Motorsport DTM
Ralf Schumacher: "Es geht noch nicht um Siege"

Vor dem Start in die neue DTM-Saison richten sich alle Augen auf Neuling Ralf Schumacher. Doch der ehemalige Formel-1-Fahrer dämpft die hohen Erwartungen.

Ralf Schumacher steht vor dem Start der neuen DTM-Saison im Mittelpunkt des Interesses. Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) gibt sich der ehemalige Formel-1-Fahrer allerdings bescheiden und schraubt die Erwartungen an sein Debüt heruntern.

sid: "Wann ist in Ihnen der Gedanke gereift, DTM zu fahren?"

Ralf Schumacher: "Im November gab es ein Gespräch mit Mercedes-Sportchef Norbert Haug und das Angebot, einfach mal einen DTM-Test zu fahren. Danach haben wir gemeinsam entschieden, dass ich in der DTM an den Start gehe."

sid: "Gab es auch Kontakte zu Audi?

Schumacher: "Nein, ich bin zwar schon lange mit Hans-Jürgen und Christian Abt befreundet und vor Jahren in einer Formel-Nachwuchsserie auch schon mal für das Team Abt Sportsline gefahren. Aber die DTM war eigentlich nie ein Thema."

sid: "Ihr Bruder Michael hat Ihnen von einem Start in der DTM abgeraten. Was sagen Sie dazu?"

Schumacher: "Das sollte jeder für sich selbst entscheiden. Man muss das aber auch relativieren. Michael hat gemeint, dass wir sicher nicht gleich um die Meisterschaft fahren können. Aber diese Frage stellt sich auch gar nicht. Ich muss mich zuerst an das Metier gewöhnen und alles kennenlernen. In meinem ersten Lehrjahr geht es ganz einfach noch nicht um Siege."

sid: "Könnte Ihr Bruder mit guten Leistungen von Ihnen umgestimmt werden, ebenfalls in der DTM zu fahren?"

Schumacher: "Es wäre zwar sehr schön, aber ich kann es mir ehrlich gesagt nicht vorstellen."

sid: "Was können Sie von ihrer Markenkollegin Susie Stoddart lernen?"

Schumacher: "Zunächst einmal das Fahren in der DTM. Ich gehe davon aus, dass Sie das ein oder andere Mal vor mir steht. Damit habe ich aber kein Problem, ganz im Gegenteil. Susie macht einen tollen Job. Hut ab, sie kann das richtig gut. Aber generell muss ich sagen, das Verhältnis ist zu allen Kollegen gut, auch zu denen von Audi - und das, obwohl jeder jeden auf der Strecke schlagen will. Die Atmosphäre ist locker. Man hat einfach Spaß an dem, was man tut. Auf der Rennstrecke wird gnadenloser Motorsport geboten, und jeder will vor dem anderen sein. Aber trotzdem trinkt man nachher mal gemeinsam ein Bier oder macht ein paar Späße miteinander. Das zeichnet die DTM auch aus."

sid: "Hat Sie die DTM in der Vergangenheit überhaupt interessiert?"

Schumacher: "Ja sicher, denn es ist eine interessante und vor allem spannende Rennserie auf höchstem Niveau. Ich habe zuletzt im vergangenen Jahr das Rennen in Barcelona im Fernsehen verfolgt und vorher schon die Läufe in Hockenheim und am Norisring gesehen. Zudem kenne ich die DTM noch aus der Zeit, als ich als Formel-3-Fahrer im DTM-Rahmenprogramm gefahren bin."

sid: "Was können wir von Ihnen in dieser Saison erwarten?"

Schumacher: "Aufgrund der Erkenntnisse bei den Testfahrten sind meine Erwartungen eher gering. Ich bin inzwischen sehr realistisch und glaube nicht, dass ich gleich Bäume ausreißen werde. Aber ich würde nicht in der DTM fahren, wenn es mir keinen Spaß macht. Ich will mich kontinuierlich verbessern - wo immer das dann hinführt. Am Ende der Jahres wird man eine Standortbestimmung machen und sagen, okay, es macht Sinn weiterzufahren oder es zu lassen."

sid: "Sind Ihre mehr oder weniger erfolglosen ehemaligen Formel-1-Kollegen Jean Alesi, Mika Häkkinen und Heinz-Harald Frentzen nicht ein warnendes Beispiel für Sie?"

Schumacher: "Sie waren in einer anderen Ausgangsposition und sind deshalb auch einen anderen Weg gegangen, in dem sie gleich in einem aktuellen Auto saßen. Nach dem ersten DTM-Test hätte man mir ein 2008er Auto für die neue Saison schenken können - ich hätte es nicht angenommen. Ich habe selber festgestellt, dass die DTM eine große Herausforderung ist. Wenn die ersten Rennen nicht gut laufen, ist gleich der Druck da, und dem wollte ich mit der Entscheidung, einen Vorjahreswagen zu fahren, aus dem Weg gehen."

sid: "Worauf freuen Sie sich neben dem Fahren in der DTM?"

Schumacher: "Für mich ist das auch die Gelegenheit, etwas zurückzugeben. Mal wieder an die Rennstrecken zu kommen, auf denen ich groß geworden bin und dabei viele Leute von damals zu treffen. Das ist auch eine Chance für mich, das eine oder andere, das in den letzten Jahren sicherlich nicht ganz so perfekt war, wieder gerade zu rücken. Und den Fans entsprechend zur Verfügung zu stehen."

sid: "Können Sie den Unterschied zwischen der Formel 1 und der DTM für den Fan erklären?"

Schumacher: "Grundsätzlich gibt es eine ganz andere Preisstruktur. Der interessierte Zuschauer kann sich ein DTM-Ticket allemal leisten. Das ist ein großes Manko der Formel 1, die nicht an den Geldbeutel der Fans denkt. In der DTM hat man die Möglichkeit, ins Fahrerlager zu kommen und speziell auch seinen Kindern etwas zu bieten. Durch die Leistungsdichte der DTM bleibt alles eng und in wenigen Zehntelsekunden beieinander. Außerdem gibt es wie im Motorradsport viele spannende Überholmanöver."

sid: "Sehen wir Sie irgendwann vielleicht doch nochmal in der Formel 1?"

Schumacher: "Theoretisch besteht die Möglichkeit. Praktisch aber nur, wenn ich ein Auto habe, das wirklich in der Lage ist, um die Top-Plätze mitzufahren. Ansonsten werde ich mir das nicht mehr antun."

© SID

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