Motorsport DTM
Frentzen zieht Schlussstrich unter DTM-Zeit

Audi-Pilot Heinz-Harald Frentzen hat einen Schlussstrich unter seine DTM-Zeit gezogen. Nach reiflichen Überlegungen wird der frühere Formel-1-Pilot seinen Ende des Jahres auslaufenden Vertrag bei Audi nicht verlängern.

Heinz-Harald Frentzen und sein Arbeitgeber, der Ingolstädter Automobilkonzern Audi, gehen in Zukunft getrennte Wege. Am Montagnachmittag teilten der frühere Formel-1-Pilot und Audi jeweils mit, dass sie ihre Zusammenarbeit nach nur einem Jahr nicht fortsetzen werden.

Nachdem am Montagmorgen nach Frentzens erneuten heftigen Vorwürfen gegen sein Team beim Saisonfinale der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft in Hockenheim die Zukunft des 39-Jährigen bereits Gegenstand einer Audi-Vorstandssitzung war, erklärte "HHF" am Nachmittag, dass er seinen Vertrag nicht verlängern wird. Damit dürfte er seinem endgültigen Rauswurf knapp zuvorgekommen sein.

"Es ist schade, dass die Zusammenarbeit nach nur einer Saison auf diese Art und Weise endet. Wir sehen jedoch keine andere Möglichkeit. Die Zusammenarbeit mit Heinz-Harald Frentzen war nicht immer einfach", sagte Audis Motorsport-Pressechef Jürgen Pippig dem Sport-Informations-Dienst (sid). Laut der Audi-Pressemitteilung hatte es "keine Basis für eine Erfolg versprechende weitere Zusammenarbeit" gegeben.

Soll kein Ende der Rennkarriere sein

"Nach reiflicher Überlegung bin ich zu dem Entschluss gekommen, meinen Ende dieses Jahres auslaufenden Vertrag mit Audi in der DTM nicht mehr zu verlängern. Die Widerstände, die ich im Laufe des Jahres verspürt habe, sind zu groß, als dass ein weiteres Engagement bei Audi noch Sinn machen würde", teilte Frentzen dem sid per Fax mit. Das Ende seiner Rennkarriere soll das aber nicht sein, erklärte Frentzen. Angeblich liebäugelt er mit einem Wechsel in die Nascar-Serie.

"Leider ist es Heinz-Harald auch bei Audi nicht gelungen, ein DTM-Rennen zu gewinnen", sagte Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich: "Audi Sport und die Einsatz-Mannschaft des Audi Sport Team Abt Sportsline haben sich mit voller Kraft dafür eingesetzt, dass Heinz-Harald gute Leistungen zeigen konnte."

Genau diese Unterstützung hatte Frentzen aber am Sonntag in einem ARD-Interview zum wiederholten Mal öffentlich in Frage gestellt. Danach war er vorzeitig abgereist und hatte nicht mehr an der offiziellen Saison-Abschlussgala teilgenommen. Zudem war er am Sonntagabend und am Montagvormittag für Ullrich nicht zu erreichen.

"Es brodelt in mir"

Nach dem DTM-Rennen am Sonntag, bei dem der Formel-1-Vizeweltmeister von 1997 und WM-Dritte von 1999 nach seiner ersten Pole Position nach hinten durchgereicht und in der Schlussphase von seinem Teamkollegen Mattias Ekström (Schweden) "abgeschossen" worden war, hatte Ullrich noch mit Frentzen und Ekström über das Missverständnis zwischen den beiden gesprochen. Danach stellte sich Frentzen nur noch einmal zum ARD-Interview, in dem er "Konsequenzen" ankündigte, ohne jedoch da schon von sich aus direkt seinen Abschied zu erklären: "Dazu will ich jetzt nichts sagen, aber es brodelt in mir."

Zuvor hatte sich der Mönchengladbacher über eine seiner Meinung nach im Vergleich zu seinen Teamkollegen schlechtere Behandlung und Rennstrategie beklagt: "Das zeigt, dass ich nicht besonders beliebt bin im Team. Das war schon die ganze Saison so." Ullrich wies Frentzens Kritik enttäuscht zurück: "Er hatte das gleiche Material wie seine Teamkollegen und die volle Unterstützung der ganzen Audi-Mannschaft in einer für uns alle schwierigen Saison. Wie wäre er sonst in Hockenheim auf den ersten Startplatz gefahren?"

Audi hatte Frentzen nach dem Ausstieg von Opel eine Chance geboten, seine "offene Rechnung" mit der DTM zu begleichen. Doch schon die Vertragsverhandlungen waren schwierig und zogen sich über mehrere Wochen hin. Beim Rennen in Brands Hatch Anfang Juli hatte Frentzen dann ein von seinen Mechanikern nach einem Trainingsunfall über Nacht wieder aufgebautes Auto im Rennen als "unfahrbar" vorzeitig in der Box abgestellt.

Nach dieser "Arbeitsverweigerung" und der kurz darauf in einem Interview öffentlich geäußerten Kritik war die Stimmung zwischen Frentzen und dem Team bereits äußerst angespannt. Der Gladbacher stand kurz vor dem Rauswurf, sprach sich aber noch einmal mit Ullrich aus. Wenige Tage später kündigte Frentzen dann aber am 16. August überraschend in einem Interview mit einem Online-Magazin von sich aus seinen Rücktritt an, ohne Audi davon informiert zu haben. Nachdem Ullrich ihn per Telefon in Monte Carlo erreicht hatte, wurde das Interview von Frentzen persönlich noch rechtzeitig vor der Veröffentlichung zurückgezogen.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%