Motorsport
Auch Toyota steigt aus der Formel 1 aus

Der Aderlass in der Königsklasse des Autorennsports geht weiter: Auch Toyota kehrt der Formel 1 den Rücken. Der Rückzug werde mit dem Ablauf der Saison 2009 erfolgen, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Tokio mit. Japans Branchenprimus, der im zweiten Jahr in Folge rote Zahlen erwartet, führte Kostengründe für den Schritt an. Die Entscheidung hat weitreichende Folgen – vor allem für die Formel-1-Fabrik Toyotas in Köln-Marsdorf.
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fmk/HB TOKIO. "Angesichts der auf absehbare Zeit geänderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen können auch die kurz- und mittelfristigen Motorsportakivitäten von Toyota nicht ausgenommen werden, wenn es gilt, limitierte Budgets zu verteilen", hieß es in der Mitteilung. Präsident Akio Toyoda sagte später auf einer Pressekonferenz in Tokio mit Blick auf die gesamtwirtschaftliche Situation: „Wir haben realisiert, dass wir keine andere Wahl haben. Es war eine sehr schmerzvolle Entscheidung für den Konzern.“

Betroffen sind von der Entscheidung der Konzernführung geschätzte 650 Mitarbeiter in der Formel-1-Fabrik Toyotas in Köln-Marsdorf. Ihr droht nun die Abwicklung. „Wir planen, unser Bestes zu tun, um eine Lösung für die Betroffenen zu finden“, sagte Toyota. Das Unternehmen entschuldige sich für die Unannehmlichkeiten. „Wir drücken unseren Rennfahrern und den Mitarbeitern der Toyota Motorsport GmbH unsere herzliche Dankbarkeit aus. Sie haben geholfen, die Leistungen des Teams möglich zu machen.“

Der japanische Autohersteller legt am Donnerstag Halbjahreszahlen vor. Analysten erwarten erneut ein sehr schlechtes Abschneiden, während die Rivalen Honda und Nissan ihre Ergebnisse zuletzt wieder verbessern konnten. Die Formel 1 habe Toyota jährlich etwa 50 Mrd. Yen (370 Mio. Euro) gekostet, schätzt Autoanalyst Koji Endo von Advanced Research Japan. „Doch mehr noch als der Spareffekt steht der Rückzug symbolisch dafür, dass sich Toyota wieder mehr aufs Kerngeschäft konzentriert“, sagte Endo.

Die japanischen Wettbewerber haben ihr Fett in der Krise schnell herunter bekommen, urteilte die Branche – Honda hatte schon zu Beginn der Absatzflaute kurzerhand sein Engagement in der Formel 1 hingeschmissen. Am Montag zog der japanische Reifenhersteller Bridgestone nach. Mit dem Team Toyota-Panasonic verlässt der letzte japanische Teilnehmer die Königsklasse des Autosports. Bereits im Juli hatte die zu Toyota gehörende Fuji International Speedway Co. das Formel-1-Rennen auf ihrer Hausstrecke im japanischen Fuji für 2010 abgesagt. Das Rennen wird wieder in Suzuka gefahren. Auch BMW hatte im Juli seinen Rückzug zum Saisonende angekündigt. Nach dem Abschied von Honda gab es immer wieder auch Spekulationen um einen Formel-1-Ausstieg des Toyota-Teams.

Der neue Chef des japanischen Marktführers, Akio Toyoda, fährt selbst Rennen und hätte allem Anschein nach auch lieber an der Formel 1 festgehalten. Doch die harten Fakten ließen sich nicht länger ignorieren: Toyota war 2002 in die Formel 1 eingestiegen, mit dem Ziel irgendwann um den WM-Titel kämpfen zu können. Doch über Platz vier in der Konstrukteurswertung (2005) kam das Team nicht hinaus. Bei 139 Renn-Teilnahmen kam das Team nur auf 13 Podiumsplatzierungen – eine schwache Bilanz für die teure Veranstaltung. In dieser Saison schaffte Glock Rang zwei in Singapur, dieselbe Platzierung fuhr Jarno Trulli in Japan ein. Alles zu wenig. Der erhoffte Imagegewinn dürfte sich also in Grenzen gehalten haben. Bereits vor einigen Wochen hatte Toyota auf die Vertragsverlängerung mit seinem deutschen Fahrer Timo Glock (Wersau) verzichtet, der das Cockpit 2008 von Ralf Schumacher übernommender hatte. Der Hesse steht vor einem Wechsel zu Renault. Eigentlich hatten sich die Japaner erst im vergangenen Sommer verpflichtet, bis zum Jahr 2012 in der Formel 1 mitzufahren.

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