Motorsport DTM
Aufrecht: "Wir brauchen große ausländische Namen"

DTM-Boss Hans Werner Aufrecht setzt nach dem Saisonabschluss für das nächste Jahr auf neue Superstars wie David Coulthard oder Giancarlo Fisichella in den Tourenwagen-Cockpits.

Das große Saisonfinale der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft mit dem Titel-Hattrick für Audi am Sonntag auf dem Hockenheimring war für DTM-Boss Hans Werner Aufrecht auch persönlich ein besonderes Ereignis. Es war das 333. Rennen, das Aufrecht als 1.Vorsitzender im Vorstand der DTM-Dachorganisation ITR erlebte. Im Interview mit dem Sport-Informations-Dients (SID) zieht er sein persönliches Saison-Fazit und spricht über die Zukunftsaussichten der Tourenwagen-Serie.

SID: "Spannung bis zum letzten Rennen, strahlende Sieger und enttäuschte Verlierer. Wie fällt Ihre persönliche DTM-Bilanz aus?"

Hans Werner Aufrecht: "Es war ein sehr gutes Jahr für die DTM. Angesichts der Wirtschaftskrise haben wir uns toll geschlagen. Wir haben nur einen kleinen Zuschauerrückgang verkraften müssen. Was den Sport betrifft, haben die Fans erstklassige Rennen gesehen. Als ich aus Dijon abgereist bin, habe ich mir gesagt: Ist es möglich, dass man so spannende Rennen tatsächlich inszenieren kann? Aber es ist wirklich so passiert."

SID: "Obwohl vor allem für Mercedes nach zwei Niederlagen gegen Audi viel auf dem Spiel gestanden hat, ist es zwischen den beiden Rivalen zumeist sehr fair zugegangen. Hat Sie das überrascht?"

Aufrecht: "Was die beiden Hersteller in dieser Saison gezeigt haben, zeugt von Größe, Stil und Fairness. Sicher gibt es im Sport hin und wieder verschiedene Meinungen, aber unter dem Strich haben Audi und Mercedes großartigen Sport gezeigt."

SID: "Audi hat als erster Hersteller den Titel-Hattrick in der DTM geschafft. Haben Sie das Team von Sportchef Wolfgang Ullrich so stark eingeschätzt?"

Aufrecht: "Man kann die Leistung von Audi nicht hoch genug bewerten. Wir als Serienbetreiber haben schließlich versucht, zusammen mit dem Deutschen Motor Sport Bund ein Reglement zu gestalten, das tatsächlich Ausgeglichenheit gewährleistet. Da kommt es wirklich auf den Punkt an, ob man das umsetzen kann. Und Audi ist das gelungen. Da kann man nur sagen: Hut ab."

SID: "Ralf Schumacher durfte in diesem Jahr zwar einen neuen Mercedes fahren, ein Siegkandidat war er deshalb aber noch immer nicht. Was sagen Sie zu seiner Leistung?"

Aufrecht: "Bei Ralf Schumacher war ein deutlicher Aufwärtstrend erkennbar, das hat mich für ihn gefreut. Was für uns allerdings viel wichtiger ist: Er ist ein absoluter Publikumslieblung und Zuschauermagnet, den wir schätzen und brauchen."

SID: "Wird Schumacher auch 2010 in der DTM starten?"

Aufrecht: "Wenn es nach mir geht: ganz klar ein Ja."

SID: "Die Finanzkrise macht auch dem Motorsport schwer zu schaffen. Gibt es für die DTM noch weitere Sparpläne?"

Aufrecht: "Wir versuchen ja schon lange, Geld zu sparen, nicht erst seit der Wirtschaftskrise. Denn wir alle wollen, dass die DTM so effektiv und effizient wie möglich ist. Und jetzt haben wir ein weiteres Zeichen gesetzt und das technische Reglement für das Jahr 2010 eingefroren. Wenn man sieht, auf was für einem hohen Niveau unsere Autos fahren, muss man sagen: Es war richtig, jetzt kein weiteres Geld in die Entwicklung zu stecken."

SID: "Mercedes-Sportchef Norbert Haug hat gesagt, dass es 2010 keinen weiteren Hersteller geben wird. Hat er damit recht?"

Aufrecht: "Ich bin auch der Meinung, dass in der nächsten Saison kein neuer Hersteller kommt."

SID: "Es gibt Gerüchte, dass der frühere Formel-1-Pilot Michael Bartels mit seinem Maserati-Team ein Thema für die DTM sein könnte. Was ist das dran?"

Aufrecht: "Da läuft nichts, definitiv. Maserati wird 2010 nicht in der DTM fahren. Das soll aber nicht ausschließen, dass in anderen Bereichen etwas läuft."

SID: "2011 könnte BMW in die DTM einsteigen. Wie sieht es da aus?"

Aufrecht: "Erst einmal müssen wir die Voraussetzungen dafür schaffen, das heißt, dass das neue Reglement für 2011 zum Tragen kommt. Ich gehe jedenfalls davon aus, dass es noch in diesem Jahr verabschiedet wird. Und das ist für mögliche neue Hersteller ein ganz entscheidendes Signal, sich darüber Gedanken zu machen, auf dieser Plattform mitzuspielen."

SID: "Die vergangenen Jahre haben aber auch gezeigt, dass man mit nur zwei Herstellern ein gute Show bieten kann ..."

Aufrecht: "Klar, warum auch nicht? Man braucht da nur mal nach Australien oder in die USA zu schauen. In Australien läuft seit mehr als 30 Jahren eine Rennserie mit einem Riesenerfolg in diesem Land, mit Holden und Ford, und in Amerika ist die Nascar-Serie im Prinzip ebenfalls mit nur zwei Herstellern seit 50 Jahren ein Renner. Warum also soll das nicht auch in Deutschland gelingen?"

SID: "Noch wichtiger als die Hersteller sind die Fahrer. Haben Sie schon neue Stars im Auge?"

Aufrecht: "Wir haben auch dank Ralf Schumacher großen Erfolg in Deutschland, aber wir schwächeln etwas im Ausland. Deshalb brauchen wir auch große ausländische Namen. Und wenn ich da an England denke, da will ich Mercedes und Norbert Haug den Tipp geben, mal mit einem David Coulthard zu sprechen. Für die Südeuropäer fällt mir Giancarlo Fisichella ein, der fährt jetzt sein letztes Jahr als Stammpilot für Ferrari in der Formel 1. Auch das ist jemand, den wir gut gebrauchen könnten. Wir dürfen allerdings den Nachwuchs nicht vergessen. Aber wie sollen sich diese jungen Leute profilieren, wenn wir keine Stars haben. Wir brauchen die Schumachers und Coulthards, damit sich unsere Nachwuchsrennfahrer an ihnen orientieren können. Diese Mischung macht letztlich die Musik."

© SID

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