Motorsport Formel1
FIA entscheidet über Zukunft von Mclaren-Mercedes

Am Mittwoch entscheidet der Weltrat der FIA über die Bestrafung von Mclaren in der "Lügen-Affäre". Daimler-Vorstand Zetsche schließt einen Rückzug aus der Formel 1 nicht aus.

Ausschluss, Ausstieg, Sperre oder Geldstrafe: Der Weltrat des Automobil-Weltverbandes FIA entscheidet am Mittwoch in Paris über die Formel-1-Zukunft der ruhmreichen Silberpfeile. Für den Fall einer "unangemessenen Bestrafung" in der "Lügen-Affäre" hatte Daimler-Vorstand Dieter Zetsche schon den Rückzug aus der Königsklasse in Erwägung gezogen. Mit dem Urteil wird nach Informationen des Sport-Informations-Dienst (SID) noch am gleichen Tag gerechnet.

Mclaren-Mercedes hat in den vergangenen Wochen fast alles getan, um die insgesamt 26 FIA-Richter, darunter FIA-Präsident Max Mosley und Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone, milde zu stimmen. Mclaren-Sportdirektor Dave Ryan wurde zum Sündenbock gemacht und suspendiert, Weltmeister Lewis Hamilton legte unter Tränen eine öffentliche Lügen-Beichte ab, Mclaren-Teamchchef Martin Whitmarsh bot seinen Rücktritt an, und Ron Dennis verschwand von der Formel-1-Bildfläche.

Erinnerungen an 2007

Ob diese Strategie hilft, wird sich zeigen. Schon einmal stand der britisch-deutsche Rennstall kurz vor dem Ausschluss. Erst nach eindringlicher Bitte von Mercedes-Sportchef Norbert Haug vor dem FIA-Tribunal war der Rennstall gerettet, doch Mclaren-Mercedes musste 2007 in der Spionage-Affäre die Rekordgeldstrafe von 100 Mill. Dollar zahlen.

Der Imageschaden für die Silberpfeile ist schon jetzt enorm. Zu allem Ärger in der Formel 1 hat Mercedes mit der Wirtschaftskrise zu kämpfen. Zetsche musste am Dienstag verkünden, dass der Konzern im ersten Quartal dieses Jahres einen Verlust von 1,3 Mrd. Euro einfahren hat.

Der Daimler-Boss kündigte einen rigorosen Sparkurs an, davon könnte jetzt auch das Formel-1-Engagement betroffen sein. Der Etat wird auf mehr als 250 Mill. Euro pro Jahr geschätzt, Geld, das man angesichts drohender Entlassungen nach Ansicht der Mitarbeiter lieber einsparen sollte.

Haug: "Wir von Mercedes wollen eine saubere Lösung"

Der neue Mclaren-Teamchef Whitmarsh wird selbst in Paris sein und aussagen. Er stehe für eine lückenlose Aufklärung, meinte der Brite. Das fordert auch Mercedes-Sportchef Norbert Haug: "Wir von Mercedes wollen eine saubere Lösung." Deshalb wird Whitmarsh auch als reuiger Sünder vor den Richtern stehen. "Wir haben uns dazu entschieden, die Vorwürfe nicht anzufechten. Das gestaltet den Prozess einfacher", meint der Teamchef.

In einem Brief an Mosley hatte Whitmarsh den Verstoß gegen den Artikel 151c des Formel-1-"Gesetzbuches" offen zugegeben. Dieser sieht Strafen vor, wenn das Ansehen des Sports beschädigt wird. Experten erwarten nach dem Bußgang des Teams gnädige Richter. Wahrscheinlich erscheint ein Punktabzug und eine drastische Geldstrafe.

Hamilton dachte an Rücktritt

Die Fakten sprechen gegen Mclaren-Mercedes. Hamilton und Ryan hatten nach dem ersten Saisonrennen in Australien zweimal vor den Rennkommissaren wegen eines Überholmanövers von Toyota-Pilot Jarno Trulli ein Falschaussage gemacht. Funk-Mitschnitte entlarvten die Lüge. Dem Weltmeister wurde Rang drei nachträglich aberkannt.

"Ich habe mich noch nie so schlecht gefühlt. Ich kann nicht sagen, wie beschämend das für mich ist", sagte der 24-Jährige, der sogar an Rücktritt gedacht haben soll. Hamiltons Vater und Manager Anthony telefonierte schon mit Mosley und sagte dem FIA-Boss, dass sein Sohn vom Team zu dieser Falschaussage angestiftet worden sei. Hamilton senior soll danach mit anderen Rennställen gesprochen und Möglichkeiten für einen Wechsel seines Sohnes ausgelotet haben.

© SID

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