Motorsport DTM
Aufrecht: "Fahrer sind das entscheidende Thema"

Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst SID spricht DTM-Chef Hans Werner Aufrecht über das Produkt DTM, die Zukunftspläne der Rennserie und die aktuelle Saison.

Hans Werner Aufrecht, Chef der DTM, redet im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst SID über "seine" Serie, die Pläne für die Zukunft und die Favoriten der laufenden Saison.

SID: "Wie fällt Ihre Auftaktbilanz nach den ersten beiden Läufen der DTM-Saison 2009 aus? Sind Sie mit dem Produkt DTM zufrieden?"

Hans Werner Aufrecht: "Wir haben zwei spannende Rennen gesehen, mit einem Sieg für Audi und einem für Mercedes. Das Reglement passt und funktioniert, von daher bin ich sehr zufrieden."

SID: "Nach zwei dominanten Audi-Jahren galt diesmal eigentlich Mercedes als Favorit. Doch wieder führen die Ingolstädter die Meisterschaft an. Ihr Urteil dazu?"

Aufrecht: "Also ganz ehrlich: Das hat mich wirklich überrascht, damit habe ich nicht gerechnet. Man muss aber auch sagen, dass das Mercedes-Team beim Auftakt in Hockenheim nicht gut sortiert war."

SID: "Glauben Sie, dass es in den nächsten Wochen eng zugehen wird?"

Aufrecht: "Wir dürfen uns auf spannende Rennen freuen. Favorit ist für mich Titelverteidiger Timo Scheider, der ja auch wieder in der Meisterschaft vorne liegt. Auch sein Audi-Teamkollege Mattias Ekström wird ein großes Wort mitsprechen. Bei Mercedes machen im Moment Bruno Spengler und Paul Di Resta den stärksten Eindruck."

SID: "Was sagen Sie zu Ralf Schumacher, der sich auch in einem aktuellen Mercedes sehr schwer tut?"

Aufrecht: "Man sollte ihn nicht gleich abschreiben. Wenn alles stimmt, dann kann er am Wochenende auf dem Norisring sicher vorne mitfahren. Ich traue ihm in diesem Jahr sogar noch einen Sieg zu, und das aus eigener Kraft."

SID: "Wie wichtig ist ein so bekannter Fahrer wie Ralf Schumacher für die DTM?"

Aufrecht: "Die Fahrer sind das entscheidende Thema für die DTM. Wir brauchen Fahrer, die in der Öffentlickeit bekannt sind, und da bin ich sehr froh, dass wir Ralf Schumacher haben."

SID: "Seit Jahren suchen Sie einen dritten Hersteller für die DTM. Wie sieht es aus für die kommende Saison?"

Aufrecht: "Für mich ist es von entscheidender Bedeutung, dass wir das neue Reglement verabschiedet bekommen. Nur dann macht es für einen Hersteller Sinn, in die Serie einzusteigen. Ich glaube, dass die Hürde, so wie sie jetzt in der DTM steht, vom technischen Know-how zu hoch ist."

SID: "Was sind denn die wichtigsten Regeln für die DTM der Zukunft?"

Aufrecht: "Wir müssen zuerst weiter die Kosten reduzieren, ohne dem Fan damit den Spaß zu nehmen. Das heißt, der Speed muss stimmen, das Geräusch ebenfalls, es muss halt nur preisgünstiger sein."

SID: "Wo wollen Sie beim Reduzieren der Kosten ansetzen?"

Aufrecht: "Die Laufleistung der Motoren. Wir hatten bisher drei Motoren für zwei Autos, besser wäre einer pro Auto. Gleiches gilt für die Getriebe, aber auch die Karosserieteile."

SID: "Audi und Mercedes betonen immer wieder, wie kostengünstig die DTM jetzt schon ist ...

Aufrecht: "Das ist sicher richtig. Es wird ja viel spekuliert, aber ich schätze, dass beide Hersteller mit einem Budget von je 30 bis 40 Mill. Euro pro Saison auskommen. Und der Gegenwert kann sich sehen lassen. Wenn man sieht, dass wir mit der TV-Quote rund ein Drittel der Formel 1 erreichen - und die Budgets der Formel 1 kennt man ja - dann weiß man, wie preisgünstig wir heute bereits sind. Wenn wir zehn Mill. Euro sparen können, ist das für das Überleben der DTM sehr wichtig."

SID: "Spürt die DTM auch die Folgen der Wirtschaftskrise?"

Aufrecht: "Natürlich spüren auch wir das sehr deutlich. Wir haben leichte Zuschauerrückgänge, denn die Fans haben in diesen Zeiten weniger Geld."

SID: "Haben Sie Angst, dass Audi oder Mercedes aus finanziellen Gründen aussteigen könnten?"

Aufrecht: "Daran glaube ich nicht. Zumindest von den Signalen, die ich empfange, bin ich sicher, dass die beiden Hersteller ihre Verantwortung gegenüber der Serie erkennen und auch dazu stehen."

SID: "Beide Hersteller haben sich bis zum Saisonende 2009 zur DTM bekannt. Wie geht es weiter, wie langfristig können Sie überhaupt planen?"

Aufrecht: "Das ist richtig, wir denken immer in zwei, drei Jahresabschnitten. Das heißt: Ich gehe davon aus, dass Audi und Mercedes in Kürze verlängern für 2010 und 2011. Die Gespräche laufen, und ich bin guter Dinge."

SID: "Die DTM will 2010 in Shanghai fahren. Was ist da dran?"

Aufrecht: "Wir haben ein Angebot aus China, das wird derzeit geprüft. Wenn wir dort fahren, wird es kein Einladungsrennen, sondern ein richtiger Wertungslauf sein."

SID: "Was sagen Sie als DTM-Boss zum Formel-1-Machtkampf? Mit wem sympathisieren Sie?"

Aufrecht: "Die Hersteller haben absolut recht, wenn Sie in der Formel 1 demokratisch mitbestimmen wollen. Das muss den Teams jetzt eingeräumt werden, und ich denke, die FIA wird sich diesem Druck beugen müssen."

SID: "Wäre so eine Revolte auch in der DTM vorstellbar?"

Aufrecht: "Nein, unmöglich, weil die Hersteller bei uns bereits in alle Entscheidungsprozesse eingebunden sind."

© SID

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