Motorsport DTM
"Schumi II" gibt in der DTM im Gebrauchtwagen Gas

Prominenter Neuzugang für die DTM. Ex-Formel-1-Fahrer Ralf Schumacher setzt seine Rennsport-Karriere in einem Mercedes fort. Der hat allerdings Türen und ein Dach.

Für die Formel 1 war er zu langsam, seine Karriere schien beendet, doch jetzt soll Ralf Schumacher bei Mercedes in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) für Sternstunden sorgen. Nachdem der 32-Jährige in den vergangenen Wochen bei DTM-Tests die Fahrprüfung bestanden hatte, erhielt er nun die Starterlaubnis. Die Traumhochzeit wurde am Montag offiziell vollzogen, der bei Toyota ausgemusterte Formel-1-Pilot gab sein Ja-Wort und erhält bei den Stuttgartern nach sid-Informationen einen Ein-Jahres-Vertrag plus Option.

"Ich werde in der DTM lernen und mich voll reinhängen, und ich werde es wegstecken, wenn man mich kritisieren wird, sollte ich es bei den ersten Rennen nicht gleich gebacken bekommen", sagte Ralf Schumacher, der zuvor gut 2000 Testkilometer in einer AMG-Mercedes C-Klasse zurückgelegt hatte. Die Tests haben enormen Spaß gemacht, er freue sich riesig auf die neue Saison. Geld und Popularität spielen für ihn nicht die erste Rolle, so Schumacher: "Jetzt will ich nur noch Sport, Spaß und Spannung, und das bietet die DTM wie keine andere Rennserie."

Schumacher soll laut Mercedes-Sportchef Norbert Haug "weniger als eine Million Euro" verdienen. Bei Toyota gehörte "Schumi II" mit geschätzten 14 Mill. Euro zu den Topverdienern der Königsklasse. Branchenkenner gehen jedoch davon aus, dass der DTM-Einsteiger über einen Sponsorenpool und andere "Vergünstigungen" auf 3,5 Mill. Euro kommt, das wäre mehr als alle anderen neun DTM-Piloten bei Mercedes zusammen.

C-Klasse von 2007 für Schumacher

Fahren wird der Wahl-Salzburger in der ersten DTM-Saison aber nur einen "Gebrauchtwagen", eine Mercedes-C-Klasse Baujahr 2007. Damit hat der Gewinner von insgesamt sechs Formel-1-Rennen keine echte Siegchance. Mercedes will so den Druck von dem prominenten Neuling nehmen. Haug: "Jetzt kann keiner Wunderdinge von Ralf erwarten."

Entscheidend für die Verpflichtung sei Schumachers Begeisterung für die DTM gewesen und seine Bereitschaft, sich auf eine Lehrzeit einzustellen, sagte Haug. Denn Ralfs fahrerischen Qualitäten würden außer Frage stehe: "Er ist bis heute nach seinem Bruder Michael der erfolgreichste deutsche Formel-1-Rennfahrer, und das sicher nicht, weil er seine Erfolge geschenkt bekam."

Ralf Schumacher entschied sich mit dem Wechsel in die DTM auch gegen seinen Bruder Michael, der einst sagte, dass Tourenwagen den Schumachers nicht liegen würden. Dagegen begrüßte Ex-Manager Willi Weber den Schritt seines früheren Schützlings. "Das finde ich toll. Ich bin der Meinung, dass Ralf noch zu jung ist, um sich aufs Sofa zu setzen. Ich bin sicher, dass es der DTM gut tut, speziell aber Mercedes, wenn dort ein Schumacher mitfährt", sagte Weber dem sid.

Nachfolger von Zugpferd Häkkinen

Bei Mercedes soll Schumacher die Lücke schließen, die nach dem Rücktritt von Zugpferd Mika Häkkinen entstanden ist. Dass er die Herausforderung annehme, zeige, dass Ralf ein echter Racer sei, sagte DTM-Boss Hans Werner Aufrecht.

Er warnte seinen künftigen Star aber auch, denn es werde am Anfang sicher nicht einfach, diese Erfahrung hätten vor ihm schon andere gemacht: "Dennoch bin ich überzeugt, dass sich Ralf mit seinen herausragenden fahrerischen Fähigkeiten und einer gewissen Eingewöhnungszeit in der DTM durchsetzen wird." Ralf Schumachers DTM-Premiere findet beim Saisonauftakt am 13. April 2008 in Hockenheim statt.

Nach Einschätzung der Experten ist die DTM für "Schumi II" aber keine Durchgangsstation auf dem Weg zurück in die Königsklasse. Auch wenn der 32-Jährige in dieser Saison seine fahrerische Klasse in der DTM unter Beweis stellen sollte, wäre er wohl kein Kandidat für das Silberpfeil-Cockpit in der Formel 1. "Das ist auszuschließen, denn die DTM ist kein Sprungbrett für die Formel 1. Bei Mercedes schon mal gar nicht, die haben genügend gute Piloten", sagte der neue VW-Repräsentant Hans-Joachim Stuck dem sid.

Zwar wurde der Finne Heikki Kovalainen nur für ein Jahr geholt, doch dass Ralf Schumacher und Shootingstar Lewis Hamilton 2009 das neue Dream Team bei Mclaren-Mercedes bilden, ist Wunschdenken der Fans. "Ich halte es für unwahrscheinlich, dass die Formel 1 für Ralf wieder ein Thema wird. DTM und Formel 1 - das sind zwei ganz verschiedene Baustellen", meint der ehemalige Formel-1-Pilot und heutige RTL-Experte Christian Danner. Auch Weber kann sich das schwer vorstellen, er sagt aber auch: "Nichts ist unmöglich, vielleicht in einem Testprogramm."

© SID

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