Motorsport
Mosley läutet nächste Runde im "Reifenstreit" ein

Nach dem "Skandal-Rennen" in der Formel 1 in Indianapolis macht FIA-Präsident Max Mosley dem Reifenlieferanten Michelin Vorwürfe. Dieser hätte die Gegebenheiten doch zumindest im Vorfeld am Computer simulieren sollen.

Der Streit zwischen Reifenhersteller Michelin und dem Automobil-Weltverband FIA lodert weiter auf hoher Flamme. FIA-Präsident Max Mosley stellte am Tag der offiziellen Anhörung in Paris die Erklärung der Franzosen für den Rückzug der sieben von ihnen belieferten Formel-1-Teams beim US-Grand-Prix in Indianapolis in zwei öffentlichen Briefen an Firmeneigner Edouard Michelin und den Technischen Direktor Pierre Dupasquier in Frage.

"Außergewöhnliche Aussage"

Michelin hatte in seinem Schreiben an die FIA dargelegt, dass sich die Umstände in Indianapolis vor allem in Kurve 13 kurzfristig so geändert hätten, dass die Sicherheit der Reifen nicht mehr garantiert werden konnte. "Das ist eine außergewöhnliche Aussage", kontert Mosley in seinem Brief an Edouard Michelin mit einem leicht spöttischen Unterton: "Die Gegebenheiten in Kurve 13 sind seit 100 Jahren die gleichen, und Michelin ist viele Male dort gefahren. Hat Michelin denn tatsächlich keine Möglichkeit, die Bedingungen im Vorfeld am Computer zu simulieren?"

Dem technischen Direktor von Michelin wirft Mosley "beunruhigende Aussagen"über die Ursache der Reifenschäden vor: "Sie haben uns erklärt, ihre Reifen hätten problemlos genutzt werden können, wenn die Geschwindigkeit der Autos vor Kurve 13 durch eine Schikane gesenkt worden wäre. Allerdings war nur einer der Unfälle in Kurve 13, der andere ereignete sich in Kurve 5. Sie werden sicher verstehen, dass wir diesen Mangel an Klarheit höchst beunruhigend finden."

Kompromissvorschlag nicht angenommen

Die Ereignisse in Indianapolis waren nach dem schweren Trainingsunfall von Ralf Schumacher am Freitag ins Rollen gekommen. Schumacher war nach einem plötzlichen Druckverlust im linken Hinterreifen seines Toyota in der Steilkurve (Kurve 13) in die Begrenzungsmauer gerast. Bereits wenige Stunden zuvor hatte Toyota-Testfahrer Ricardo Zonta (Brasilien) in der von Mosley genannten Kurve fünf im Infield ebenfalls nach Druckverlust im linken Hinterreifen einen Unfall gehabt.

Michelin hatte der FIA daraufhin vorgeschlagen, vor der Steilkurve eine Schikane einzubauen, um die Geschwindigkeit der Autos zu reduzieren und somit die Haltbarkeit der Reifen zu gewährleisten. Diesen Vorschlag lehnte die FIA ab. "Sie haben es veräumt, einen sicheren Alternativreifen mit nach Indianapolis zu bringen", schreibt Mosley an Edouard Michelin: "Der einzige Vorschlag, der von ihren Repräsentanten vor Ort kam, war der, eine Schikane einzubauen. Aber jeder, der sich nur ein bisschen mit internationalem Sportrecht und der besonderen Situation in den USA auskennt, weiß, dass das nie eine Option sein konnte."

Mosley macht Druck

Mosley fordert Dupasquier abschließend auf, der FIA umfangreiche und detaillierte Informationen über sämtliche Reifenprobleme der letzten zwei Jahre in der Formel 1 zukommen zu lassen: "Darüber hinaus legen sie uns bitte genau vor, was sie getan haben oder noch tun werden, um weitere derartige Probleme in Zukunft zu vermeiden."

© Sport-Informations-Dienst, Neuss

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