Motorsport Formel1
Di Montezemolo: "Tag der Demut für Ferrari"

Nach dem schlechtesten Saisonstart von Ferrari seit 16 Jahren beim Großen Preis von Australien kann es Präsident Luca Di Montezemolo kaum erwarten, den "echten Ferrari" zu sehen.

Während Mercedes seinen Traumstart in die Formel-1-Saison 2008 überschwänglich feierte, versuchte Erzrivale Ferrari, das Unbegreifliche zu verstehen. Zwei Fahrer, die wie Anfänger um den Kurs eierten, zwei Motorpannen und keine Strategie - Italien schämte sich nach dem schlechtesten Saisonstart des Nationalstolzes seit 16 Jahren. Telefonisch gab es nach Melbourne eine erste Krisensitzung mit Präsident Luca di Montezemolo, der das rote Desaster frühmorgens vor dem Fernseher miterlebte.

"Das ist ein Tag der Demut für Ferrari, der für uns vielleicht ganz gesund ist", sagte der Italiener und setzte das Team für das nächste Rennen unter Druck: "Ich kann es gar nicht erwarten, den echten Ferrari zu sehen." Da braucht der Präsident gar nicht mehr lange zu warten, denn der zweite WM-Lauf findet schon am Sonntag (8.00 Uhr MEZ/live bei Premiere und RTL) in Kuala Lumpur statt.

Lauda kann es nicht fassen

Niki Lauda, mit Ferrari zweimal Weltmeister (1975 und 1977) und auch mal Berater für die Scuderia, schüttelte nur den Kopf. "Das war ein totales Debakel, eine richtige Katastrophe für Ferrari", sagte der Österreicher. Lauda ließ vor allem an den Fahrern, Weltmeister Kimi Räikkönen (Finnland) und Felipe Massa (Brasilien), kein gutes Haar: "Sie haben nur einen Punkt geholt, was mit diesem Auto nicht passieren darf. Kimi und Massa sind daran schuld. Sie haben alles falsch gemacht, was man falsch machen kann."

Nur durch die nachträgliche Disqualifikation des ehemaligen Ferrari-Piloten Rubens Barrichello (Honda/Brasilien) rückte Räikkönen um einen Platz auf Rang acht vor, obwohl der "Iceman" gar nicht ins Ziel gekommen war. "Ein WM-Punkt ist ja besser als gar nichts", sagte der Finne dazu. Selbstkritik sieht anders aus. Ohne seine Ausrutscher hätte Räikkönen laut Lauda "ganz vorn mitfahren können".

Ferrari ist im Umbruch, daran besteht kein Zweifel. Da gibt es keinen Michael Schumacher mehr, der solche Rennen rumreißen kann, auch kein Superhirn Ross Brawn, der immer noch eine geniale Idee hatte, und auch Rennleiter "Napoleon" Jean Todt steht nicht mehr am Kommandostand. Der neue Teamchef Stefano Domenicali ist wahrlich nicht zu beneiden. Wenn die "Roten" auch in Malaysia nicht die Kurve kriegen, kommen ganz sicher stürmische Zeiten auf das Team zu.

Michael Schumacher setzt auf das nächste Rennen

"Es war hart, nichts lief wie geplant", sagte Domenicali und bat um Geduld. Man müsse erstmal im Detail analysieren, was schief lief. Die beiden Motorschäden seien das Hauptproblem, das müsse gelöst werden. Der Teamchef sieht trotz des Fehlstarts keinen Grund zur Panik: "Wir müssen ruhig und konzentriert bleiben und dürfen nicht zu emotional werden, dann kann es schnell bergab gehen."

Auch Rekord-Weltmeister Schumacher, der zuvor klar auf Ferrari getippt hatte, musste zugeben, dass Melbourne ein herber Rückschlag war. Aber das Team sei ja bekannt dafür, dass es daraus Stärke und Zusammenhalt hole, so der 39-Jährige: "Im nächsten Rennen kann das alles schon wieder ganz anders aussehen." Bruder Ralf war entsetzt: "Solche technischen Fehler kennt man nicht von Ferrari. Da sieht man, dass sie unter Druck stehen."

Erste Stimmen werden laut, dass Ferrari ja auch den WM-Titel nicht aus eigener Kraft gewonnen habe. Vielmehr habe das Team aus Maranello die WM wegen der Spionage-Affäre um den Rivalen Mclaren-Mercedes praktisch am grünen Tisch geschenkt bekommen. "Ferraris Lage ist wegen der beeindruckenden Serie von Pannen besorgniserregend", kommentierte die Gazzetta dello Sport.

Für Tuttosport ist Räikkonen nur ein Schatten seiner selbst. La Repubblica schrieb von einem "schwarzen Saisonbeginn". Gleich das erste Rennen ohne Todt habe sich als Katastrophe erwiesen. "Schock für Ferrari: null Zuverlässigkeit, null Strategie", urteilte der Corriere dello Sport.

Dagegen wurde Auftaktsieger Lewis Hamilton vor allem in seiner englischen Heimat begeistert gefeiert. "Hamilton beweist, dass er keine Eintagsfliege ist", schrieb der Sunday Express. Für News of the World hat der Mclaren-Mercedes-Pilot mit seinem Erfolg auch seine Position als neuer Superstar im Sport zementiert.

Hamilton sieht noch Potenzial nach oben

Hamilton, der sich vor allem darüber freute, dass er mit seinem Kumpel Nico Rosberg gemeinsam auf dem Treppchen stand, hofft jetzt, den Schwung von Melbourne in die nächsten Rennen mitzunehmen. Über Ferrari mache er sich keine großen Sorgen, meinte der 23-Jährige: "Wir hätten noch schneller sein können." Doch das Team habe ihm gesagt, dass das nicht nötig sei und er auch so rund eine halbe Sekunde schneller sei als alle anderen.

Er sei aber nicht unschlagbar, meinte Hamilton. "Ich bin nicht Muhammad Ali", erklärte er im RTL-Interview. Mercedes-Sportchef Norbert Haug, der den Erfolg am Sonntagabend auf dem Heimflug nach Stuttgart feierte, warnte ebenfalls vor allzu zu großer Euphorie: "Ich würde Ferrari nie abschreiben. Die können schon im nächsten Rennen einen Doppelsieg einfahren." Einen Seitenhieb konnte er sich aber nicht verkneifen: "Das tut bestimmt weh, vor allem, wenn man sich vorher sehr sicher war, dass man unschlagbar ist."

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%