Motorsport Formel1
Ex-Formel-1-Weltmeister Hill wird 50

Als Rennfahrer ging Damon Hill in die Geschichte ein. Heute feiert der einst als langsamster Taxifahrer Londons verspottete frühere Formel-1-Weltmeister seinen 50. Geburtstag.

Er stand im Schatten seines Erzrivalen Michael Schumacher, wurde in seiner englischen Heimat gar als langsamster Taxifahrer Londons verspottet - doch am Ende hat Damon Hill sein Glück in der Formel 1 gefunden. In seiner erst fünften Saison holte er 1996 den WM-Titel. Er ist damit der einzige Rennfahrer, der wie sein Vater Weltmeister wurde. Der legendäre Graham Hill, der 1975 bei einem Flugzeugunglück ums Leben kam, eroberte die WM-Krone sogar zweimal (1962 und 1968).

Damon Hill, der heute 50 Jahre alt wird, hatte nicht nur privat schwere Schicksalsschläge zu verkraften. Auch Durchbruch und Aufstieg auf der Rennstrecke begannen mit einer Tragödie. Nach seiner Debüt-Saison 1992 für Brabham wechselte er zum damaligen Top-Team Williams. Dort war er im ersten Jahr "Wasserträger" für den viermaligen Weltmeister Alain Prost und 1994 der Schattenmann von Ayrton Senna, dem wohl besten Rennfahrer der Geschichte.

Hill: "Habe nach Sennas Tod sogar an Rücktritt gedacht"

Hills bis dahin eher ruhiges Leben änderte sich schlagartig an jenem schwarzen Sonntag der Formel 1, an dem sein Teamkollege Senna am 1. Mai 1994 bei einem Unfall in Imola ums Leben kam. Der Brite hatte fortan die schwerste Aufgabe im ganzen Fahrerlager, er musste Sennas Platz einnehmen und war über Nacht die Nummer eins im Team des an den Rollstuhl gefesselten Sir Frank Williams. "Ich habe nach Sennas Tod sogar an Rücktritt gedacht. Doch das hätte Ayrton bestimmt nicht gewollt, also habe ich weitergemacht", sagt Hill über seine wohl schwersten Stunden als Rennfahrer.

Und hätte ihn Michael Schumacher damals im Saisonfinale in Adelaide nicht von der Piste gerammt, wäre Hill 1994 anstatt Schumi Weltmeister geworden - möglicherweise wären dann auch beide Karriere ganz anders verlaufen. So aber stieg Schumacher zu Sennas legitimem Nachfolger und zum neuen Superstar der Formel 1 auf.

Karriereende 1998

Diese Rangfolge änderte sich auch nicht, als der junge Deutsche 1996 von Benetton zu Ferrari wechselte und damit für Hill im Wunder-Williams der Weg zum Titel frei war. Es sollte Hills einziger Titel bleiben. Williams setzte ihn damals als Weltmeister überraschend vor die Tür, Hill fuhr danach für viele Mill. Dollar zunächst für das Hinterbänkler-Team Arrows, dann neben dem Mönchengladbacher Heinz-Harald Frentzen für die Party-Mannschaft von Eddie Jordan.

An seine Erfolge konnte Hill nie mehr anknüpfen, er verlor zusehends die Motivation und beendete 1998 schließlich seine Karriere. Was bleibt, ist die Erinnerung. Mit 22 Grand-Prix-Siegen ist der Spätstarter die Nummer elf der ewigen Bestenliste. Damit übertrumpfte Hill sogar seinen Vater Graham (14). Außerdem hielt Hill zehn Jahre lang den Rekord für die schnellste je gefahrene Rennrunde (249,835 km/h) 1993 in Monza. In der Saison 1996 qualifizierte er sich bei allen Rennen für die erste Startreihe, das schafften außer ihm nur Senna (1989 im Mclaren-Honda) und Prost (1993 im Williams-Renault). type="person" value="Williams, Frank" />

Kampf auch im wahren Leben

Damon Hill wurde am 17. September 1960 im Londoner Stadtteil Hampstead als Sohn des Rennfahrers Graham Hill und dessen Frau Bette geboren. Hill hat zwei Schwestern, Samantha und Brigitte. Von seinem Vater übernahm Damon später das Helmdesign mit den weißen Ruderblättern auf dunklem Grund. Es erinnert an den Londoner Rowing Club, in dem Graham Hill Mitglied war.

Nicht nur als Rennfahrer, sondern auch im richtigen Leben musste Hill hart kämpfen. Nach dem Tod seines Vater 1975 stand die Familie plötzlich vor einem Schuldenberg. Geld, um die Motorsport-Karriere des damals 15-jährigen Damon zu fördern, gab es nicht. Hill finanzierte seine Ausbildung selbst und nahm alle möglichen Aushilfsjobs an, unter anderem war er Motorradkurier für einen Londoner Pizzadienst.

1988 heiratete Hill die ein Jahr jüngere Georgie. Das Paar hat vier Kinder. Ihr erster Sohn Oliver kam mit dem Down-Syndrom zur Welt. Hill unterstützt in diesem Bereich auch eine Stiftung. "Ich möchte den Leuten diesen Umstand näher bringen, denn Oliver ist ein wichtiger Bestandteil unserer Familie", sagte Hill, als er einst auf den privaten Schicksalsschlag angesprochen wurde. 2003 kommentierte er die Special Olympics in Dublin für das britische Fernsehen.

Seit 2006 ist Hill Motorsport-Funktionär und Präsident des einflussreichen Clubs britischer Rennfahrer, der alljährlich den Formel-1-Lauf in Silverstone ausrichtet. Neben dem Motorsport ist die Musik seit vielen Jahren Hills Hobby. Er ist ein talentierter Gitarrist, was kleinere Live-Auftritte am Rande von Formel-1-Rennen ab und zu beweisen. 1998 durfte Hill sogar bei einer Plattenaufnahme der Hard-Rocker von Def Leppard mitspielen.

© SID

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