Motorsport
Die Formel 1 kriegt die Kurve

Die Saison 2009 kann beginnen: Die Regel-Revolution wird verschoben, die Finanzierung der Teams ist gesichert. Doch die Formel 1 steht vor dem wohl schwierigsten Jahr ihrer Geschichte.

LONDON/KÖLN. Der Streit hinter den Kulissen gehört zur Formel 1 wie der Benzingeruch und die Boxenluder. Die neue Saison macht da keine Ausnahme: Schon eine Woche vor dem Auftaktrennen im australischen Melbourne prallten die Egos aufeinander. Ein heftiger Streit um neue Regeln endete mit einem Etappensieg für die Teams: Die vom Altherren-Duo Max Mosley und Bernie Ecclestone ausgeheckte "Revolution" wird um ein Jahr verschoben.

Alles beim Alten also in der Rennserie? Nicht ganz. Die Formel 1 steht vor dem wohl schwierigsten Jahr ihrer Geschichte. Sponsoren ziehen sich zurück, die Teams müssen sparen und das Zuschauerinteresse lässt zu wünschen übrig. Der Schock, den der Rückzug des Autokonzerns Honda im Dezember ausgelöst hat, wirkt fort. Doch hoffnungslos ist die Lage keineswegs, wie eine Untersuchung des Wirtschaftsinformationsdienstes D&B zeigt, die dem Handelsblatt vorliegt. Fast alle Teams sind danach solide finanziert, allenfalls ein Ausfall droht.

"Bis auf den Rennstall Force India besteht bei keinem Team die Gefahr, dass es in dieser Saison aufgeben muss", sagt D&B-Sprecher Christian Noack. "Es scheint, als könnte die Formel 1 mit dem Sport auf der Rennstrecke für Schlagzeilen sorgen - statt mit Zahlungsschwierigkeiten." Bei Force India hänge die Zahlungsfähigkeit allein von dem indischen Geschäftsmann Vijay Mallya ab. "Wer mit dem Team Geschäfte macht, sollte sich darauf einstellen, dass er mindestens drei Monate auf sein Geld warten muss - und deshalb vielleicht besser auf Vorkasse bestehen", warnt Noack. Force India bekommt im F1-Index von D&B nur einen Punkt - das bedeutet drohende Zahlungsunfähigkeit.

Auch andere Rennställe verzögern ihre Zahlungen - doch das ist angesichts der aktuellen Wirtschaftslage nicht ungewöhnlich. Sie versuchen, so lange wie möglich liquide Mittel zu halten. Das bei Köln beheimatete Toyota-Team ist in der Rangliste von D&B mit 99 Punkten der finanziell solideste Rennstall, knapp vor dem Schweizer BMW-Sauber-Team. Am unteren Ende der Skala der finanzkräftigen Rennställe liegt das ehemalige Honda Racing Team, das Anfang März vom Management um Teamchef Ross Brawn übernommen wurde und als Brawn GP in die neue Saison geht.

Dank der Rettung des einstigen Honda-Teams, das bereits mit schnellen Zeiten in den Testläufen vor Saisonbeginn aufhorchen ließ, werden doch noch zehn Rennställe in Melbourne an den Start gehen. Das ist nur einer weniger als vor einem Jahr. Sie haben vereinbart, insgesamt eine Mrd. Euro weniger auszugeben als bisher - das entspricht Einsparungen von 30 Prozent. Das dürfte machbar sein, ohne dass der Zuschauer viel davon merkt.

Doch das ist erst der Anfang des neuen Sparkurses. Die im vergangenen Jahr gegründete Vereinigung der Rennställe Fota hat eine Halbierung der Etats bis Ende 2010 vorgeschlagen. Selbst das geht Formel-1-Chef Bernie Ecclestone und dem Präsidenten des Motorsport-Weltverbandes Fia, Max Mosley, noch längst nicht weit genug. Die beiden grauen Eminenzen der Formel 1 wollen das Budget zum Start der Saison 2010 je Team radikal auf 30 oder 40 Mio. Pfund (rund 33 oder 44 Mio. Euro) begrenzen. Das soll auf freiwilliger Basis geschehen - allerdings sollen die Teams, die sich der Obergrenze unterwerfen, technische Vorteile bekommen.

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