Motorsport 24-Stunden-Rennen
Audi will mit Diesel Geschichte schreiben

Nach dem verregneten ersten Qualifying zum 24-Stunden-Rennen von Le Mans steht Audi in der zweiten Startreihe. Die Ingolstädter wollen als erstes Team mit einem Diesel-Fahrzeug gewinnen.

Audi steht kurz davor ein neues Kapitel Automobilsport-Geschichte zu schreiben. Die Ingolstädter wollen am Wochenende (Start: Samstag 17.00 Uhr) mit sechs Fahrern, zwei Autos und einem "Sparmotor" als erster Hersteller die berühmten 24 Stunden von Le Mans mit einem Diesel-Fahrzeug gewinnen. "R10 TDI" heißt die Zauberformel, ein offener Sportwagen, komplett aus Aluminium gefertigt, mit einem V12-Motor, der 650 PS leistet und bis auf 325 km/h beschleunigt.

"Das ist das Rennen des Jahres, die größte Herausforderung für Audi. Wir stellen uns einem Abenteuer, das noch keiner gewagt hat", sagte Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich dem Sport-Informations-Dienst (sid). Seit zwei Jahren habe er eine Vision, erzählt Ullrich, und die lebt er seinen Mitarbeitern in Ingolstadt jeden Tag vor: "Seit ich mich mit diesem Projekt beschäftige, war für mich klar, dass ich selbst Diesel fahre." Es gibt aber sicher härtere Prüfungen, als jeden Morgen mit einem A6 3.0 TDI (70 000 Euro) zur Arbeit zu kommen.

74. Auflage der 24 Stunden soll im Zeichen der Ringe stehen

Auch Audi-Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn findet Diesel super und drückt seiner Mannschaft beim Langstrecken-Klassiker an der Sarthe die Daumen. "Das Le-Mans-Projekt wird unseren Technikern helfen, noch mehr aus der TDI-Technologie zu holen." Jedes zweite Auto aus Ingolstadt werde schon heute mit TDI-Motor ausgeliefert. Winterkorn: "Wir haben jetzt die einmalige Chance, uns in die Geschichtsbücher des Motorsports und der Diesel-Technologie einzutragen."

Die sechs Fahrer Frank Biela (Neuss), Rinaldo Capello (Italien), Le-Mans-Rekordgewinner Tom Kristensen (Dänemark), Emanuele Pirro (Italien), Allan Mcnish (Schottland) und Marco Werner (Ermatingen) sollen dafür sorgen, dass auch die 74. Auflage ganz im Zeichen der Ringe steht. Fünfmal hat Audi mit dem Vorgängermodell R8 in Le Mans gewonnen, "König Kristensen" bringt es sogar auf sieben Siege - damit hat er sich bereits im Guinnessbuch der Rekorde verewigt.

Audi-Piloten gehen kein Risiko ein

"Major Tom" hat noch nicht genug und plant den achten Streich. "Le Mans ist jedes Jahr eine neue Herausforderung. Ich habe größten Respekt vor diesem Rennen", sagt Kristensen. Mit dem neuen R10 TDI sei Le Mans in diesem Jahr noch einzigartiger. "Das Diesel-Projekt ist völlig neu, wir alle haben etwas Flugzeuge im Bauch. Es hat ja noch niemand etwas Vergleichbares probiert. Unsere Techniker haben hart und großartig gearbeitet", meint der Däne.

Nach dem verregneten ersten Qualifying stehen die beiden Audi vorerst in der zweiten Startreihe. Da für das Abschlusstraining am Donnerstag (bis 24.00 Uhr) besseres Wetter vorhergesagt war, gingen die Audi-Piloten kein Risiko ein, zumal beide R10 TDI bereits mit den Rennmotoren ausgerüstet waren. Auf Rang drei fuhr das Trio Capello/Kristensen/Mcnish in 4:17,189 Minuten. Die Teamkollegen Biela/Pirro/Werner belegten in 4:17,676 Position vier. Bestzeit fuhren Minassian/Collard/Comas im Pescarolo-Judd (4:13,832) vor ihren Teamkollegen Helary/Montagny/Loeb (4:14,447).

30 000 Testkilometer und 1 500 Stunden

Nach insgesamt 30 000 Testkilometern und rund 1 500 Stunden auf den Motorprüfständen fiebert Audi dem Ernstfall entgegen. Mehr als 200 000 Zuschauer werden zu dem Spektakel erwartet, das am Samstag wegen der Fußball-WM erst eine Stunde später als gewohnt um 17 Uhr gestartet wird. Rekordgewinner ist Porsche; die Sportwagenschmiede aus Stuttgart-Zuffenhausen brachte es auf 16 Gesamtsiege beim berühmtesten Langstreckenrennen der Welt, das erstmals 1923 ausgetragen wurde.

Die Le-Mans-Generalprobe mit dem R10 TDI war bereits ein voller Erfolg. Das Fahrer-Trio Capello/Kristensen/Mcnish gewann im März die zwölf Stunden von Sebring/Florida und sorgte für den ersten Sieg eines Diesel-Sportwagens bei einem Langstreckenrennen.

Für Audi-Sportchef Ullrich ist Le Mans so, als würde eine ganze Formel-1-Saison an einem einzigen Tag stattfinden. "Wer da gewinnt, hat wirklich was erreicht. Das ist von der Werbewirksamkeit für die Marke Audi extrem hoch", erzählt Ullrich. Die ganzseitigen Anzeigen, die Audi im Erfolgsfall in renommierten Zeitungen rund um den Globus schalten lässt, sind schon entworfen, sagt der Sportchef. Jetzt muss nur noch ein Diesel gewinnen, dann wäre der Super-Coup perfekt.

© SID

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