Großer Preis von Ungarn
Halbzeit in der Formel gähn

Veranstalter bleiben auf Tickets sitzen, TV-Quoten sinken und Mercedes sorgt für gähnende Langeweile. Die Formel 1 erlebt schwere Zeiten. Schuld daran sind die Funktionäre und die Ingenieure. Eine Halbzeitanalyse.
  • 0

DüsseldorfDie Medien sind schuld. Journalisten schreiben die Formel 1 kaputt. Die Verantwortlichen der bekanntesten Rennserie der Welt haben einen Schuldigen für ihre Misere und für das Desinteresse der Zuschauer gefunden. Dass kaum noch jemand die Regel nachvollziehen kann, dass sie langsamer ist, als noch vor zwei Jahren, dass die kleinen Teams an der Existenzgrenze darben und dass außer Mercedes kein anderer Rennstall wirklich stattfindet – das alles wird ins Reich der Legenden gerückt.

Mit dieser Begründung macht es sich die Formel 1 einfach. Und sie liegt falsch. „Ist die Formel 1 nicht spannend? Haben wir nicht einen geilen Sport?“, fragte Nico Rosberg Medienvertreter trotzig während einer Pressekonferenz nach dem Grand Prix in Silverstone. Die klare Antwort: Nein. Denn die acht Rennen zuvor waren alles andere als spannend und bis auf den Überraschungssieg von Sebastian Vettel in Malaysia gänzlich von der erdrückenden Mercedes-Dominanz geprägt.

Es sind die Bernie Ecclestones, die Jean Todts, die Ingenieure, die Mathematiker und die Rennställe selbst, die die Königsklasse des Motorsports zur Nebensächlichkeit im gesellschaftlichen Interesse degradiert haben. Laut einem offiziellen F1-Bericht, der der britischen „Mail on Sunday“ vorliegt, soll europaweit die Gesamtzuschauerzahl um 25 Millionen auf 425 Millionen zurückgegangen sein.

Und auch vor Ort lassen sich immer weniger Fans blicken. Zwar wurden beim vergangenen Rennen in Silverstone satte 140.000 Zuschauer gezählt. Allerdings wären diese Massen niemals zustande gekommen, wenn es im Vorfeld keine Rabattaktionen gegeben hätte. Auf dem Red-Bull-Ring in Österreich zum Beispiel sackte die Zuschauerzahl dramatisch ab. Waren es 2014 noch 90.000 Fans, die sich an der Rennstrecke tummelten, verkauften die Veranstalter in diesem Jahr lediglich 50.000 Tickets. Für viele Grand Prix sind die Preise der Eintrittskarten ins absurde gestiegen. Tickets für ein Rennwochenende können gut und gerne 400 Euro und mehr kosten – pro Person.

„Die Tickets sind einfach zu teuer geworden“, so Ferrari-Pilot Sebastian Vettel gegenüber der Sport Bild. „Wie soll sich ein normaler Familien-Vater einen Besuch an der Rennstrecke noch leisten können?“ Und wo. Der besucherstarke Deutschland-Grand-Prix findet in diesem Jahr gar nicht erst statt. Die Rennen folgen den lukrativen Angeboten aus Asien und dem arabischen Raum. Camping-Wochenende am Nürburgring? Fehlanzeige.

Kommentare zu " Großer Preis von Ungarn: Halbzeit in der Formel gähn"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%