Motorsport Formel1
Adac legt Mosley den Rücktritt nahe

FIA-Präsident Max Mosley gerät immer mehr in die Bredouille. Auch der Adac, eines der wichtigsten Mitglieder des Automobil-Weltverbandes, plädiert für einen Rücktritt des Briten.

Der durch eine Sex-Affäre belastete Max Mosley gerät im Kampf um seinen Posten als FIA-Präsident immer mehr ins Abseits. Jetzt legte auch der Adac, eines der wichtigsten Mitglieder des Automobil-Weltverbandes FIA, dem 67 Jahre alten Briten unverblümt den Rücktritt nahe. Ein Abwahl Mosleys bei der von ihm selbst einberufenen außerordentlichen Generalversammlung ist in den Statuten nicht vorgesehen und wäre ein Präzedenzfall in der Geschichte.

"Die Rolle des FIA-Präsidenten, der mehr als 100 Mill. Autofahrer repräsentiert, sollte nicht durch so eine Affäre belastet werden. Deshalb bitten wir den Präsidenten, sorgfältig über seine Rolle in der Organisation nachzudenken", schrieb der Adac.

"Dafür stimmen, dass er zurücktritt"

Die Attacke des deutschen Automobilclubs ist deshalb so brisant, weil er mit mehr als 16 Mill. Mitgliedern mit die stärkste Kraft in der FIA ist. Der niederländische Verbandschef Arie Ruitenbeek schloss sich dem Adac an: "Wir werden dort hingehen, und wir werden dafür stimmen, dass er zurücktritt."

Damit wurde einer Stellungnahme des seit 1993 als FIA-Präsident amtierenden Mosley widersprochen, der "wegen der Vielzahl der Sympathiebekundungen innerhalb der FIA" einen Rücktritt abgelehnt hatte. Stattdessen will er bei der Generalversammlung - die nach Angaben der FIA wegen der mehr als 200 Mitglieder (vor allem Automobilclubs) wohl erst in etwa einem Monat in Paris stattfinden soll - um seinen Posten kämpfen.

Die Veröffentlichung eines fünfstündigen Videos mit Sexszenen mit Prostituierten sei ein Eingriff in seine Privatsphäre, die hergestellte Verbindung zur Nazi-Szene sei "völlig falsch". Mosleys Vater Oswald hatte 1932 eine faschistische Partei in Großbritannien gegründet.

Abwahl von Mosley wäre Präzedenzfall

"Eine Abwahl eines Präsidenten oder das Stellen der Vertrauensfrage ist in den Statuten der FIA nicht vorgesehen. Beides wäre ein Präzedenzfall", sagte eine FIA-Sprecherin beim Großen Preis von Bahrain dem sid. Im Falle eines Rücktritts des bis 2009 gewählten FIA-Chefs könnte die außerordentliche Generalversammlung aber einen Nachfolger bestimmen.

Beim Formel-1-Rennen in Bahrain, bei dem Mosley vom Kronprinzen persönlich ausgeladen worden war, hatten die Automobilhersteller Mercedes und BMW in einem gemeinsamen Statement ("Abstoßende Inhalte") sowie Honda und Toyota indirekt den Rücktritt Mosleys gefordert. Der Brite reagierte mit einer Attacke auf die Vergangenheit der deutschen Autohersteller im 2. Weltkrieg und drohte indirekt rechtliche Konsequenzen an.

Mercedes-Sportchef Norbert Haug wollte das nicht weiter kommentieren. "Wir haben in unserem Statement alles gesagt. Die Dinge nehmen ihren Lauf, und wir wollen uns wieder auf den Sport konzentrieren. Ich hoffe, dass wir da im Einverständnis mit allen Fans sind, die den Sport lieben", sagte Haug dem sid.

Zweifel auch bei Jackie Stewart

Bei der entscheidenden Generalversammlung über die Zukunft von Mosley sind die in der Formel 1 aktiven Automobilhersteller und Rennställe nicht vertreten - dafür Autombilclubs wie der Adac. Auch in seiner britischen Heimat hat Mosley jeglichen Kredit verspielt. "Als Vorsitzender einer globalen Vereinigung ist es einfach nicht möglich, jetzt noch weiterzumachen. Wenn er der Vorstandsvorsitzende eines großen, internationalen Konzerns oder der Vorsitzende des Olympischen Komitees oder Fußballverbandes wäre, dann wäre er schon weg", sagte der dreimalige Weltmeister Jackie Stewart bei Premiere.

Nick Keller, Chef der "British Sport Industry Group" wurde bei Reuters noch deutlicher: "Max Mosley hat sich und dem Sport geschadet. Er ist ohne Zweifel in unserer Industrie nicht mehr tragbar, und ich fordere ihn zu einem sofortigen Rücktritt auf."

© SID

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