Motorsport Formel1
FIA entscheidet Dienstag über Doppel-Diffusor

Am Dienstag entscheidet die FIA über die Zulässigkeit des von Brawn, Toyota und Williams verwendeten Diffusors. Dagegen hatten Ferrari, Red Bull und Sauber Einspruch eingelegt.

Diffusor-Urteil für "Superhirn" Ross Brawn, Lügen-Nachspiel für Mclaren-Mercedes und dazu zwei Rennen in nur einer Woche: Für die Formel 1 wird der April zu einem Monat der Wahrheit.

Den Anfang macht am Dienstag beim "Großen Preis von Paris" das Berufungsgericht des Automobil-Weltverbandes FIA. Es geht um eine wegweisende Entscheidung für die Formel-1-Saison 2009. Bestätigen die Richter die Legalität der umstrittenen Doppel-Diffusoren der Teams Brawn, Toyota und Williams oder folgen sie dem Einspruch der Konkurrenten Ferrari, Renault, Red Bull und BMW-Sauber, die den Geist des Reglements verletzt sehen?

Timo Glock hat ein mulmiges Gefühl

Toyota-Pilot Timo Glock hat ein mulmiges Gefühl, dennoch sieht er dem Urteil optimistisch entgegen. "Gleich drei Teams hatten die gleiche Idee. Das zeigt, dass man von Anfang an von der Richtigkeit dieser Regelauslegung überzeugt war", sagte Glock in einem Telefon-Interview mit dem ZDF.

Danach will Brawn-Pilot Jenson Button bei den Saisonrennen Nummer drei und vier in China (19. April) und Bahrain (26. April) mit dann offiziell legalem Auto die WM-Führung ausbauen. Der Brite hatte in Australien und Malaysia gewonnen und damit die Vorbehalte der Rivalen gegen den Diffusor weiter verstärkt.

Mclaren-Mercedes droht WM-Ausschluss

Der wichtigste Termin ist allerdings der 29. April, dann muss sich Mclaren-Mercedes wegen der Lügen-Affäre um Weltmeister Lewis Hamilton in Australien vor dem World Motor Sport Council der FIA verantworten. Hamilton war nachträglich für das Auftaktrennen in Melbourne disqualifiziert worden, doch jetzt droht den einst so ruhmreichen Silberpfeilen schlimmstenfalls der WM-Ausschluss.

Die FIA wirft Mclaren-Mercedes in fünf detaillierten Punkten einen Verstoß gegen Artikel 151c des Internationalen Sporting Codes vor, der das Handeln gegen den Geist des Sports unter Strafe stellt. "Ich befürchte, dass Mclaren-Mercedes aus der WM ausgeschlossen wird. Das könnte eine Katastrophe für Mercedes und die Formel 1 sein", sagte Ex-Rennfahrer und RTL-Experte Christian Danner dem Sport-Informations-Dienst (SID).

FIA muss einheitliche Regelauslegung schaffen

Doch zunächst muss die FIA Klarheit schaffen, damit es keine unterschiedlichen Interpretationen der Regeln mehr gibt, wie es BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen fordert: "Sport ist nur dann interessant, wenn alle nach einheitlichen Regeln antreten." Auch in Malaysia sei die Dominanz der Teams mit dem zweistufigen Diffusor laut Theissen unübersehbar gewesen.

Während Mercedes-Sportchef Norbert Haug in Bezug auf die Diffusoren von einer "Zwei-Klassen-Gesellschaft" spricht, vergleicht Theissen die Angelegenheit mit einem "100-m-Lauf, bei dem einige Läufer zehn Meter weiter vorne starten. Das Ergebnis wäre nicht aussagekräftig."

Entscheidung über Doppel-Diffusor entscheidet die WM

Bereits vor der Entscheidung der FIA-Richter haben die anderen Teams allerdings mit der Entwicklung eigener Doppel-Diffusoren begonnen. "Das geht nicht auf einen Schlag", sagt Theissen. Das sieht Haug ähnlich: "Natürlich muss man sich darauf vorbereiten, wenn diese Regelauslegung legal wird. Ich bin sicher, dass alle Teams das schon untersuchen."

Für Ex-Weltmeister Fernando Alonso kann die FIA-Entscheidung sogar die ganze WM entscheiden. "Man muss den Wagen komplett umkrempeln, das kann einige Monate dauern. Deshalb könnte sich die WM mehr oder weniger schon am 14. April entscheiden", glaubt der Renault-Pilot aus Spanien. Auch für Ferrari-Fahrer Kimi Räikkönen hat die FIA-Entscheidung einen "enormen Einfluss" auf die WM.

Brawn, Toyota und Williams sind optimistisch

Bei Brawn, Toyota und Williams ist man zuversichtlich, dass die eigene Regelinterpretation von der FIA gestützt wird. "Wir haben die Regeln genau studiert. Uns war bewusst, dass bei so signifikanten Regeländerungen das Risiko besteht, dass andere das Reglement nicht so lesen wie wir und dann unglücklich sein könnten", sagte Toyota-Teamdirektor John Howett.

Sollte die FIA die Diffusoren verbieten, würde das aber nicht automatisch bedeuten, dass die entsprechenden Teams und Fahrer rückwirkend disqualifiziert werden. Nach Informationen des Fachmagazins auto motor und sport könnten die Ergebnisse der ersten beiden Rennen unangefochten bleiben wie 2006 beim Fall des Renault-Schwingungsdämpfers.

Das Bauteil wurde damals von den Rennkommissaren als legal bestätigt, doch das Berufungsgericht revidierte das Urteil. Renault wurden allerdings keine Punkte aberkannt, die Schwingungstilger mussten lediglich für die weiteren Rennen ausgebaut werden.

© SID

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