"Lügen-Affäre"
Silberpfeilen droht das Aus in der Formel 1

McLaren-Mercedes könnte die "Lügen-Affäre" um Weltmeister Lewis Hamilton teuer zu stehen kommen. Weil die Silberpfeile nicht das erste Mal unangenehm auffallen, droht ein hartes Urteil durch den Automobil-Weltverband Fia. Schlimmstenfalls könnte McLaren-Mercedes sogar aus der Königsklasse ausgeschlossen werden.

MÜNCHEN. Dem Rennstall McLaren-Mercedes droht wegen der „Lügen-Affäre“ das Aus in der Formel 1. Ein entsprechend hartes Urteil könnte nach Einschätzung von Experten das World Motor Sport Council des Automobil-Weltverbandes Fia auf seiner außerordentlichen Sitzung am 29. April in Paris fällen. „Ich befürchte, dass McLaren-Mercedes von der WM ausgeschlossen wird. Das wäre eine Katastrophe für Mercedes und die Formel 1“, sagt der ehemalige Rennfahrer Christian Danner. Mercedes hält 40 Prozent an dem Rennstall.

Die Fia wirft den Silberpfeilen in fünf Punkten einen Verstoß gegen den Internationalen Sporting Code vor, der Handlungen gegen den Geist des Sports unter Strafe stellt. Vor allem geht es um die Lüge von Rennfahrer Lewis Hamilton bei einer Anhörung Ende März nach dem Großen Preis von Australien. Der Weltmeister hatte die Frage der Sportkommissare, ob das Team ihn über Funk angewiesen habe, den Konkurrenten Jarno Trulli während einer Safety-Car-Phase überholen zu lassen, verneint – obwohl das Gegenteil der Fall war.

Die Silberpfeile haben das Problem, dass sie nach der Spionage-Affäre aus dem Jahr 2007 vorbelastet sind. Damals hatte die Fia die Rekordstrafe von 100 Mio. Dollar verhängt. „Bei der Spionage-Affäre konnte man sich noch über die Fakten streiten, aber jetzt ist die Angelegenheit glasklar“, sagt Danner. Erschwerend komme hinzu, dass der Rennstall nach dem Regelverstoß von Weltmeister Lewis Hamilton im australischen Melbourne bis zur zweiten Anhörung in Malaysia mehrere Gelegenheiten ausgelassen habe, die Lüge gegenüber den Rennkommissaren richtigzustellen. „Sich wegen eines WM-Punktes so in die Nesseln zu setzen, grenzt an Selbstzerstörung“, sagt Danner. „Hier geht es um die ethischen Grundsätze des Sports.“

Hamilton, den der inzwischen entlassene Sportdirektor Dave Ryan zur Falschaussage angestiftet hatte, stand bereits kurz vor dem Abschied von McLaren-Mercedes. Sein Vater und Manager Anthony Hamilton soll sich in Malaysia schon nach einem neuen Arbeitgeber für den Sohn umgesehen haben. Umgestimmt hat Hamilton erst Mercedes-Sportchef Norbert Haug. Über die Vorladung durch die Fia will er sich wegen des schwebenden Verfahrens nicht äußern. Zur Zukunft von Mercedes in der Formel 1 vermied er eine klare Aussage: „Wenn sie mich fragen, ob wir in den kommenden zehn Jahren dabei bleiben werden, dann kann kein ehrlicher Mensch eine Antwort darauf geben.“

Auf der Daimler-Hauptversammlung am Mittwoch kündigte Konzernchef Dieter Zetsche jedenfalls einen radikalen Sparkurs an, der zwei Mrd. Euro bringen soll. Nach den jüngsten Negativschlagzeilen könnte auch das teure Formel-1-Projekt auf den Prüfstand geraten.

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