Motorsport Formel1
FIA-Chef Mosley mit Urteil "absolut einverstanden"

In der Spionage-Affäre um den Besitz geheimer Daten von Mclaren-Mercedes ist Renault nicht bestraft worden. "Keine Entscheidung ist einfach. Aber mit dieser Entscheidung bin ich einverstanden", sagte FIA-Chef Max Mosley.

Der Spionage-Fall "Renault" in der Formel 1 soll nun endlich zu den Akten gelegt werden. Nachdem das World Motor Sport Council des Automobil-Weltverbandes FIA entschieden hat, Renault trotz des Besitzes geheimer Daten des Konkurrenten Mclaren-Mercedes nicht zu bestrafen, wollen alle Beteiligten die Affäre möglichst schnell vergessen. Es sei denn, es würden noch einmal neue Beweise auftauchen. Dann könnte die Angelegenheit noch einmal neu aufgerollt werden, stellte die FIA am Freitag in der fünfseitigen Urteilsbegründung klar.

"Trotz einiger sehr unbefriedigender Elemente kam das World Motor Sport Council zu dem Schluss, dass keine ausreichenden Beweise vorliegen, dass die Informationen in einer Weise genutzt wurden, die einen Einfluss oder Auswirkungen auf die Meisterschaft hatten", begründete die FIA ihren Urteilsspruch.

Mosley mit Entscheidung "absolut einverstanden"

"Keine Entscheidung ist einfach. Aber mit dieser Entscheidung bin ich absolut einverstanden", sagte Mosley nach der Anhörung am Donnerstag in Monte Carlo. Formel-1-Chef Bernie Ecclestone, ebenfalls Mitglied des 26-köpfigen World Council, meinte: "Wir sind immer fair."

Möglich ist allerdings, dass man bei Mclaren-Mercedes nicht unbedingt dieser Meinung ist. Die Silberpfeile waren in ihrer Affäre um geheime Ferrari-Daten in der ersten Verhandlung ebenfalls straffrei geblieben, obwohl sie wie jetzt Renault nach Meinung des Gremiums gegen Artikel 151c der International Sporting Code (Handlungen gegen den Geist des Sports) verstoßen hatten. Im September wurde Mclaren-Mercedes aber dann doch zur Rekordgeldstrafe von 100 Mill. Dollar (damals 72 Mill. Euro) und dem Abzug aller Konstrukteurspunkte für 2007 veruteilt.

Grund dafür waren fortlaufende Mail- und SMS-Kontakte zwischen Ferrari-Mann Nigel Stepney und dem damaligen Mclaren-Chefdesigner Mika Coughlan, in den auch Ex-Weltmeister Fernando Alonso und Testfahrer Pedro de la Rosa (Spanien) eingebunden gewesen sein sollen. Solche fortlaufenden Kontakte hatte es jetzt im Renault-Fall nicht gegeben, wie die FIA erklärte.

Ansonsten waren die Fakten scheinbar ähnlich. 780 Seiten Ferrari-Material standen nun 762 Seiten Mclaren-Informationen gegenüber, die der frühere Silberpfeil-Mitarbeiter Phil Mackereth bei seinem Wechsel zu Renault auf elf Computer-Disketten mitgenommen hatte. Diese Daten waren ins Renault-Computersystem eingespeist und wohl von mindestens neun hochrangigen Teammitgliedern gesehen worden.

Von diesen 762 Seiten hätten aber nur rund 15 Prozent vertrauliche Mclaren-Daten enthalten, erklärte die FIA. Dazu wären vier technische Zeichnungen von Renault-Mitarbeitern gesichtet worden. Das World Council kam aber zu dem Schluss, dass es keine Beweise dafür gäbe, das diese Informationen in Renault-Entwicklungen eingeflossen seien, beziehungsweise im Fall eines speziellen Dämpfers von den Franzosen überhaupt nicht komplett verstanden worden seien. So ein Dämpfer wäre von Renault auch nicht verwendet worden. Strafmildernd rechnete die FIA zudem an, dass Renault die Angelegenheit offen in Zusammenarbeit mit dem Verband und Mclaren behandelt habe.

Dass vertrauliche Daten des Konkurrenten nicht für einen eigenen Wettbewerbsvorteil ausgenutzt wurden, war auch die Begründung des ersten Freispruchs von der Silberpfeile. Damals hatte Renault-Teamchef Flavio Briatore noch in der Gazzetta dello Sport geschimpft: "Wenn die FIA zugibt, den Besitz von Ferrari-Material durch Mclaren nachgewiesen zu haben, warum gibt es dann keine Strafe? Dieses Urteil erinnert mich an Pontius Pilatus."

Alonso-Rückkehr zu Renault wahrscheinlich

Diesmal war der Italiener mit dem Urteilsspruch zufrieden. Zumal er den Weg für die Rückkehr von Alonso zu den Franzosen ebnen könnte. Laut der spanischen Sportzeitung AS steht dieser Wechsel jetzt unmittelbar bevor und könnte am kommenden Montag perfekt gemacht werden. Dieser Tag sei der einzige freie Termin im Kalender von Renault-Chef Carlos Ghosn.

© SID

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