Motorsport Formel1
Ampel in Sao Paulo bleibt für Glock auf Rot

Formel-1-Pilot Timo Glock wird in Brasilien nicht starten. Ärzte in Bad Nauheim entdeckten beim Toyota-Fahrer Entzündungen an der Schnittwunde am Bein sowie eine Rückenverletzung.

Das Bein entzündet, der Rücken lädiert - Timo Glock ist ohne Glück: Um keine bleibenden Schäden zu riskieren, verzichtet der 27-Jährige nach seinem Unfall in Suzuka auf Anraten der Ärzte schweren Herzens auf einen Start beim nächsten Formel-1-Rennen am 18. Oktober in Sao Paulo. "Er hat mir davon abgeraten, in Brasilien zu fahren, denn das könnte schlimmere Folgen haben. Ich wäre so gerne gefahren und endlich wieder vom Sofa heruntergekommen", meinte der Toyota-Pilot.

"Die kommenden Wochen werde ich intensiv nutzen, um mich auf Abu Dhabi vorzubereiten. Dort will ich auf jeden Fall wieder zu hundert Prozent fit sein", sagte Glock dem Internetportal Motorsport-Total.com. Das WM-Finale in der Wüste findet am 1. November statt.

Howett: "Team fühlt mit Timo"

"Das gesamte Team ist enttäuscht und fühlt mit Timo", sagte Toyota-Rennleiter John Howett in einem offiziellen Statement: "Wir wünschen ihm eine schnelle Genesung. Aufgrund der ersten Diagnose waren wir sicher, dass er in Brasilien wieder angreifen kann. Nun stellte man eine Verletzung fest, die dies verhindert."

Glock wird laut Howett zur weiteren Behandlung in Deutschland bleiben: "Wir hoffen, dass er sich bis Abu Dhabi erholt, auch wenn die Situation noch etwas unklar ist." Glock selbst kann es kaum abwarten, wieder im Rennauto zu sitzen. "Ich bin nicht dafür geschaffen, einfach die Beine hochzulegen", sagte der Hesse, der nach eigener Aussage aber "nicht gebeugt wie ein alter Opa durch die Wohnung" laufe.

Nach einer eingehenden Untersuchung in der Sportklinik Bad Nauheim rieten die Ärzte Glock von der Reise nach Brasilien ab. Um die Schnittwunde am linken Bein haben sich Entzündungen gebildet. Außerdem kam heraus, dass der Toyota-Pilot eine Rückenverletzung erlitten hat.

Angeknackster Wirbel im Rücken

Die nun festgestellte Rückenverletzung ist offenbar eine Folge der heftigen Stauchung, die im Toyota-Cockpit entstand, als Glock im Qualifying in Suzuka mit etwa 200km/h in die Reifenstapel gerast war. Nach Angaben des Teams leidet Glock, der mit Platz zwei beim Nachtrennen in Singapur für Furore gesorgt hat, unter einem angeknacksten Wirbel.

Vor wenigen Tagen war Glock noch zuversichtlich, rechtzeitig bis zum Abflug nach Brasilien wieder fit zu sein. Doch gerade die Buckelpiste in Sao Paulo könnte dem lädierten Rücken noch mehr Schaden zufügen.

Für Hans-Bernd Kamps wäre das Risiko bei einem Start zu groß gewesen. "Timo braucht mehr Zeit, um die Verletzung auszukurieren", sagte der Manager dem Sport-Informations-Dienst (SID). Kamps verriet, dass sein Schützling nur um Haaresbreite einer schwerwiegenden Verletzung entgangen ist.

"Wäre das Aluteil ein paar Millimeter tiefer in die linke Wade eingedrungen, wären sogar Sehnen und Muskeln verletzt worden und Timo hätte sehr viel länger pausieren müssen", sagte der Manager. Der Start in Abu Dhabi ist laut Kamps aber nicht gefährdet.

Kobayashi feiert Renndebüt

Glocks Platz in Brasilien wird Test- und Ersatzpilot Kamui Kobayashi einnehmen, der damit zu seinem Grand-Prix-Debüt kommt. Der Japaner hatte Glock schon im Freitagstraining in Suzuka vertreten, als der Deutsche wegen einer fiebrigen Erkältung pausieren musste.

Ob Glock auch in der kommenden Saison für Toyota fährt, steht derzeit in den Sternen. Der in Köln ansässige Rennstall ließ die Frist für eine Option verstreichen und plant offenbar ohne den Hessen.

Die Entscheidung, für welches Team Glock 2010 fährt, soll beim Saisonfinale in Abu Dhabi fallen. Das sagte Kamps dem SID. Damit dürfte sein jetziger Arbeitgeber nicht mehr infrage kommen, denn Toyota will erst Mitte November bekannt geben, ob das Formel-1-Engagement überhaupt fortgesetzt wird.

© SID

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