung sicherte, zwei große Nullen in den Himmel von Shanghai: Null-Null, alles geht von vorn los. Und die Abhängigkeiten des Einzelnen vom Gesamten werden immer größer.

Die Ereignisse neben der Strecke sind so turbulent wie zuletzt die auf der Piste, zumindest wenn man den spanischen Zeitungen Glauben schenken darf. Alonso hat dort schwerste Vorwürfe gegen sein Team erhoben, nachdem der vermeintliche Sieg in der Regenlotterie in China durch eine falsche Reifenwahl beim ersten und einen Patzer beim zweiten Boxenstopp zunichte gemacht wurde. „Einige im Team wären wohl froh, wenn ich die Nummer eins nicht zu Mercedes mitnehme“, wird Alonso zitiert. Die letzten Strategiefehler müsste er demnach für sich folgerichtig als Absicht werten.

Das verbale Scharmützel über den Feind im eigenen Lager wird der Spanier nun nicht mehr los. Renault und Alonso brauchen Kitt, der noch die letzten beiden Rennen hält. Klar ist, dass den Verantwortlichen des französischen Autokonzerns und ihres Statthalters Flavio Briatore der Konstrukteurs-Titel grundsätzlich am meisten bedeutet. In dieser Wertung führt Renault momentan mit 179:178. Aber klar ist, dass der Titel in der Marken-Meisterschaft beinahe zwingend über das Einzel-Championat führt.

Seite 1:

Teamspieler contra Egomane

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%