Motorsport Formel1
Chaos um Schumacher und Ferrari

Bei Ferrari scheint einiges im Argen zu liegen. Nach der Fehlerserie beim Großen Preis der Türkei am Wochenende in Istanbul war die Aufregung im Umfeld von Michael Schumacher groß. Der siebenmalige Weltmeister selbst verließ nach dem dritten Platz hinter dem Erzrivalen Fernando Alonso so schnell wie möglich den Ort der Niederlage. Schon in den nächsten Tagen soll es ein Treffen mit der Ferrari-Chefetage geben. Dann wird Präsident Luca di Montezemolo wahrscheinlich ein Machtwort sprechen, denn die Dauer-Diskussion um seine Zukunft scheint Schumacher zu lähmen.

Schumacher-Manager kritisiert Ferrari

"Sie hätten Michael in aller Ruhe zum Saisonende sagen lassen können, ob er weitermacht oder nicht. Aber so ist jetzt unnötig ein riesiger Druck aufgebaut worden", sagte Schumacher-Manager Weber und kritisierte offen den Arbeitgeber seines Schützlings: "Dabei sollten sich bei Ferrari doch eigentlich alle auf den Titelkampf konzentrieren." Tun sie aber offensichtlich nicht, denn Teamchef Jean Todt bekräftigte den Termin einer "Verlautbarung"über das Fahrerduo für 2007 beim Rennen in Monza am 10. September.

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone und viele andere Experten sind inzwischen sicher, dass Schumacher seinen Rücktritt verkünden wird. Es sei denn, der 37-Jährige kann die Ferrari-Chefetage doch noch davon überzeugen, dass er 2007 nicht zusammen mit dem Finnen Kimi Räikkönen in einem Team fahren muss. Der Mclaren-Mercedes-Star soll bei den "Roten" bereits einen Vorvertrag unterschrieben haben.

Schumacher selbst bekräftigte, "dass ich meine Entscheidung noch nicht getroffen habe". Und er räumte ungewohnt selbstkritisch ein, mit seinen Ausrutschern beim Training und im Rennen "eigene Fehler" gemacht zu haben. Dazu kam die Ferrari-Strategiepanne, als Schumacher beim Boxenstopp hinter seinem Teamkollegen Felipe Massa (Brasilien), der den ersten Formel-1-Sieg seiner Karriere feierte, warten musste.

"Man hätte mich sicher zuerst abfertigen können, aber das muss man erst genau analysieren", meinte Schumacher. Der sonst so loyale Großverdiener schimpfte über das "unruhige Auto" und die "Blasen auf den Reifen". Den Kampf um die nicht mehr aus eigener Kraft greifbare WM-Krone will er trotz eines Rückstandes von zwölf Punkten auf Alonso bei nur noch vier Rennen nicht aufgeben: "Die Situation ist sicher schwieriger geworden, aber noch im Rahmen des Möglichen. Wir haben das stärkere Paket als Renault. Und wir geben erst auf, wenn die letzte Zielflagge gefallen ist."

"Istanbul vielleicht vorentscheidend"

Bei den am Dienstag in Monza beginnenden Tests soll Schumacher zwar nochmal neue Wunderreifen von Bridgestone ausprobieren, aber der ehemalige Weltmeister Niki Lauda sieht wegen der schwachen Leistung von Schumacher nur noch wenig Chancen: "Istanbul war vielleicht vorentscheidend. Alonso ist Zweiter geworden, obwohl sein Auto deutlich langsamer war, und vorn ist Massa wie ein neuer Champion gefahren. Michael ist nicht schnell genug, vielleicht hat er ja ein Formtief."

Es sei laut Lauda offensichtlich, dass Schumacher unter Druck mehr Fehler mache als Weltmeister Alonso. Der Spanier selbst nannte genüsslich "Michaels Fehler" als Schlüssel für seinen zweiten Platz und kündigte weitere Verbesserungen an seinem Renault-Paket an: "Wir bekommen viele neue Teile, denn wir müssen vor allem bei den Reifen noch besser werden. Aber wir können jetzt schon sehr selbstbewusst in das Saisonfinale gehen."

Renault-Cheftechniker Pat Symonds verspottete den Konkurrenten Ferrari sogar für den Strategiefehler: "Ich fand es sehr sportlich von Ferrari, dass sie Massa und Michael gleichzeitig an die Box geholt haben." Laut Symonds zeige der in Istanbul bei den Kollegen zudem wegen seines aggressiven Fahrstils in die Kritik geratene Schumacher ganz offensichtlich Nerven: "Die Situation mit dem WM-Titelkampf und der Entscheidung über seine Zukunft bringt natürlich Druck mit sich. Aber ich habe kein Mitleid."

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%