Motorsport Formel1
BMW-Doppelsieg beim Großen Preis von Kanada

Robert Kubica und Nick Heidfeld haben beim Grand Prix in Montreal einen Doppelsieg für BMW herausgefahren. Als Dritter sprang "Oldie" David Coulthard vor Timo Glock auf das Podium.

Robert Kubica hat den Großen Preis von Kanada in Montreal gewonnen und BMW damit den ersten Sieg der Geschichte beschert. Der Pole siegte in einem spannenden Rennen vor seinem Teamkollegen Nick Heidfeld aus Mönchengladbach. Platz drei belegte David Coulthard (Großbritannien) im Red Bull. Timo Glock (Wersau) holte als starker Vierter seine ersten WM-Punkte für Toyota.

Der 23-jährige Kubica nutzte in Montreal, wo er vor einem Jahr einen schrecklichen Unfall wie durch ein Wunder nahezu unverletzt überstanden hatte, die Pannen der Favoriten eiskalt aus und übernahm nach seinem Husarenritt sogar die Spitze der WM-Wertung von Hamilton. Nach 70 abwechslungsreichen Runden gewann der Pole vor rund 100 000 Zuschauern den Großen Preis von Kanada mit 16,4 Sekunden Vorsprung vor Heidfeld, der damit einem Beinamen "Quick Nick" endlich mal alle Ehre machte.

Die entscheidende Szene des Rennens war ein kurioser Auffahrunfall des bis dahin führenden Lewis Hamilton (Großbritannien) in der Boxengasse. Der Mclaren-Mercedes-Pilot rammte den wegen einer roten Ampel wartenden WM-Erzrivalen Kimi Räikkönen (Finnland) im Ferrari, der ebenfalls ausschied.

Den dritten Platz belegte der Schotte David Coulthard im Red Bull. Zweitbester Deutscher war Timo Glock (Wersau), der mit einem Stopp über die Runden kam und auf Platz vier sein bislang bestes Ergebnis in der Königsklasse verbuchte. Der Toyota-Pilot hatte das Rennen zwischendurch für einige Runden sogar angeführt - das das hatten in der Formel-1-Geschichte vor ihm bislang nur elf andere Deutsche geschafft.

Die Entscheidung im internen BMW-Duell fiel in der 49. Runde, als Kubica seinen zweiten Boxenstopp einlegte. Der Pole raste wenige Meter vor Heidfeld, der mit einer Ein-Stopp-Strategie unterwegs war, auf die Strecke zurück. Sein Team hatte ihm zuvor über Funk die klare Anweisung gegeben: "Du musst jetzt zehn Runden pushen, damit du nach dem Boxenstopp vor Nick bleibst." Gesagt, getan! Danach kam die Ansage: "Du bist Erster. Bring es nach Hause."

Für Monaco-Triumphator Lewis Hamilton, der als WM-Spitzenreiter nach Kanada gekommen war, war der Grand Prix nach einem peinlichen Aussetzer in der Boxengasse vorzeitig beendet. Nachdem beinahe alle Fahrer eine Safety-Car-Phase zum ersten Stopp nutzten, krachte der Brite mit seinem Silberpfeil ins Heck des Ferrari von Weltmeister Kimi Räikkönen.

Der Finne hatte ausgangs der Boxenstraße vorschriftsmäßig an der roten Ampel gehalten, das aber hatte Hamilton offenbar nicht mitbekommen - vielleicht war er einfach zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Egal wie, für beide Fahrer war das Rennen nach dem kuriosen Auffahrunfall gelaufen. Kubica und die BMW-Truppe haben sich nach dieser Szene vermutlich vor Lachen auf die Schenkel geklopft.

Kubica führt WM-Wertung an

In der WM-Wertung führt Kubica nach dem 7. von 18 Saisonrennen jetzt mit 42 Punkten vor Hamilton und Massa (38). Kubica ist zudem der erste Pole, der sich in die Formel-1-Siegerliste eingetragen hat.

Sebastian Vettel (Heppenheim), der nach dem Qualifying-Verzicht vom Samstag aus der Boxengasse dem Feld hinterherfahren musste, fuhr im Toro-Rosso-Ferrari holte Rang acht. Williams-Pilot Nico Rosberg (Wiesbaden), der ebenfalls in das frühe Boxen-Getümmel verwickelt war, landete nach drei Stopps letztlich abgeschlagen auf dem 10. Platz.

Unter keinem glücklichen Stern stand das Rennen für Adrian Sutil (Gräfelfing). Der Force-India-Pilot musste sein Auto mit einem defekten Getriebe schon in Runde 15 neben der Strecke abstellen.

Nachdem sich viele Fahrer nach dem Qualifying über den schlechten Streckenzustand beschwert hatten, versuchten die Gastgeber über Nacht zu retten, was kaum noch zu retten war. An mehreren Stellen wurde der aufbrechende Asphalt nur notdürftig geflickt. "Das ist unfassbar, das ist kein Formel-1-Standard", schimpfte Heidfeld. Es kann nicht sein, dass irgendwo nur was draufgehauen wird, was bis zum Rennen nicht trocknet, so der Mönchengladbacher.

Hamilton, der wie im Vorjahr auf der Pole Position stand, blieb beim Start vor Kubica an der Spitze. Rosberg überholte Alonso und lag hinter Räikkönen auf Platz vier. Durch die Safety-Car-Phase nach Sutils Ausfall schmolz der mühsam herausgefahrene Vorsprung von Hamilton (6,8 Sekunden) auf Kubica mit einem Schlag zusammen - wenige Minuten später war sein Arbeitstag dann vorbei.

Eine Trennung von Heidfeld ist für Mario Theissen kein Thema. "Nick hat ordentlich Kredit, er hat das Team nach vorne gebracht", sagte der BMW-Motorsportdirektor im Interview der Bild am Sonntag. Angeblich sollen die Münchner aber Kontakt zum zweimaligen Weltmeister Alonso aufgenommen haben, der bei Renault hinterherfährt. Zudem kündigte Theissen an, den Vertrag von Heidfelds Kubica verlängern zu wollen.

In Montreal verlor der 31 Jahre alte Heidfeld auch das siebte Qualifying-Duell der Saison gegen seinen pfeilschnellen Polen. Doch Theissen will den Mönchengladbacher nicht zusätzlich unter Druck setzen. Es gebe keinen festen Zeitplan für die Erfolge, meint der BMW-Chef, doch seine Forderung an Heidfeld ist deutlich: "Er muss sich steigern, und ich erwarte, dass die Steigerung kommt."

© SID

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