Motorsport Formel1
F1-Boss Ecclestone: "Ich vermisse Schumacher"

Kurz vor dem Start der neuen Saison äußert Formel-1-Boss Bernie Ecclestone im sid-Gespräch seine Erwartungen für das Jahr 2007. Besonders das Karriereende von Michael Schumacher bedauert der Engländer.

Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) wirft Formel-1-Boss Bernie Ecclestone einen Ausblick auf die am kommenden Wochenende beginnende Saison 2007. Vor allem der Rücktritt von Michael Schumacher wird nach Meinung des Briten kompensiert werden müssen.

sid: "Werden Sie Michael Schumacher vermissen?"

Bernie Ecclestone: "Jeden, der so lange bei uns war wie Michael, vermisse ich persönlich. So weit es den Sport betrifft, wäre es so, als ob Tiger Woods plötzlich mit dem Golf spielen aufhören würde. Ich glaube sehr daran, dass wir Superstars brauchen. Jetzt müssen wir einen anderen finden."

sid: "Wird es ohne Michael Schumacher eine andere Formel 1 sein?"

Ecclestone: "Wahrscheinlich schon. Ob es eine bessere oder eine schlechtere sein wird, weiß ich nicht. Als Michael alles gewonnen hat, haben sich die Menschen beklagt, dass die Formel 1 langweilig anzuschauen ist, weil er alles gewinnt. Jetzt kann man das nicht mehr sagen. Auf der anderen Seite ist es oft so, wenn man Superstars hat, wollen die Leute sehen, dass sie verlieren. Wenn ich zum Beispiel Roger Federer sehe, denke ich darüber nach, ob er eines Tages verlieren und wer ihn schlagen wird. Das ist die gleiche Geschichte."

sid: "Wird das Interesse an der Formel 1 ohne Michael Schumacher nachlassen oder ist das ein deutsches Problem?"

Ecclestone: "Was ist das Problem in Deutschland?"

sid: "Dass die Zuschauerzahlen in dieser Saison zurückgehen könnten ..."

Ecclestone: "Das glaube ich nicht. Als wir 1994 Ayrton Senna verloren haben, hat jeder gesagt: Das ist das Ende der Formel 1. Ich denke und hoffe, dass die Formel 1 größer als jeder einzelne ist."

sid: "Die Fans in Deutschland waren sehr auf Michael fixiert. Ähnlich wie seinerzeit bei Boris Becker. Als er aufhörte, ging das Interesse am Tennis stark zurück ..."

Ecclestone: "Als Boris zurücktrat, ging das Interesse am Tennissport ohnehin zurück. Das war nur Zufall, dass Boris zu der Zeit ging."

sid: "Hatten Sie versucht, Schumacher zum Weitermachen zu überreden?"

Ecclestone: "Nein!"

sid: "Viele große Rennfahrer haben nach Ihren Rücktritten ein Comeback gegeben: Nigel Mansell, Niki Lauda, Alain Prost. Glauben Sie, dass Schumacher nur eine Auszeit nimmt und dann wiederkommt?"

Ecclestone: "Nein."

sid: "Warum nicht?"

Ecclestone: "Schauen Sie, Michael ist ein bisschen anders als diese Piloten. Ich denke, er hat sich entschieden, aufzuhören und hat es dann auch gemacht."

sid: "Wer ist für Sie der größte Fahrer aller Zeiten? Schumacher, Senna oder vielleicht ein ganz anderer?"

Ecclestone: "Das sind ganz unterschiedliche Zeiten. Ich denke, Michael würde Rennen gewinnen, die Senna nicht gewonnen hätte. Und Senna würde Rennen gewinnen, die Michael nicht gewonnen hätte. Man kann das nicht vergleichen."

sid: "Wir haben 2007 viele junge deutsche Formel-1-Fahrer. Wer von ihnen könnte ein neuer Michael Schumacher werden?"

Ecclestone: "Dazu kann ich nichts sagen. Wir haben viele neue Fahrer aus unterschiedlichen Ländern. Da müssen wir abwarten."

sid: "Vielleicht kann es BMW-Testfahrer Sebastian Vettel schaffen, der 2006 bereits gute Leistungen im Freitagstraining gezeigt hat ..."

Ecclestone: "Es gibt eine ganze Menge neuer Jungs. Und das Aufregende ist die Tatsache, dass es viele neue junge Fahrer gibt."

sid: "Was halten Sie von Ralf Schumacher? Lebt er von seinem großen Namen oder ist er auch ein guter Rennfahrer?"

Ecclestone: "Für Ralf Schumacher hat sich nichts geändert, dadurch das Michael nicht mehr da ist. Er hat viel Talent. Aber es ist sehr schwierig, Fahrer zu beurteilen. Es gibt so viele andere Einflüsse."

sid: "Kann Kimi Räikkönen bei Ferrari die Lücke schließen, die Michael Schumacher hinterlassen hat?"

Ecclestone: "Es ist für jeden schwierig, diese Lücke zu schließen. Michael war der Macher im Ferrari-Team, mit Hilfe von Ross Brawn und Jean Todt. Aber am Ende hat Michael das Team geführt. Das wird Kimi nicht tun."

sid: "War der Wechsel von Weltmeister Fernando Alonso zu den Silberpfeilen Ihrer Meinung nach eine gute Entscheidung?"

Ecclestone: "Ich denke nicht, dass das seine ursprüngliche Absicht war. Er hatte Angst, dass Renault aussteigen könnte. Er hatte eine Alternative, die er genutzt hat, weil es für ihn richtig war, das zu tun. Hätte er auch so gehandelt, wenn er gewusst hätte, dass Renault für immer bleibt? Das bezweifle ich. Er war sehr glücklich bei Renault, es war für ihn dort sehr angenehm."

sid: "Jetzt steht er aber vor einer großen Herausforderung in einem neuen Team ..."

Ecclestone: "Ja, und das ist ist ein großer Unterschied. Renault und Mclaren haben einen völlig anderen Weg, wie sie geführt werden. Wir werden sehen, wie er sich dort zurechtfindet."

sid: "Welchen Fahrern trauen Sie in diesem Jahr den Titelgewinn zu?"

Ecclestone: "Da gibt es einige. Das hängt natürlich davon ab, wie gut die Teams sind."

sid: "Könnten Sie ein paar Namen nennen."

Ecclestone: "Die gleichen, an die Sie denken würden: Fernando, Kimi, Felipe Massa, Heikki Kovalainen von Renault. Es gibt viele gute Jungs da draußen. BMW, Jenson Button im Honda, wenn die ihre Arbeit gut machen."

© SID

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