Hockenheim- und Nürburgring
Strecken-Manager klammern sich an die Formel 1

Die Formel 1 reißt Millionenlöcher in die Bilanzen von Hockenheim- und Nürburgring. Grund sind die hohen Lizenzgebühren von Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone. Die Kosten können nur aus dem Ticketverkauf refinanziert werden - und der ist seit Jahren rückläufig. Dennoch wollen die Betreiber die Rennserie unbedingt halten.

HAMBURG. Für Karl-Josef Schmidt rückt der Tag der Entscheidung immer näher. Mitte März soll endgültig feststehen, ob die Formel 1 auf dem Hockenheimring bleiben kann oder nicht. "Ich zerbreche mir jeden Tag den Kopf darüber, wie wir die Formel 1 halten können", sagt der Geschäftsführer des Hockenheimrings. Weil immer weniger Zuschauer kommen, ist die Zukunft der Motorsport-Königsklasse auf dem Traditionskurs gefährdet. Greifen das Land Baden-Württemberg und die Metropolregion Rhein-Neckar nicht ein, wird die prestigeträchtige Rennserie wohl auf Jahre aus der Gegend verschwinden.

Für Schmidt ein beunruhigender Gedanke, wird er doch nicht müde zu betonen, "dass wir in unserem Kerngeschäft ein hochprofitables Unternehmen sind." Das Geschäftsmodell von Rennstrecken basiert - vereinfacht ausgedrückt - auf zwei Säulen. Zum einen gibt es Zuschauerveranstaltungen, also Auto- oder Motorradrennen wie Deutsche Tourenwagen-Masters, die Internationale Deutsche Straßenmeisterschaft oder eben die Formel 1, die derzeit im jährlichen Wechsel auf dem Nürburg- und dem Hockenheimring stattfindet. Zum anderen gibt es das Tagesgeschäft, das vor allem aus der Vermietung der Strecken besteht.

Der Nürburgring etwa werde an 250 Tagen pro Jahr vermietet, erklärt Hauptgeschäftsführer Walter Kafitz. Bei einem angenommenen Durchschnittspreis von rund 16 000 Euro erwirtschaftet der Streckenbetreiber damit einen Umsatz von etwa vier Mio. Euro jährlich. Der Gesamtumsatz des Nürburgrings betrug 2007 aber rund 30 Mio. Euro. Bei anderen deutschen Strecken ist das Verhältnis ähnlich. Unter dem Strich gilt daher: Das Tagesgeschäft lässt den Asphalt dauerhaft glühen, für das finanzielle Feuerwerk ist der Sektor "Racing" mit prestigeträchtigen Großevents wie DTM, MotoGP und der Formel 1 verantwortlich - und daher buhlen die Betreiber um die Rennserien wie Piloten um Pokale.

Ausgerechnet die Königsklasse des Motorsports bereitet nun ernsthafte Sorgen. Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone verlangt saftige Lizenzgebühren. 21,5 Mio. Dollar (16,8 Mio. Euro) muss etwa der Hockenheimring laut der Studie "Formula Money" an Ecclestone zahlen. Insgesamt erlöst der Formel-1-Boss jährlich mehr als 403 Mio. Dollar (316 Mio. Euro) aus der Vergabe der Streckenlizenzen. Die Betreiber können die hohen Kosten jedoch nur aus dem Ticketverkauf refinanzieren.

Im Prinzip wäre das unproblematisch, wenn der Ticketverkauf noch wie zu Zeiten von Michael Schumacher florieren würde. Doch das Gegenteil ist der Fall: Auf dem Nürburg- und dem Hockenheimring geht die Zahl der Formel-1-Zuschauer kontinuierlich zurück. Zum Hockenheimring zog es im Vergleich zum Jahr 2002 zuletzt über 30 Prozent weniger Motorsport-Fans.

Seite 1:

Strecken-Manager klammern sich an die Formel 1

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%