Motorsport DTM: Winkelhock: "Weine der Formel 1 nicht hinterher"

Motorsport DTM
Winkelhock: "Weine der Formel 1 nicht hinterher"

DTM-Fahrer Markus Winkelhock spricht im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) über seinen missglückten Saisonstart, die Zukunft bei Audi und sein Formel-1-Intermezzo.

Markus Winkelhock fühlt sich bei Audi in der DTM wohl. In einem Jahreswagen ist er in diesen Jahr allerdings der Ausfall-König. Vor dem Rennen am Sonntag in Oschersleben sprach Winkelhock mit dem Sport-Informations-Dienst (SID).

SID: "Bislang läuft es in der DTM nicht rund für Sie. Woran liegt das?"

Markus Winkelhock: "Ich kam in der Vergangenheit mit den Vorjahresautos von Audi immer gut zurecht. In diesem Jahr läuft es leider nicht rund, und das ist frustrierend. Mal fehlte uns das Tempo, dann war das Tempo gut, aber der Defektteufel schlug zu. Was mich grundsätzlich positiv stimmt, ist die Tatsache, dass ich in den Trainingseinheiten stets den Speed meiner Teamkollegen mitgehen kann."

SID: "Werden Sie auch nächstes Jahr für Audi in der DTM fahren?"

Winkelhock: "Ich fühle mich bei Audi und in der DTM extrem wohl. Demnächst werden die Gespräche für die neue Saison beginnen. Ich würde Audi sehr gern treu bleiben."

SID: "Was reizt Sie als Rennfahrer an der DTM?"

Winkelhock: "Die DTM ist extrem anspruchsvoll. Die Zeiten liegen im Qualifying unglaublich eng zusammen. Man muss sehr gut mit dem Team zusammenarbeiten, um das Auto perfekt abzustimmen. Und man muss die Reifen sensibel nutzen. Die DTM ist ein Teamsport, in dem alle perfekt zusammenarbeiten."

SID: "Sie haben in Deutschland einen bekannten Namen. Ist das eher von Vorteil oder ein Handicap?"

Winkelhock: "Ich glaube, beides trifft zu. Vor allem zu Beginn meiner Karriere hat man wegen des Namens eher genauer hingesehen. Hätte ich die Leistungen nicht erbracht, wäre der Name zur Last geworden. So aber bin ich sehr stolz darauf. Mein Vater hat ihn in den Achtzigern geprägt, mein Onkel Jockel in den Neunzigern, und jetzt bin ich an der Reihe."

SID: "Podestplätze scheinen für Sie außer Reichweite. Was halten Sie für ein realistisches Ziel in dieser Saison?"

Winkelhock: "Moment, das stimmt nicht ganz. Mit einem Audi R8 habe ich in dieser Saison bei den 24 Stunden Nürburgring mit meinen Teamkollegen bereits ein Podiumsergebnis erreicht. Auch in der DTM sollten mit einem Jahreswagen Podestplätze grundsätzlich möglich sein. Bei bestimmten Wettersituationen und strategischen Voraussetzungen ist es denkbar, einen Podestplatz zu erreichen. Mein Ziel ist es, Punkte zu sammeln und möglichst gute Einzelergebnisse abzuliefern."

SID: "Wie sehr wurmt es einen Rennfahrer, wenn er nicht um Siege und Podestplätze kämpfen kann?"

Winkelhock: "Mit einem Vorjahreswagen zu starten, ist eine spezielle Voraussetzung. Man weiß, dass man damit nicht um den Titel kämpfen wird. Wichtig ist es, trotzdem die Motivation zu behalten."

SID: "Sie haben auch schon Formel-1-Erfahrung. Warum hat es seinerzeit nicht mit dem Durchbruch in der Formel 1 geklappt?"

Winkelhock: "Es ist nicht leicht, in der Formel 1 Fuß zu fassen. Ich fuhr einen Grand Prix auf dem Nürburgring. Leider hat die Sponsorenfinanzierung danach nicht wie gewünscht funktioniert. Direkt nach der Formel 1 kam ich zu Audi in die DTM. Dort steht der Sport mehr im Vordergrund."

SID: "Träumen Sie insgeheim noch von einem Formel-1-Cockpit?"

Winkelhock: "Ich weine der Formel 1 nicht hinterher. Trotzdem war das eine Rennen eine tolle Erfahrung. Wie viele Motorsportler können schon sagen, einmal bei einem Grand Prix gestartet zu sein und auch noch geführt zu haben? Die DTM mit Audi ist für mich der nächste Schritt in meiner Karriere, der ebenfalls sehr schön ist."

SID: "Ihr WM-Tipp für dieses Jahr: Kann es Sebastian Vettel noch schaffen?"

Winkelhock: "Trotz Platz vier in Monza wird es Sebastian Vettel nicht leicht haben. Der Rückstand ist groß, und irgendwann wird sein Team sich zwischen ihm und Mark Webber entscheiden müssen."

SID: "Wie beurteilen Sie Michael Schumachers Leistungen, der als Rekordweltmeister nur noch hinterherfährt?"

Winkelhock: "Ich glaube, ich kann mich in seine Situation hineinversetzen. Er macht einen besseren Job, als es oft öffentlich dargestellt wird. In Nico Rosberg hat er einen extrem starken Teamkollegen, der in den vergangenen drei, vier Jahren mit der neuesten Fahrzeug- und Reifengeneration viele Erfahrungen gesammelt hat. Michael braucht noch ein bisschen, um das aufzuholen. Sein Auto kann in diesem Jahr noch nicht um den WM-Titel fahren. Hat er einmal ein Auto, das gut genug sein wird, dann reicht sein Tempo sicher immer noch, um eine Chance im Titelkampf zu haben."

© SID

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