McLaren-Mercedes erwägt Berufung
Formel 1 mit sich selbst beschäftigt

Die höchste Geldstrafe in der Sportgeschichte spaltet die Formel 1 und macht das Titelrennen zur Farce. Am Tag nach dem FIA-Urteil gegen McLaren-Mercedes im Spionage-Skandal droht dem schnellsten Sport der Welt ein Gerichtsmarathon.

HB SPA-FRANCORCHAMPS. „Ich akzeptiere nicht, dass wir es verdient haben, so bestraft zu werden und dass unser Ruf so beschädigt wird“, stellte McLaren-Chef Ron Dennis nach dem Urteilsspruch des FIA-Weltrates in Paris fest. Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug kündigte an, vor „Gericht Gerechtigkeit“ finden zu wollen. 24 Stunden nach der Urteilsverkündung sagte er am Freitag: „Die Summe ist astronomisch hoch und auch nicht von uns einzusehen.“

Möglich ist eine Berufung beim Automobil-Weltverband FIA oder auch der Gang vor ein ordentliches Gericht. „Wir haben nun sieben Tage Zeit, um Berufung einzulegen und wir werden gewissenhaft unsere Position prüfen, wenn wir erst einmal die Urteilsfindung der FIA voll verstanden haben“, erklärte Dennis am Freitagabend. McLaren wird Industriespionage vorgeworfen. Die Berufung „gilt als wahrscheinlich“.

Auf 14 Seiten legte die FIA am Tag danach die Urteilsbegründung vor. Der Weltverband stellte in dem Schreiben fest, dass man nicht beweisen müsse, ob McLaren die Ferrari-Daten auch wirklich genutzt habe. „Unser Partner McLaren hat eindeutig klar gemacht, dass in unserem Formel-1-Auto keinerlei fremdes Gedankengut oder Ideen, die fremden Konstruktionszeichnungen entstammen, Verwendung findet.“ Dies gelte auch für Spekulationen bezüglich Kenntnissen über fremde Rennstrategien oder Gewichtsverteilungen im Formel 1-Fahrzeug, erklärte Mercedes-Benz.

Die Indizien gegen die Silberpfeile scheinen so erdrückend. Beispielsweise seien zwischen dem 11. März und dem 3. Juli nach einem Bericht der italienischen Polizei 288 SMS und 35 Telefonanrufe zwischen dem früheren McLaren-Chefdesigner Mike Coughlan und dem früheren Ferrari-Mechaniker Nigel Stepney - den beiden Auslösern des Spionage-Skandals - ausgetauscht worden.

Vor allem der Email-Verkehr zwischen McLaren-Testfahrer Pedro de la Rosa vom 21. März 2007 und dem freigestellten McLaren-Mann Coughlan belastet das Team sehr. Am Abend stellte Dennis fest, dass er nach Kenntnis der neuen Beweise am 5. August vor dem Ungarn-Grand-Prix „unverzüglich die FIA angerufen habe, um sie darüber zu informieren.“ In der Email fragt de la Rosa explizit nach Informationen über die Gewichtsverteilung beim Ferrari: „Das wäre sehr wichtig für uns, damit wir das im Simulator erproben können.“ Für Haug ist das kein Beweis: „Daraus abzuleiten, dass Pedro ein Handlanger der Spionage ist, ist unmöglich.“

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