Krach um den Formel-1-Lärm „Ich denke, der Sound ist scheiße“

Mit klaren Worten lässt Weltmeister Sebastian Vettel die Welt wissen, was er von den neuen Turbomotoren hält. Die Rennbetreiber fürchten um ein Ausbleiben der Fans – wegen des Motorensounds.
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Red-Bull-Fahrer teilte seinen Unmut über die neue Motorengeneration mit klaren Worten der Öffentlichkeit mit. Quelle: AFP

Red-Bull-Fahrer teilte seinen Unmut über die neue Motorengeneration mit klaren Worten der Öffentlichkeit mit.

(Foto: AFP)

DüsseldorfBeim Auftaktrennen im australischen Melbourne hatte Sebastian Vettel viel Zeit, sich die anderen Rennwagen anzusehen und anzuhören. Bereits in der fünften Runde schied der vierfache Weltmeister wegen eines Problems mit seinem neuen Turbomotor von Renault aus. Das restliche Rennen verfolgte Vettel vom Red-Bull-Kommandostand an der Boxenmauer aus. Sein Fazit: Die Autos sind zu leise, sie klingen wie ein „Staubsauger“.

„Ich denke, der Sound ist scheiße. Ich war während des Rennens an der Boxenmauer, das klingt nach gar nichts. Das ist vielleicht besser als in einer Bar, aber nicht um viel“, legte der Heppenheimer vor dem Rennen in Malaysia nach. „Die Formel 1 muss doch ein Spektakel sein, und der Sound spielt dabei eine ganz elementare Rolle. Ich weiß noch, wie ich als sechsjähriger Knirps erstmals live Formel-1-Autos gesehen habe, da hat der Boden vibriert, als die Renner durchpfiffen. Es war so unglaublich laut! Du hast die Autos nicht nur gehört, du hast sie gespürt. Was wir jetzt haben, ist eine Schande.“

Formel Leise

Doch damit noch nicht genug der Vettel-Kritik: „Leider mache ich die Regeln nicht, sonst hätten wir einen schönen V12 im Heck und die Batterien wären im Handy, da wo sie hingehören. Es wäre schön, wenn man wieder mehr den Motor hört und nicht das Reifenquietschen. Wir sind doch nicht auf dem ADAC-Übungsplatz.“

Angestoßen hatte die Debatte Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone. In Australien sagte der mächtige Manager über die ungewohnte Geräuschkulisse: „Wenn du Erdbeermarmelade kaufst und Erdnussbutter bekommst, bist du verärgert.“

Diese Fahrer wollen Vettel schlagen
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Sebastian Vettel (Infiniti Red Bull Racing, 124 Punkte)

Mittlerweile hat Sebastian Vettel vier WM-Titel, allesamt mit Red Bull, auf der Habenseite, zum Auftakt der Saison 2014 galt er als der Mann in der Formel 1, den es zu schlagen gilt. Inzwischen ist die Titelverteidigung für den 27-Jährigen jedoch in weite Ferne gerückt – zu stark ist die Konkurrenz im Mercedes. Nach elf Rennen ohne Sieg hat sich jede Menge Unmut aufgestaut beim Heppenheimer. Zum Saisonende will er daher Red Bull verlassen und wie einst sein Kindheitsidol Michael Schumacher für Ferrari starten. Vettel wird spätestens seit dem „Wunder von Monza“, seinem Sensationssieg beim Grand Prix von Italien 2008 (im Toro Rosso im Regen), in Deutschland als möglicher Nachfolger Schumachers gehandelt. Vergangenes Jahr hat er zum ersten Mal in seiner Karriere den Großen Preis der USA gewonnen (Bild). Es war bereits sein zwölfter Sieg in dieser Saison und der achte in Serie – ein neuer Rekord in der Geschichte der Formel 1. Michael Schumacher hatte 2004 sieben Mal in Folge gewonnen. Derzeit muss er sich mit Platz fünf in der Fahrerwertung begnügen.

Daniel Ricciardo
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Daniel Ricciardo (Infiniti Red Bull Racing, 181 Punkte)

Für Vettels neuen Teamkollegen Daniel Ricciardo läuft die Saison deutlich besser als für den Superstar. Ricciardo ist schneller und sorgte mit zwei Überraschungssiegen im RB10 bislang für die einzigen Lichtblicke bei Red Bull. Der Lohn: Rang drei in der Fahrerwertung nach Hamilton und Rosberg.

Nico Rosberg
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Nico Rosberg (Mercedes AMG Petronas Formula One Team, 238 Punkte)

Der Deutsche Nico Rosberg dominiert zusammen mit Teamkollege Lewis Hamilton die Konkurrenz nach Belieben. Vor der Sommerpause erarbeitete er sich elf Punkte Vorsprung, derzeit liegt der 29-Jährige drei Punkte hinter dem Briten. Nach den beiden kommt erstmal lange nichts. Schlagen können sich die Silberpfeile in dieser Saison eigentlich nur noch selbst, sollten Rosberg und Hamilton weiter aneinandergeraten. Zuletzt hatte Hamilton in Budapest die Anweisung der Box ignoriert, den Deutschen mitten im Rennen vorbeizulassen, da beide Fahrer auf unterschiedlichen Strategien unterwegs waren. Vor seinem Abschied in die Sommerpause brodelte es in Rosberg deshalb gewaltig. Der Wiesbadener erwartet noch intensivere Duelle mit Hamilton und betonte: „Ich ändere nicht meine Vorgehensweise, ich werde so weiter machen: Mit Attacke!“ Es herrscht weiter Explosionsgefahr.

Mercedes Formula One racing driver Hamilton of Britain poses during the presentation of the new Mercedes W04 Formula One car at the Jerez racetrack
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Lewis Hamilton (Mercedes AMG Petronas Formula One Team, 241 Punkte)

Vor der Sommerpause noch elf Punkte im Rückstand auf Platz zwei konnte Lewis Hamilton nun an seinem Teamkollegen Nico Rosberg vorbeiziehen. Der Weltmeister von 2008 hat mit 241 Punkten und somit drei Punkten Vorsprung vor Rosberg alle Chancen auf den Titel. Spätestens mit seinem dritten Platz und einem umstrittenen Manöver in Ungarn hatte der Brite das Titelduell mit Rosberg neu entfacht.

Formel 1 - GP Großbritannien - Finne Räikkönen gewinnt
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Kimi Räikkönen (Scuderia Ferrari, 45 Punkte)

Bei Ferrari herrscht nach einer bislang erfolglosen Saison dicke Luft: Nach einem amateurhaften Strategiefehler im Qualifying zum Großen Preis von Budapest kritisierte Ex-Weltmeister Kimi Räikkönen, der letztlich sogar noch Sechster wurde, das eigene Team ganz offen. Räikkönen war schon im ersten Teil des Qualifyings ausgeschieden, weil die Teamleitung der Meinung war, dass seine bereits gefahrene Zeit zum Weiterkommen reicht. Räikkönen war im Winter eigentlich zur Scuderia zurückgekehrt, um erneut nach dem Titel zu greifen. Doch auf seine alten Tage ist der schweigsame Skandinavier im lahmenden Ferrari höchstens noch Mittelmaß. Auch im Stallduell mit Fernando Alonso ist der „Iceman“ bislang chancenlos. Für Räikkönen standen vor dem Grand Prix in Ungarn lediglich zwei siebte Plätze zu Buche. Das vorzeitige Karriereende steht im Raum, obwohl er noch ein Jahr Vertrag hat. Ab 2015 könnte er sonst Teamkollege von Sebastian Vettel sein, der zu Ferrari wechseln möchte.

Fernando Alonso
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Fernando Alonso (Scuderia Ferrari, 133 Punkte)

„Super, super, super, super....“, funkte die Boxencrew an Fernando Alonso, der mit seinem zweiten Platz in Budapest kurz vor der Sommerpause für einen kleinen Lichtblick bei Ferrari sorgte. Mehr aber auch nicht. Denn auch Alonso kann an der Überlegenheit von Mercedes nichts ändern. Immerhin fährt der Vizeweltmeister hin und wieder aufs Podest und belegt in der Fahrerwertung den vierten Platz, der drittplatzierte Daniel Ricciardo befindet sich im Gegensatz zu den Silberpfeilen noch in Reichweite. Alonsos Zukunft in Italien scheint nach einer weiteren unbefriedigenden Saison jedoch offen: Er wird voraussichtlich ab 2015 Platz für seinen Erzrivalen Vettel machen und zu McLaren wechseln.

FORMULA ONE PRE-SEASON TESTING AT THE CIRCUIT OF JEREZ
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Romain Grosjean (Lotus F1 Team, 8 Punkte)

In elf Rennen gelang dem Franzosen nur zweimal der Sprung in die Punkte: In Spanien und Monaco belegte Grosjean jeweils den achten Platz. Bereits fünfmal erreichte der 28-Jährige nicht das Ziel. In der Fahrerwertung macht das momentan Platz 14.

Wegen der neuen „Formel Leise“, wie es manche Spötter schon nennen, fürchten auch die Betreiber der Rennen ein Ausbleiben der Zuschauer. Ron Walker, Chef des Australien-GP, sprach sogar von einem Vertragsbruch: „Ursprünglich habe ich einen Giganten mit Lärm gekauft. Für das, was wir jetzt erlebt haben, habe ich nicht gezahlt.“ Viele Promoter seien verunsichert, ob der neue Sound die Fans von den Rennstrecken fern halte.

Auch Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz äußerte sich in einem seiner seltenen Interviews zum Krach um den Lärm – wenn auch deutlich diplomatischer. Der Milliardär und Red-Bull-Besitzer forderte, man solle „die Formel 1wieder zu dem zu machen, was sie immer war: die Königsdisziplin“.

Lauda will es nicht lauter

Die Formel 1 sei „weder dazu da, neue Rekorde im Benzinverbrauch aufzustellen, noch dass man sich im Flüsterton während eines Rennens unterhalten kann, das Lauteste der Boxenfunk und das höchste der Gefühle ein quietschender Reifen ist“, sagte Mateschitz dem „Kurier“. Es sei absurd, dass die Nachwuchsserie GP2 bei einem Bruchteil des Budgets mehr Motorsport und Kampf biete und fast gleich schnelle Zeiten fahre als die neue Formel 1.

Es gibt allerdings auch prominente Vertreter im Fahrerlager, die wenig von einer Rückkehr in die Tinnitus-Ära halten. Einer von ihnen ist Mercedes-GP-Aufsichtsratschef Niki Lauda: „Den Lärm da jetzt ins Spiel zu bringen, ist absurd und für mich nicht nachvollziehbar.“

Die Formel 1 sei eine Rennklasse, „die – was den Motor, oder besser ihre Technik betrifft – vollkommen im Trend, im Entwicklungstrend liegt. Der Gedanke, die Autos künstlich wieder laut zu machen, geht in die falsche Richtung und ist bizarr“, sagte der dreimalige Weltmeister der Tageszeitung „Die Welt“.

„Dann geht doch und fahrt woanders!“
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1 Kommentar zu "Krach um den Formel-1-Lärm: „Ich denke, der Sound ist scheiße“"

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  • Was macht di F1 erst, wenn mal Elektrorenner kommen, wie auf der Carrerabahn????

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