Kerpen feiert „Schumis“ Abschied
Die Hoffnung trug in Kerpen bis zuletzt rot

dpa KERPEN. Die Hoffnung trug bis zuletzt rot. Und die Stimmung war bittersüß. „Das war der Abschied, es ist nicht so, dass man sich geärgert hat“, sagt Reiner Ferling. Und hinter den mit Ferrari-Logos beklebten Brillengläsern standen Tränen in seinen Augen.

Der Mann mit seinem Zylinder voller Schumacher-Puppen war jahrelang eine der schillerndsten Figuren unter den „Schumi“-Fans. Für die letzte Fahrt Michael Schumachers vor dessen angekündigter Renn-Rente ist er aus dem Urlaub zurück nach Kerpen geflogen. Mit Ferling hatten sich 1 000 weitere Kerpener herausgeputzt. Ganz in Rot verfolgten sie die letzte Formel-1-Fahrt ihres Idols auf einer Großbildleinwand in dessen Heimatstadt.

Es wurden knapp zwei Stunden in einem Wechselbad der Gefühle. Denn auch wenn die Chancen auf einen Sieg für Schumacher denkbar gering waren, hofften in Kerpen alle bis zum Schluss. Ein Ende der Ära Schumacher? Undenkbar. „Wir sind ja erst das geworden, was er uns gebracht hat“, sagt „Eier-Erika“, auch eine Institution unter den Schumacher-Fans in Kerpen. Noch einmal stand sie mit einem Kölsch in der Hand in der ersten Reihe. „Schon wenn die Motoren angehen, laufen mir die Tränen“, erklärte die Frau, die mit bürgerlichem Namen Erika Klütsch heißt, ihr Weinen. Früher hatte sie eine Hühnerfarm, heute lebt sie auch für den Rennsport und ist eines von 200 Mitgliedern im Michael Schumacher Fan Club. Das wollte sie auch nach diesem Sonntag bleiben.

Als Schumacher in Brasilien ins Schlingern geriet, zerplatzten auch in Kerpen die Träume. Die Menschen in der bis auf den letzten Stehplatz gefüllte Jahnhalle verstummten. Minutenlang starrten alle fassungslos auf das Geschehen in Sao Paulo. Sie wussten: Es ist vorbei. Erst langsam machte sich die Menge mit Paukenschlägen und Tröten wieder Mut, wollte Schumacher angemessen verabschieden. Bei jedem Überholmanöver des 37-Jährigen brach frenetischer Jubel aus, erschien Rivale Alonso auf dem Bild, ertönten Pfiffe.

Und unter dem Lärm kroch Melancholie heran. „Ich kannte den Michael schon als kleinen Knirps“, sagte Jochen Meier, der dem Michael Schumacher Fan Club vorsitzt. „Da war's noch der kleine Kerl, der so unheimlich gut Kart fahren konnte.“ Jetzt und hier geht eine Ära zu Ende. „Der ganze Formel-1-Sport kriegt jetzt eine andere Dimension.“ Das Rennen war aus. Und Kerpen weinte.

Dann wurde Schumacher aus Sao Paulo zugeschaltet. „Erst mal möchte ich mich entschuldigen, dafür dass ich vor dem Start nicht die Zeit gefunden habe, mit euch reden zu können“, sagt er schüchtern. Die Halle jubelte. „Es hat dann doch leider nicht sollen sein.“ Kerpen applaudierte und feiert seinen von den Rennstrecken scheidenden Helden. Ferling gibt noch zu Protokoll, er wolle Ferrari-Fan bleiben. „Aber das was ich auf dem Kopf habe, werde ich für keinen anderen machen.“

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