Motorsport Formel1
Anonymer Zeuge bestätigt Renault-Verschwörung

Ein anonymer Zeuge aus dem Renault-Lager hat die Aussagen Nelson Piquet juniors zum Unfall-Skandal bestätigt. FIA-Chef Mosley verteidigte das Urteil gegen das französische Team.

Ausgerechnet am Tatort Singapur beginnt nach dem Unfall-Skandal für Renault die schwierige Rückkehr zur Normalität. Nach einer der größten Manipulationen der Formel-1-Geschichte, die Ex-Fahrer Nelson Piquet junior und ein mysteriöser anonymer Zeuge aus dem eigenen Team ans Licht brachten und damit Teamchef Flavio Briatore stürzten, blieben die Franzosen nur durch die Gnade des Automobil-Weltverbandes FIA in der Königsklasse. Denn die FIA fürchtete im Falle einer hohen Geldstrafe den Formel-1-Ausstieg von Renault.

"Das konnte man nicht ausschließen. Wenn ich das richtig verstanden habe, dann hat Renault ein paar Mrd. Euro von der Regierung erhalten, also Steuergelder. Es wäre für sie sehr schwierig geworden, wenn wir einen Teil davon genommen hätten", sagte der im kommenden Monat scheidende FIA-Chef in einem Interview mit der FAZ. Am Montag hatte das World Motor Sport Council der FIA in Paris auf eine Geldstrafe verzichtet und Renault lediglich für zwei Jahre auf Bewährung gesperrt. Zur Rechenschaft gezogen wurden nur der lebenslang ausgeschlossene Briatore und Chefingenieur Pat Symonds, der für fünf Jahre gesperrt wurde. Sie hatten nach Meinung der FIA beim Großen Preis von Singapur 2008 Piquet angewiesen, einen Unfall zu inszenieren, um durch einen Safety-Car-Einsatz den späteren Sieg von Teamkollege Fernando Alonso zu ermöglichen.

Anonymer Zeuge bekräftigt Aussagen Piquets

Piquet blieb als "Kronzeuge" ungeschoren, was der gelernte Jurist Mosley verteidigte. "Wenn wir ihm keine Straffreiheit geboten hätten, wäre es nicht zur Aufklärung gekommen. Es wäre nicht in seinem Interesse gewesen, auszusagen. Das gibt es auch im englischen oder amerikanischen Strafrecht", sagte der 69 Jahre alte Brite: "Wenn wir auf anderem Weg zum Beweis gekommen wären, hätte Piquet eine schwere Strafe erhalten."

Piquet hatte Glück, dass erst später sich "Zeuge X" meldete und unter Wahrung seiner Anonymität der FIA die Verschwörung bestätigte. Er selbst sei bei der Absprache zwischen Piquet, Briatore und Symonds, nach dessen Aussage die Idee von Piquet gekommen sei, dabei gewesen, hätte sich aber gegen diesen Plan ausgesprochen. Wie Piquets Straffreiheit hält Mosley den Ausschluss von Briatore für völlig richtig.

Briatore will seine Unschuld beweisen

"Ich glaube, wir mussten der Welt und unseren Sportfreunden zeigen, dass jemand, der so etwas Schlimmes tut, keinen Platz mehr in Formel 1 oder im internationalen Rennsport hat. Briatore war zu einhundert Prozent verantwortlich", meinte Mosley: "So ein Verhalten darf man nicht durchgehen lassen." Vor einer Klage des Italieners gegen die FIA hat Mosley keine Angst. "Soll er doch. Jeder Mensch hat das Recht dazu", sagte er: "Aber wie will er den Richter überzeugen? Er hat als Manager einen jungen Fahrer nicht vor dieser für den Fahrer gefährlichen Manipulation bewahrt. Briatore soll es ruhig versuchen."

Der Italiener beteuert unterdessen weiter seine Unschuld und will das auch beweisen. "Am Ende werde ich siegen, danach eine wunderschöne Party organisieren", wurde Briatore am Donnerstag von der italienischen Tageszeitung La Repubblica zitiert: "Ich werde nur im richtigen Moment sprechen, vorausgesetzt, dass man mir noch die Möglichkeit dazu gibt." Briatore und Symonds hatten sich bereits vor der Verhandlung in Paris vom Team verabschiedet.

Bell übernimmt Chefposten bis Saisonende

Bis zum Saisonende wird der bisherige Technische Direktor Bob Bell als Teamchef den Rennstall führen. Als Nachfolger für Briatore ist unter anderem der viermalige Weltmeister und frühere Renault-Pilot Alain Prost im Gespräch.

Piquet war im Sommer nach schwachen Leistungen durch den Franzosen Romain Grosjean ersetzt worden. Eine Rückkehr des Brasilianers in die Formel 1 hält Weltmeister Lewis Hamilton dennoch für möglich. "Er ist ein guter Fahrer und hatte bislang eine gute Karriere. Also wer weiß? Es wird sicher in der Zukunft für ihn Möglichkeiten geben", sagte der britische Mclaren-Mercedes-Pilot.

© SID

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