Motorsport DTM
Ullrich: "DTM war immer ein Mannschaftssport"

Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich hat in einem Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) die Kritik an der seiner Meinung nach immer schon üblichen Teamorder in der DTM zurückgewiesen.

Im Vorfeld des 8. Laufs der Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) am Wochenende auf dem Nürburgring nahm Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich Stellung in einem Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) zum Vorwurf der Stallregie und dem Standing der DTM im Allgemeinen.

sid: "Drei Rennen vor Saisonende liegen zwei Audi-Piloten an der Spitze, Mattias Ekström führt vor Martin Tomczyk. Kann da überhaupt noch etwas schiefgehen?"

Wolfgang Ullrich: "Jeder weiß, wie hart es in der DTM zugeht, ganz speziell in diesem Jahr. Es kann ganz schnell etwas passieren. Einmal keine Punkte und ein Sieg von Bruno Spengler - schon sieht das Bild ganz anders aus. Aber wir unternehmen natürlich alles, damit wir auch am 14. Oktober noch ganz vorne sind."

sid: "Gibt es im Endspurt bei Audi eine Stallregie wie zuletzt in Zandvoort?"

Ullrich: "Die DTM war schon immer ein Mannschaftssport. In der ersten Saisonhälfte kristallisieren sich ein, zwei Fahrer pro Marke heraus, die in der zweiten Saisonhälfte von den Markenkollegen die volle Unterstützung erhalten. Es gibt in der DTM-Geschichte ja kaum einen Fahrer, der ohne Hilfe seiner Markenkollegen Meister geworden ist. Mir ist klar, dass das nicht allen Zuschauern gefällt. Aber in der DTM gibt es nichts zu verschenken."

sid: "DTM-Boss Hans Werner Aufrecht hat angeregt, Teamorder zu verbieten ..."

Ullrich: "Warum plötzlich gerade jetzt? Das ist leichter gesagt als getan. Wie will man das überwachen? Wenn Herr Aufrecht meint, man solle Teamorder einfach verbieten, dann ist jetzt offenbar eine Lücke im Reglement. Fakt ist: Selbst in der Formel 1, wo Teamorder offiziell verboten ist, arbeiten die Fahrer eines Teams zusammen, wenn es darauf ankommt. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, die kaum reglementiert und überwacht werden können. Es ist wohl kein Zufall, dass unsere Freunde von Mercedes immer ein paar ihrer Vorjahresautos möglichst spät an die Box holen. Das sind dann rollende Schikanen, nicht unfair, aber immer wieder ist dies das eine oder andere Sekündchen Verlust für unsere Fahrer, die um den Sieg kämpfen."

sid: "Also können Sie die Kritik nicht nachvollziehen ..."

Ullrich: "So lange die DTM ein Werkssport auf diesem hohen Niveau ist, werden die Fahrer einer Marke zusammenarbeiten. In Zandvoort haben wir ein tolles Tourenwagenrennen gesehen, bei dem sich unsere Piloten selbst in die Position gebracht haben, um sich am Ende gegenseitig mit Blickrichtung Meisterschaft zu helfen. Ich denke, das ist gegenüber den Fans ehrlicher, als es heimlich zu tun. Im Übrigen glaube ich, dass sich die Freunde mit dem Stern durchaus auch als gute Verlierer zeigen können. Sie haben 2007 schon mehrmals gewonnen. Egal, wer letztlich der Sieger war, in Zandvoort waren in jedem Fall vier Audi A4 vorn. Das musste erst einmal erarbeitet werden."

sid: "Würde ein dritter Hersteller helfen?"

Ullrich: "Zweifellos. Wenn sich die Autos von drei Herstellern mixen, hat man ja viel weniger Möglichkeiten, sich gegenseitig zu helfen. Wir hatten diese Situation bis einschließlich 2005. Es gab aber auch damals Situationen mit Teamorder. Deshalb sollten wir ruhig und fair bleiben und nicht medienwirksam in Mikrofone und Kameras sprechen, um den Erfolg des Gegners zu schmälern."

sid: "Warum würden Sie einem Hersteller empfehlen, in die DTM einzusteigen?

Ullrich: "Die DTM ist die Königsklasse der Tourenwagen. Tolle Rennen mit Spitzenfahrern in Spitzenteams - und das auf den besten Rennstrecken in Deutschland und den wichtigsten EU-Märkten. Diese Serie ist sehr gut vermarktet und gibt einem engagierten Hersteller viel zurück. Ein DTM-Engagement ist eine besonders ehrliche Form der Werbung. Und natürlich sollte es für jeden Automobilhersteller reizvoll sein, gegen die beiden Premiummarken Audi und Mercedes anzutreten. Das ist eine Herausforderung."

sid: "Warum tut sich die DTM dann so schwer, einen dritten Hersteller zu finden?"

Ullrich: "Weil das Niveau so hoch ist. Man geht nicht einfach in die DTM und gewinnt auf Anhieb Rennen. Audi und Mercedes haben sehr viel Erfahrung in der DTM. Das ist einer der Gründe, weshalb über ein neues technisches Reglement diskutiert wird. Ein neues Reglement würde den Erfahrungsvorteil von Audi und Mercedes reduzieren."

© SID

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