Motorsport Formel1
Erben der Schumacher-Brüder kämpfen um den Titel

Erstmals seit 16 Jahren steht kein Schumacher in einer Formel-1-Startaufstellung. Wenn am Sonntag die Saison 2008 beginnt, wollen die Erben von Rekordweltmeister Michael punkten.

Fünf deutsche Formel-1-Piloten stehen voller Tatendrang in der Startaufstellung von Melbourne. Die Formel-1-Saison 2008 wirft ihre Schatten voraus und verspricht im Jahr zwei nach Michael Schumacher Nervenkitzel pur. Erstmals seit 16 Jahren dreht dabei kein "Schumi" mehr seine Runden in der "Königsklasse", denn nur ein Jahr nach dem Abschied von Rekordweltmeister Michael kehrte auch dessen Bruder Ralf der Formel 1 den Rücken.

Vor allem Mclaren-Mercedes wartet nach dem Chaos-Jahr 2007 mit Spionage-Affäre, Alonso-Ärger und WM-Pleite voller Ungeduld auf den Startschuss am Sonntag (5.30 Uhr MEZ/live bei Premiere und RTL) in Melbourne. Norbert Haug fordert forsch Gold für die Silberpfeile. "Diesmal sind wir dran, wir wollen den WM-Titel und sind bestens vorbereitet. Es kann losgehen", sagt der Mercedes-Sportchef nach einem Testmarathon von rund 14 000 Kilometern in der Winterpause.

Räikkönen will Mclaren erneut ärgern

Doch da will Ferrari-Star Kimi Räikkönen seinem Ex-Arbeitgeber wie im Vorjahr einen Strich durch die Rechnung machen, als er sich in Sao Paulo als lachender Dritter erstmals zum Weltmeister krönte. Die bis dahin führenden Mclaren-Asse Fernando Alonso (Spanien) und Lewis Hamilton (Großbritannien) standen bei einem Punkt Rückstand schließlich mit leeren Händen daneben.

Wer jetzt glaube, dass er satt sei, der irre sich gewaltig, betont Räikkönen. Ihm habe es noch nie Spaß gemacht, um fünfte oder sechste Plätze zu fahren, sagt der "Iceman" und schickt gleich eine Kampfansage hinterher: "Ich bin hier, um zu gewinnen, immer und überall."

Für Formel-1-Boss Bernie Ecclestone läuft alles auf ein Duell zwischen Räikkönen und Vize-Weltmeister Hamilton hinaus. Doch der Shootingstar will sich in seinem zweiten Formel-1-Jahr nicht unter Druck setzen lassen. "Wenn es in dieser Saison nicht klappen sollte, dann halt in der nächsten. Ich bin jung und werde noch viele Chancen haben", sagt der 23-Jährige. Alonso, der nach einem frustrierenden Jahr bei Mclaren-Mercedes zu Renault zurückkehrte, sieht sich als Außenseiter: "Es wäre ein Wunder, wenn wir um den Titel fahren."

BMW-Sauber peilt ersten Sieg an

Mit einer klaren Zielsetzung geht BMW-Sauber in die Saison. "Wir wollen unser erstes Rennen gewinnen und aus dem Zweikampf an der Spitze einen Mehrkampf machen", sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen dem Sport-Informations-Dienst (sid). Man habe alles getan, was nötig sei, um die Top-Teams anzugreifen: "Wenn man einen größeren Sprung machen will, muss man mehr riskieren. Wir haben das getan, haben uns beim Konzept weit nach vorn gewagt." Das erste Rennwochenende ist laut Theissen die Stunde der Wahrheit: "Da zeigt sich, wo wir stehen."

BMW-Pilot Nick Heidfeld hält sich mit Prognosen zurück. Das Team habe sich seit dem Roll-out in Valencia gesteigert, doch mit einer Einschätzung tut sich der Mönchengladbacher schwer: "Es war schon lange nicht mehr so schwierig, sich eine Meinung über die wahren Kräfteverhältnisse in der Formel 1 zu bilden." Er wolle "permanent vorne sein und die Lücke zu den beiden Top-Teams schließen", sagt "Quick Nick".

Trotz allgemeiner Lobeshymnen geht Nico Rosberg nicht davon aus, dass die Bäume in dieser Saison in den Himmel wachsen. "Wenn wir uns in der Konstrukteurs-WM um einen Platz steigern, von fünf auf vier, wäre das super", sagt der Williams-Pilot, der nur allzu gerne Heidfeld den Rang als deutsche Nummer eins streitig machen würde: "Es wäre toll, wenn ich da zu Nick aufschließen könnte."

Vettel und Glock erwarten Lehrjahr

Sebastian Vettel (Heppenheim/Torro Rosso) und Toyota-Pilot Timo Glock (Wersau) erwarten in ihrer jeweils ersten kompletten Saison ein Lehrjahr. "Wichtig ist, dass ich mit mir selbst nach jedem einzelnen Rennen zufrieden sein kann", sagt Vettel, der für Michael Schumacher sogar irgendwann mal Weltmeister werden kann: "Das Potenzial dazu hat er."

Glock hat sich vorgenommen, konstant in die Punkte zu fahren. Der Nachfolger von Ralf Schumacher stapelt aber zunächst tief: "Den ganz großen Schritt werden wir am Anfang noch nicht machen können. Es ist im Aerodynamik-Bereich ein neues Konzept." Kleine Brötchen backt auch Adrian Sutil (Gräfelfing) beim neuen Force-India-Team. Sein Ziel sei es, vor dem eigenem Teamkollegen zu stehen, doch da habe er in Giancarlo Fisichella (Italien) eine harte Nuss zu knacken.

Die Favoriten im Rennen um die WM-Krone sind die gleichen wie im Vorjahr, doch der Kampf wird diesmal mit neuen Waffen auf neuen Strecken fortgesetzt. Ab Melbourne ist die Traktionskontrolle als elektronische Fahrhilfe verboten. Dadurch sind die Fahrer wieder mehr gefordert, das macht die Sache aber auch gefährlicher, vor allem auf nasser Piste. An einen Boykott von Regenrennen glaubt Heidfeld aber nicht: "Die Formel 1 ist immer mit einem gewissen Risiko verbunden, und für mich überschreitet die Tatsache, dass wir ohne Traktionskontrolle fahren, nicht das gewisse Level an Gefahr, das man einfach eingeht."

Ein Rennen mehr als bisher

Insgesamt finden in diesem Jahr 18 Rennen und damit ein Grand Prix mehr als 2007 statt. Indianapolis fehlt im WM-Kalender, dafür sind die beiden Stadtkurse in Valencia (24. August) und Singapur (28. September), wo das erste Nachtrennen überhaupt steigt, neu dabei.

Der Große Preis von Deutschland geht nach einem Jahr Pause am 20. Juli wieder in Hockenheim über die Bühne. Der Nürburgring ist mit einem Europa-Grand-Prix 2009 wieder an der Reihe. Die Rotation war notwendig geworden, nachdem beide Strecken mit der Formel 1 Millionenverluste eingefahren hatten.

© SID

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