Motorsport DTM
Audi-Ass Scheider rechnet weiter mit Mercedes

DTM-Champion Timo Scheider hat Kontrahent Mercedes trotz des schwachen Saisonstarts noch auf der Rechnung: "Die Jungs aus Stuttgart werden ab sofort doppelt so hart kämpfen."

Im SID-Interview spricht DTM-Champion Timo Scheider über den starken Saisonstart von Audi, den Fehlstart von Mercedes und die schärfsten Konkurrenten im Kampf um den erneuten Titelgewinn.

SID: "Ein Vierfach-Erfolg zum Auftakt in Hockenheim - besser hätte die neue DTM-Saison für Audi nicht beginnen können, oder?"

Timo Scheider: "Das war natürlich ein absoluter Traumstart. Und es war ein schöner Lohn für die ganze Mannschaft, die im Winter hart gearbeitet hat, um so aussortiert nach Hockenheim zu kommen. Das ist natürlich erstmal nur eine Momentaufnahme. Aber aus dem Vorjahr, in das wir ebenfalls mit einem Dreifachsieg gestartet sind, wissen wir auch ganz genau, wie viel Rückenwind so ein Erfolg geben kann."

SID: "Audi scheint noch stärker als in den vergangenen beiden Jahren. Wird der Titelkampf zum internen Werksduell?"

Scheider: "Ich bin ziemlich sicher, dass wir schon bald ein anderes Bild erleben werden. Mercedes hat einen schlechten Start gehabt - das ist so, als wären sie morgens mit dem falschen Fuß aufgestanden. Aber wenn wir in den vergangenen Jahren eines gelernt haben, dann ist es, dass die Jungs aus Stuttgart sich so etwas nicht gefallen lassen und ab sofort doppelt so hart kämpfen, um wieder vorn zu stehen. Unser Job ist es, diesen Gegenangriff so gut wie möglich abzuwehren."

SID: "Sie haben mit dem zweiten Platz den Grundstein für eine gute Saison gelegt. Wen von Ihren Audi-Teamkollegen fürchten Sie im Titelrennen am meisten?"

Scheider: "Mit wem soll ich da anfangen? Mattias Ekström hat zwei DTM-Titel gewonnen, Tom Kristensen den Auftakt in Hockenheim und achtmal in Le Mans, Martin Tomczyk in der DTM genau so oft wie ich - da kann man sich also einen aussuchen. Die Jungs sind alle gut. Und die Fahrer auf den Vorjahres-Autos sind auch alle heiß. Jeder von ihnen will in ein neues Auto aufsteigen."

SID: "Sie starten erstmals als Titelverteidiger in eine Saison, was ist dadurch anders geworden?"

Scheider: "Ich habe meine Lieblingszahl, die Startnummer eins, auf dem Auto. Das ist ein tolles Gefühl. Natürlich ist seit dem Titelgewinn die Aufmerksamkeit gestiegen: Ich werde öfter angesprochen, habe viele Termine und bin so etwas wie ein Orientierungspunkt im Starterfeld. Leider gibt es keinen Champions-Bonus - ich fange wie alle anderen Piloten mit null Punkten an."

SID: "Tom Kristensen fährt seine letzte DTM-Saison. Da wäre der Titelgewinn doch ein perfekter Abschluss ..."

Scheider: "Toms Entscheidung, seinen Rückzug aus der DTM zu so einem frühen Zeitpunkt zu verkünden, verdient höchsten Respekt. Er hat in der DTM mehr Siege als ich auf dem Konto, und wenn er nicht ab und zu großes Pech gehabt hätte, dann wäre er schon längst ein Titelkandidat gewesen. Jetzt führt er die Tabelle an und ist damit ab sofort der Mann, den es zu schlagen gilt. Und das ist alles andere als leicht."

SID: "Wenn Sie in diesem Jahr Ihren DTM-Titel erfolgreich verteidigen, hätten Sie im Tourenwagen doch alles erreicht. Was reizt Sie noch im Motorsport? Was ist mit Rallye-Autos, was ist mit Le Mans?"

Scheider: "Mein großes Ziel ist es, den Titel erfolgreich zu verteidigen. Es wäre dann für Audi der dritte in Folge und damit ein DTM-Rekord. Das ist eine gigantische Herausforderung für die ganze Audi-Mannschaft. Dass die 24 Stunden von Le Mans in einem Sportwagen wie dem Audi R15 TDI ein Traum für mich wären, gebe ich gerne zu."

SID: "Sie sind der amtierende Meister, doch alles redet von Ralf Schumacher. Stört Sie das?"

Scheider: "Überhaupt nicht. Dass er mit dabei ist und dieses Jahr sogar in einem neuen Auto startet, ist für die Fans und die ganze DTM eine tolle Sache. Ich verstehe mich sehr gut mit Ralf und finde, er macht seine Sache anständig. Dass er sich als erfolgreicher Formel-1-Pilot noch schwer tut, zeigt auch das hohe Niveau in der DTM und die enorme Leistungsdichte in dieser Meisterschaft."

SID: "Sie haben mal gesagt, dass Ayrton Senna Ihr großes Vorbild ist. Was bewundern Sie an dem legendären Brasilianer am meisten?"

Scheider: "Neben seinem großen Talent hatte Ayrton Senna auch den unbegrenzten Willen zum Erfolg. Diese enorme Fokussiertheit finde ich beeindruckend."

SID: "In der Formel 1 müssen die Stars wegen der Finanzkrise Abstriche beim Gehalt machen. Wie sieht das bei Ihnen in der DTM aus?"

Scheider: "Die Gehälter von uns DTM-Piloten bewegen sich in weitaus anderen Regionen als die der Formel-1-Fahrer und sind deshalb bei weitem nicht so ein elementarer Faktor wie in dieser Szene. Ich habe wie meine Teamkollegen das große Glück, mit Audi einen Arbeitgeber zu haben, der dank seiner hohen Qualität, seiner spannenden Fahrzeuge, des großen Innovationsgeistes und seiner guten strategischen Führung besser im Markt steht als einige Mitbewerber. Trotzdem ist es klar, dass wir alle einen Beitrag dazu leisten, um in der momentanen Situation zu bestehen."

SID: "Was ist für Sie ein rundum perfekter Tag?" Scheider: "Sonntagabend mit einem DTM-Siegerpokal nach Hause kommen und das Strahlen im Gesicht meines Sohnes sehen."

© SID

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