Motorsport DTM
Haug: "Auch Audi kann den Titel noch gewinnen"

Mit dem Rennen in Brands Hatch geht die DTM-Saison am Wochenende allmählich in die entscheidende Phase. Der SID sprach mit den Chefs der beiden Konstrukteure Mercedes und Audi.

Vor dem 7. von elf Läufen der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft am Sonntag im englischen Brands Hatch (14.00 Uhr/live in der ARD) hat Mercedes-Pilot Bruno Spengler ein angenehmes Punktepolster vor seinen beiden Teamkollegen Gary Paffett und Paul di Resta, Mattias Ekström als bester Audi-Pilot liegt als Vierter sogar 16 Zähler zurück. Dennoch sei das Titeltrennen noch lange nicht entschieden, betonen die beiden Sportchefs Norbert Haug (Mercedes) und Wolfgang Ullrich (Audi) im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID).

SID: "Nach drei Jahren mit Titeln für Audi hat in dieser Saison Mercedes offenbar die Nase vorn: Fünf Siege in den ersten sechs Rennen. Woran liegt das?"

Norbert Haug: "In den letzten dreieinhalb Jahren gab es 37 DTM-Rennen. 23 davon hat Mercedes-Benz mit der C-Klasse gewonnen. Die Titelentscheidung nach Punkten war stets extrem knapp, die Siegesbilanz 23:14 für Mercedes fällt dagegen weit weniger knapp aus, wir gewannen in dreieinhalb Jahren über 60 Prozent aller Rennen. Und natürlich stellen fünf Siege in sechs Rennen eine erstklassige erste Saisonhälfte dar, mehr aber auch nicht."

Wolfgang Ullrich: "Wir hätten mehr Rennen gewinnen können, ja sogar müssen. Dass unser Audi A4 DTM die notwendige Performance hat, haben wir immer wieder gesehen. Aber 'wenn' und 'hätte' zählen im Motorsport nicht, sondern nur die Resultate. Es sind bei uns viel zu viele kleine Fehler passiert, die in der Summe dazu geführt haben, dass wir unsere Chancen einfach nicht genutzt haben. Auch die neue Reifengeneration hat ihren Teil dazu beigetragen. Sie hat uns in den letzten Monaten viele Rätsel aufgegeben und Überstunden beschert."

SID: "Können sich diese Kräfteverhältnisse in den restlichen Rennen wieder verschieben?"

Haug: "Durchaus. Wir denken von Rennen zu Rennen und wollen so viele wie möglich gewinnen. Seit Audi und Mercedes in der DTM antreten, hat Mercedes 101 Mal gewonnen, Audi holte 53 Siege. Aber natürlich kann Audi auch 2010 den Titel gewinnen - sie haben starke Autos, starke Fahrer und starke Teams."

Ullrich: "Wir arbeiten intensiv daran. Es müssen alle wieder zu jenem Null-Fehler-Job zurückfinden, wie er uns in diesem Jahr einen weiteren Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans ermöglicht hat. In der DTM muss einfach alles stimmen, wenn man gewinnen will. Da die Technik der Autos eingefroren ist, können wir auf diesem Sektor nichts tun. Entscheidend ist, das Potenzial der Reifen so gut wie möglich auszunutzen. Da liegt für mich im Augenblick ganz klar der Schlüssel zum Erfolg."

SID: "Wer kann Spitzenreiter Bruno Spengler den Titel noch streitig machen?"

Haug: "Immer noch fast eine Handvoll Fahrer. 50 Punkte für Siege sind zu vergeben. Neun Punkte Vorsprung auf den ersten Markenkollegen und 16 Punkte auf den bestplatzierten Audi sind eine Pufferzone, aber keine unüberwindbare Mauer. Bruno weiß das, er fühlt sich aber gleichzeitig wohl mit dem Gefühl, dass seine Verfolger gewinnen müssen, er aber gewinnen kann."

Ullrich: "Bruno hat mit Gary (Paffett, d.Red.) und Paul (Di Resta, d.Red.) zwei harte Gegner im eigenen Lager. Und wenn sich drei streiten, freut sich in diesem Fall vielleicht der Vierte. Der heißt im Augenblick Mattias Ekström, der mit 16 Punkten Rückstand noch immer in Schlagdistanz ist. Jeder weiß, wie stark Eki ist. Ein Sieg in Brands Hatch, und schon sieht die Welt wieder anders aus. Auch Timo Scheider sollte man noch nicht abschreiben. Ich denke, einer der fünf wird in diesem Jahr Meister."

SID: "Wann wird der geplante Einstieg von BMW perfekt gemacht und was würde diese Rückkehr für die Serie bedeuten?"

Haug: "Diese Frage müssen Sie bitte BMW stellen. Wir freuen uns über neue Konkurrenten. Das Interesse mehrerer Hersteller an der DTM zeigt, dass Mercedes und Audi absolut richtig lagen, so lange so unbeirrt an der DTM festzuhalten. Mit Erfolg: Wenn am Samstag und Sonntag bei RTL zusammengerechnet rund acht Mill. Zuschauer die Formel 1 live verfolgen, sind es bei der ARD über zwei Millionen, die die DTM live sehen - ein großartiger Wert, wenn die DTM regelmäßig über 20 Prozent der Formel-1-Live-Quoten erreicht."

Ullrich: "Wir können nicht für BMW sprechen. Aber klar ist, dass die Rückkehr von BMW der DTM einen zusätzlichen enormen Schub geben würde."

SID: "Kommen im Sog von BMW vielleicht noch weitere Hersteller in die DTM?"

Haug: "Abwarten. Von uns aus gerne, aber Klasse war in der DTM immer wichtiger als Masse. Und es gibt keinen Grund dieses Erfolgsrezept zu ändern."

Ullrich: "Es gibt viele Hersteller, die sich für die DTM interessieren und damit bestätigen, dass Audi, Mercedes-Benz, die ITR und der Dmsb in den vergangenen Jahren gute Arbeit geleistet und die Weichen eindeutig in die richtige Richtung gestellt haben."

SID: "Wann wird das neue technische Reglement für 2012 verabschiedet?"

Haug: "Das Reglement steht fest und Interessenten kennen es."

Ullrich: "Wir arbeiten seit vielen Monaten intensiv am neuen Reglement und haben vereinbart, es dann zu veröffentlichen, wenn alle wichtigen Eckdaten stehen. Das ist nun bald der Fall. Die Veröffentlichung ist aber Sache der ITR und des Dmsb und nicht die der Hersteller."

SID: "Was kann und muss die DTM noch tun, um ihre Fans noch mehr zu begeistern und an sich zu binden?"

Haug: "Es gibt immer neue Ideen in der DTM, der Zuschauer steht stets im Mittelpunkt - und er weiß und spürt das. Mercedes hat sich immer für den 'DTM-Kunden' Zuschauer eingesetzt, und Audi sieht das nicht anders."

Ullrich: "Die DTM hat sich schon immer dadurch ausgezeichnet, innovativ zu sein und neue Dinge auszuprobieren. Dazu zählt auch das Show-Rennen im Münchner Olympiastadion im nächsten Jahr. Das neue Reglement, das 2012 eingeführt wird, zielt zudem darauf ab, die Kosten zu reduzieren, die Sicherheit weiter zu erhöhen und den Sport noch attraktiver zu machen."

SID: "Ist es nicht schade für die deutschen Fans, das Finale in diesem Jahr nicht in Hockenheim zu erleben?"

Haug: "Das ist es, aber Hockenheim wird in diesem Jahr ein echter Knaller werden - 20 Prozent mehr Runden und viele Tribünenplätze mit 20 Prozent niedrigeren Preisen. Und - wer weiß - vielleicht wird die Meisterschaft ja wie schon so oft auch dieses Mal wieder in Hockenheim entschieden."

Ullrich: "Da schlagen zwei Seelen in meiner Brust - und ich bin sicher, dass es vielen innerhalb des DTM-Fahrerlagers genauso geht. Hockenheim war immer ein großartiger Schauplatz für das DTM-Finale. Wir haben dort tolle Rennen vor einem begeisterten Publikum erlebt. Audi hat dort dreimal in Folge den Titel gewonnen und fantastische Erinnerungen an die Emotionen. Auf der anderen Seite ist die Expansion nach China für die DTM sehr wichtig. China ist der Zukunftsmarkt für die Automobilhersteller. Die Chance, die sich der DTM in Shanghai bietet, wollten wir einfach nutzen, um die Serie langfristig zu sichern. Aufgrund der Verlängerung der Weltausstellung gab es in diesem Jahr keine Möglichkeit, das Rennen früher auszutragen. Ich hoffe, dass die deutschen Fans das verstehen, beim Deutschland-Finale in Hockenheim trotzdem wieder für eine tolle Atmosphäre sorgen werden und vor den Fernsehbildschirmen ein großartiges Finale in Shanghai erleben. Jeder in der DTM weiß, wie wichtig die starke deutsche Basis für die DTM ist. Niemand will die deutschen Fans verprellen - ganz im Gegenteil."

© SID

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