Michael Schumacher
Der „Nimmersatt“ der Formel 1

Er hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Er hat nahezu jeden Rekord, den es in der Königsklasse des Motorsports gibt, gebrochen. Und trotzdem geht Michael Schumacher hochmotiviert in seine 16. Formel-1-Saison – als wäre es seine erste.

HB STUTTGART. Wende oder Ende: Erst zur Saisonmitte will Rekord-Weltmeister Michael Schumacher entscheiden, ob er seine einmalige Formel-1-Karriere fortsetzt oder nach 2006 endgültig aus dem Cockpit steigt. Alles hängt dabei von der Konkurrenzfähigkeit Ferraris ab. Wenn die „Roten“ wie im Vorjahr völlig chancenlos hinter ihren Rivalen herrollen, dürfte sein Wunsch weiterzumachen gegen Null tendieren und er sich in den Ruhestand verabschieden. „Wir müssen nicht unbedingt den Titel holen, aber wir müssen eine echte Chance haben“, nannte Schumacher als Grundvoraussetzung für eine Vertragsverlängerung mit der Mythos-Marke aus Maranello.

„Keiner will noch so ein Jahr“, fasste der Kerpener seinen Frust über die verkorkste Vorsaison zusammen. Am allerwenigsten der so entschlossen und ehrgeizig wie eh und je auf seinen achten WM- Triumph hinarbeitende Schumacher. Trotz seiner sieben Titel, 84 Grand-Prix-Siege, 69 schnellsten Rennrunden, 1248 WM-Punkte, 22 256 Führungskilometer und vieler weiterer Bestmarken verspürt der „Nimmersatt“ immer noch Heißhunger aufs Rennfahren und auf Rekorde. „So lange es mir Spaß macht, fahre ich weiter. Ich liebe den Wettbewerb, das liegt in meiner Natur“, umschrieb er seine ungebrochene Motivation.

Spaß hat Schumacher mit dem neuen Ferrari bislang reichlich: Der 248 F1 verfügt offensichtlich über genügend Potenzial, um mit Renault, McLaren-Mercedes und Honda im Titelrennen vorne dabei zu sein. Mit weniger lässt sich der Super-Star auch nicht abspeisen. „Es gibt nur ein Ziel: Die WM gewinnen, besonders nach so einem Jahr mit armseligen Ergebnissen. 2005 war häufig frustrierend“, setzte Schumacher die Scuderia gewaltig unter Druck.

Im Vorjahr musste sich der einstige Seriensieger mit einem einzigen, zudem quasi geschenkten Erfolg bei der Grand-Prix-Farce von Indianapolis und dem dritten Gesamtrang mit Riesenrückstand auf seinen Nachfolger Fernando Alonso begnügen. Der spanische Renault- Pilot zählt für Schumacher zu den Top-Favoriten bei der am 12. März mit dem Großen Preis von Bahrain beginnenden WM. Seine eigenen Chancen schätzt der Ex-Champion zumindest höher ein, als die der deutschen Nationalmannschaft, bei der Fußball-WM den Titel zu holen. „Ich habe etwas mehr Vertrauen in uns“, sagte er schmunzelnd.

Das Team und auch er selbst haben ihre Anstrengungen nochmals erhöht, um sich für die Vorjahrespleite zu rehabilitieren. Schumacher strich sogar seinen traditionellen Winterurlaub mit der Familie im Feriendomizil in Norwegen auf wenige Wochen zusammen und saß erstmals seit sechs Jahren schon im Dezember wieder bei Testfahrten im Rennwagen. Und obwohl er als Fitness-Guru gilt, schaltete der Trainingsbesessene bei der körperlichen Vorbereitung einen Gang hoch. „Wir müssen einfach alle noch härter und effizienter arbeiten“, gab er als Marschroute aus. „Wir tun alles, um zu zeigen, dass 2005 nur eine Ausnahme war.“

Gelingt dieses Vorhaben, ist auch sein Karriereende kein Thema mehr. Fiat-Chef Luca di Montezemolo und Ferrari-Teamchef Jean Todt tun alles, um ihren Top-Angestellten bei Laune und damit bei der Stange zu halten. Sorgen, dass der für seine Loyalität bekannte Schumacher nach elf Jahren bei Ferrari die Pferde wechseln könnte, müssen sie sich keine machen. „Wenn ich weiterfahre, dann zu 99,9 Prozent bei Ferrari“, legte der Deutsche ein Treuebekenntnis zur Scuderia ab. „Ich will nicht lügen, und nichts im Leben ist zu 100 Prozent sicher. Aber ich sehe meine Zukunft bei Ferrari.“

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